„Nicht missionieren, aber missionarisch sein“
Glaube global
Der in Salzburg lehrende Theologe Aho Shemunkasho stammt aus dem Tur Abdin im Südosten der Türkei und wuchs in Deutschland auf. Für ihn ist Religion im Nahen Osten ein grundlegender Teil der kulturellen Identität, wenn orientalische Christen in einem muslimischen Umfeld leben (müssen). In den syrisch-christlichen Traditionen dominiere bis heute das Aramäische als Sprache Jesu und strukturiere bis in die Gegenwart auch die vielen Gebete und liturgischen Gesänge.
Kulturelle Errungenschaften des Christentums
Als Jugendlicher habe er in Deutschland eine römisch-katholische Messe mitgefeiert und trotz völlig anderer Liturgie habe er in der Eucharistie plötzlich Vertrautheit gespürt. „Da wusste ich: Es ist doch dasselbe“, unterstrich Shemunkasho. Er verwies auch auf die große Bedeutung von Bildung, Demokratie und Menschenrechten als kulturelle Errungenschaften, die wesentlich vom Christentum mitgeprägt worden seien.
Klosterneuburger Diskurse: Afrikas Glaubenspraxis vermisst
Schwester Brigitta Raith von den Missionarinnen Christi lebte 33 Jahre im Kongo. Sie erläuterte den tiefgreifenden Wandel im Missionsverständnis. „Wir wollen heute nicht missionieren, sondern missionarisch sein, das heißt, mit den Menschen das Leben teilen, ihnen zugewandt sein“, betonte Schwester Brigitta. Dies komme auch dadurch zum Ausdruck, dass die eigene Ordenstracht der Kleidung afrikanischer Frauen nachempfunden ist. Die Kirche im Kongo habe sich gewandelt, von einer „Servicestelle“ hin zu einem „entschiedenen Christentum“. Seit ihrer Rückkehr nach Österreich vermisst die Ordensfrau die lebendige Glaubenspraxis Afrikas – etwa das gemeinsame Singen in den Gottesdiensten. Weil staatliche Strukturen im Kongo vielfach schwach seien, würden Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser und soziale Dienste großteils von kirchlichen Trägern geführt. Dadurch genieße die Kirche großes Vertrauen in der Bevölkerung.
Nationalistisch gefärbter Hinduismus Thema bei den Klosterneuburger Diskursen
Als Wanderer zwischen den Welten fühlt sich Pater Antony Arockiam vom Orden der Missionare des heiligen Franz von Sales. Als Christ gehöre er in Indien einer Minderheit an und werde dort zuerst religiös wahrgenommen. In Österreich hingegen werde er vor allem kulturell als Inder gesehen. Arockiam erinnerte daran, dass das Christentum in Indien wesentlich durch Missionare verbreitet worden sei. Christliche Orden könnten heute kaum mehr offen missionarisch auftreten, engagierten sich aber nach wie vor stark in Schulen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen. Zugleich schilderte Arockiam den wachsenden Druck auf christliche Minderheiten in Indien durch einen nationalistisch gefärbten Hinduismus.