Hundertprozentig Missionarin

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 22
  • Spiritualität
Autor:
Margit Jachimow besucht zweimal im Monat, im Rahmen eines Legionsapostolats, ein Altersheim. ©Privat

Als junge Frau wollte Margit Jachimow in ferne Länder gehen, um dort den Menschen von Gott zu erzählen. Stattdessen klopft die 70-Jährige seit 42 Jahren für Legio Maria an Wohnungstüren in Döbling.

Der SONNTAG trifft Margit Jachimow zum Interview im Karmelitenkonvent in Döbling im 19. Bezirk. Dort versammelt sich jede Woche auch ihr ‚­Präsidium‘, die kleinste Einheit in der Legion Mariens, zum Gebet und zum Austausch.

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Legio Maria Missionarin

Frau Jachimow, wie haben Sie die Legion Mariens kennengelernt?

Nach meiner Ausbildung zur Lehrerin wollte ich eigentlich in die Mission gehen. Eine Schulfreundin von mir war damals Missionarin in Südamerika. Ich wusste also, dass das grundsätzlich möglich ist, und dachte, so schnell würde ich ohnehin keine Stelle als Lehrerin bekommen. Tja, die Stelle habe ich sofort gekriegt, also habe ich zu unterrichten begonnen. Ich war traurig, weil ich dachte, dass diese Chance jetzt vorbei ist. Eines Tages sah ich bei uns in der Pfarre in Neustift am Walde einen Aushang mit der Einladung zu einem Filmvortrag über die Legion Mariens, der im Haus des Diakons stattfinden sollte. Ich wollte immer schon wissen, wie das Haus unseres Diakons von innen aussieht. Von der Neugierde angetrieben bin ich also dorthin. Ich habe nicht nur das Haus gesehen, sondern, was viel wichtiger war, die Legion Mariens kennen gelernt und mit ihr das Gespräch mit den Menschen über den Glauben im eigenen Land. 

Das war vor 42 Jahren. Seit damals klopfen Sie im Rahmen Ihres ‚Legionsapostolats‘ regelmäßig an die Türen von Menschen.

Wir bringen den Menschen in der Gegend den Informationsbrief aus dem Karmel. Das ist der Anlass beim Anklopfen. Ich erinnere mich an den Anfang. Ich hatte damals meine Tochter im Tragetuch mit dabei. Das Baby war sehr süß, es war unser Türöffner. Später ist meine Tochter als Kleinkind oft mit dabei gewesen. Einmal waren wir in einem mehrstöckigen Wohnhaus unterwegs und dachten, dass im obersten Stock nur noch der Dachboden ist. Doch meine Tochter drängte darauf, dass wir hinaufgehen. Also sind wir auch den letzten Stock hochgestiegen. Und wirklich: Eine Frau hat uns aufgemacht und sich so gefreut, denn ihr Mann war erst vor Kurzem gestorben.

Für Legio Maria an Türen klopfen

Wie reagieren die Menschen, wenn Sie vor der Türe stehen?

Bei so einem Apostolat erlebt man die verschiedensten Menschen. Die meisten sind höflich, aber hin und wieder passiert es uns doch, dass uns die Tür vor der Nase zugeschlagen wird. In einer Wohnanlage gab es zum Beispiel einen ‚rabiaten‘ Hausmeister, der nicht sehr freundlich war. Mit anderen haben wir uns im Laufe der Zeit angefreundet. Bei unseren Besuchen fragen wir, ob ihnen die Kirche überhaupt bekannt ist, und geben ihnen das Bild der Muttergottes mit dem geneigten Haupt und erklären es. Menschen, die sich in einer Notlage befinden, geben wir gerne die Muttergottesmedaille, denn Maria hilft immer. Entweder die Notlage ändert sich, oder sie finden Trost. Eine ganz wichtige Regel bei uns ist: Wir sind immer zu zweit unterwegs. Erstens, weil das einen gewissen Schutz bietet, wenn man eine fremde Wohnung betreten darf. Zweitens betet immer eine Person, während die andere spricht. Und drittens hilft es einem selbst, gewissenhaft sein Apostolat zu erledigen, weil man es sich mit jemandem ausgemacht hat.

„Mission bedeutet für mich das Weitertragen des Glaubens zu den Menschen.“

Legio Maria im Altersheim

Sie besuchen außerdem zweimal pro Monat im Rahmen eines Legionsapostolats ein Altersheim.

Dort feiern wir die Heilige Messe und kommen viel mit den Leuten ins Gespräch. Das Schönste, was wir dort erlebt haben, war ein Mann, den wir drei Jahre lang begleitet haben. Irgendwann haben wir herausgefunden, dass er zwei Brüder hat, die er schon lange nicht gesehen hatte und mit denen er nicht versöhnt war. Wir haben einen davon ausfindig gemacht – und wirklich kam es am Ende noch zur Versöhnung zwischen den Brüdern, sodass er im Seelenfrieden heimgehen konnte.

Ihr Traum von der Mission in fernen Ländern ist nicht wahr geworden. Wenn Sie zurückblicken: Hat sich Ihre Sehnsucht trotzdem erfüllt?

Hundertprozentig! Mission bedeutet für mich das Weitertragen des Glaubens zu den Menschen. Es geht nicht darum, jedem den Glauben wie einen Kübel überzustülpen, sondern ihn denen zu bringen, die eine Sehnsucht haben. Und das tun wir bei der Legion Mariens. 

Schlagwörter
Autor:
  • Sandra Lobnig
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