Klosterneuburgs Korallenkrippe

Anekdote
Ausgabe Nr. 2
  • Heiter bis heilig
Autor:
Eine schöne Krippe aus Korallen im Stift Klosterneuburg
Meisterwerk aus Korallen. Stift Klosterneuburg beherbergt viele Kunstschätze. Nicht alle werden geputzt. ©privat

Bernadette Spitzer erzählt gerne Heiteres aus der Welt der Kirche.

Bis Mariä Lichtmess sind im ganzen Land unzählige Krippen aufgestellt. Eine herausragende Krippe, einen wahren Schatz, beherbergt das Stift Klosterneuburg. Es handelt sich um eine seltene Korallenkrippe. Sie ist um 1650 in einer Werkstatt in Trapani in Sizilien hergestellt worden. Die knapp 60 mal 45 cm große Krippe ist ein handwerkliches Meisterwerk. Die Figuren sind zur Gänze aus roter Koralle geschnitzt, wobei das Rot das Blut Christi symbolisiert.

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Wie hält man solche Kunstwerke sauber? In Klosterneuburg entschied man sich vor Jahren dafür, die Krippe einfach nicht anzurühren und zu hoffen, dass nichts passiert. 2011 wurde die Schatzkammer, in der sie aufgestellt ist, neu gestaltet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Zuge dessen wollte sie eine Diplomandin der Universität für angewandte Kunst genau unter die Lupe nehmen. Was würde sie wohl über die ungepflegte Krippe sagen? Die Chorherren waren verunsichert.

„Wann ist sie zuletzt gereinigt worden?“, wollte die Expertin wissen. „Naja, das ist schon Jahre her,“ war die verlegene Antwort. Da begann die Diplomandin zu strahlen: „Nicht gereinigt? Das ist ja großartig! Wissen Sie, wie viele Korallenkunstwerke schon durch Putzmittel zerstört worden sind? Da werden chemische Reaktionen ausgelöst, die die Korallen von innen zersetzen. Sie nicht zu reinigen ist definitiv die beste Pflege.“ Sie attestierte den Klosterneuburger Korallen, in einwandfreiem Zustand zu sein. „Puh, Glück gehabt“, dachten sich die Chorherren. Man sieht – manchmal ist weniger Reinlichkeit mehr.

Die Korallenkrippe ist übrigens das ganze Jahr in der Schatzkammer des Stiftes ausgestellt. ▶ stift-klosterneuburg.at

Autor:
  • Bernadette Spitzer
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