„Durch die Musik spricht Gott zu mir“

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 21
  • Spiritualität
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Heuer singt Julia Gattermeyer bereits zum zweiten Mal beim Loretto-Pfingstfest in der Pfarre Lichtental mit. ©Jakob Gramm

Julia Gattermeyer, 33, lernte Jesus als Kind kennen, wandte sich als Jugendliche von der Kirche ab – und lernte genau in dieser Phase ihren Mann kennen. Eine Fügung, sagen die beiden heute.

Julia singt im Lobpreisteam des Loretto-Pfingstfestes am 22. und 23. Mai in der Pfarre Lichtental im 9. Bezirk.

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Julia, du bist wahrscheinlich gerade sehr mit den Proben für Pfingsten beschäftigt. 

Genau. Wir haben am Wochenende intensiv geprobt, das Wochenende davor und dazwischen hatten wir auch einzelne Sängerproben. 

Musik ist Leidenschaft

Du hast vergangenes Jahr das erste Mal beim Loretto-Pfingstfest mitgesungen. Wie war es für dich, Teil des Musikteams zu sein?

Es war sehr intensiv und gleichzeitig erfüllend und schön! Für mich war es das erste Mal, vor so vielen Leuten zu singen und sie durch mein Singen in den Lobpreis zu führen. Ich war außerdem hochschwanger. Man sieht von der Bühne aus, wie die Leute mitsingen, wie groß die Freude ist, man bekommt alles hautnah mit. Es gab viele Situationen, die mich sehr berührt haben. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen jungen Burschen, der einem älteren Mann beim Beten die Hand aufgelegt hat. Ob es sein Vater war? Ich weiß es nicht. Ich habe mir jedenfalls gedacht, dass ich es auch sehr schön fände, wenn meine Tochter einmal so für mich beten würde.

Apropos Tochter: Deine Tochter Rosa ist zehn Monate alt. Wird sich dein Mann Georg um sie kümmern, wenn du auf der Bühne stehst?

Nein, Georg leitet das Staff-Team bei der Veranstaltung. Meine Mama wird sich um Rosa kümmern. Rosa ist eh sehr ‚mess­erfahren‘, wir nehmen sie immer in die Kirche mit und sie hört meistens ganz gespannt zu.Zu Hause spiele ich manchmal am Klavier und singe Lobpreislieder, während sie danebenliegt. Das mag sie sehr. Sie reagiert auf die Musik. Ich glaube, dass sie die intensive Zeit letztes Jahr zu Pfingsten im Bauch mitbekommen hat. 

„Musik war ja immer schon die Sprache, in der Gott am meisten zu mir spricht.“

Musik und Glaube

Musik spielt auf deinem Glaubensweg eine wesentliche Rolle. Du warst als Kind Teil von Kisi – God’s singing kids.

Ich bin mit drei Jahren zu Kisi gekommen und habe durch Kisi zum Glauben gefunden und Jesus kennen gelernt. Mit 13 gab es aber einen Bruch in meinem Glaubens­leben. Ich habe mich von der Kirche abgewandt. Ich wollte bei den anderen Jugendlichen dazugehören und habe gemerkt, dass ich nicht zu meinem Glauben stehen kann.

Damals hast du Georg, deinen Mann, kennen gelernt. Ihr seid heute beide Mitglieder der Loretto-Gemeinschaft. Wie hast du deinen Weg zurück zum Glauben gefunden? Über Georg?

Georg war Taufscheinkatholik, der Glaube war ihm nicht wichtig. Wir sehen es heute als Fügung, dass wir uns genau damals kennen gelernt haben. Wäre ich nach wie vor voll im Glauben gewesen, hätte ich mich wahrscheinlich nicht auf ihn eingelassen. Aber so haben wir zusammengefunden. Mit Anfang zwanzig habe ich mich der Kirche wieder angenähert. Meiner Schwester habe ich diesbezüglich sehr viel zu verdanken. Sie hat mich immer wieder eingeladen, bei Taufen oder Firmungen zu musizieren. Und die Musik war ja immer schon die Sprache, in der Gott am meisten zu mir spricht. Was ich außerdem gespürt habe: Ich habe als Kind einmal ‚Ja‘ zu Jesus gesagt, das bleibt. 

Und Georg?

Er war lange Zeit eher zurückhaltend. Ich habe damals zusammen mit einer Freundin viel für ihn gebetet, vor allem dafür, dass er einmal zu einem unserer Gebetstreffen mitkommt. Und so war es dann auch. Er war in unserem Hauskreis dabei, bei dem er meine Schwester und ihren Mann und auch die anderen ohnehin kannte. Er fand es nett, die Leute, das Essen, die Musik. Und langsam ist er auch reingewachsen. 

Wie hat sich dein Glaubensleben verändert, seit deine Tochter auf der Welt ist?

Es ist schon sehr fordernd. Am Anfang habe ich die langen Stillzeiten genutzt, um zu beten oder am Handy in der Bibel zu lesen. Durch die Loretto-Gemeinschaft nehme ich regelmäßig an unseren Hauskreisen teil. Und wenn Rosa am Vormittag schläft, nehme ich mir Zeit für Stille. Aber das kostet mich schon auch Disziplin.

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Autor:
  • Sandra Lobnig
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