„Mander, ’s ischt Zeit!“
Hirtenhund
Aufruhr, Chaos, Durcheinander: Dass diese Botschaft ausgerechnet aus unserem wohlsortierten Österreich in die Welt getragen wird, hat mich dann doch überrascht. Das nämlich bedeutet das titelgebende Wort „Bangaranga“ des ESC-Siegersongs. Es stammt angeblich aus dem jamaikanischen Kreolisch. Ob die epileptischen Zuckungen der illustren Tanzgarde um das Gesangsderivat „Dara“ ebenso einer alten karibischen Tradition entsprechen, konnte ich nicht verifizieren. Wohl aber die Lyrics, in denen von Engeln, Dämonen, Aufruhr und Chaos die Rede ist.
Was zur Zeit in der deutschen katholischen Kirche los ist
Schöner kann man wohl auch nicht zusammenfassen, was gerade in der deutschen katholischen Kirche los ist. Zumindest, wenn man den Auguren des Untergangs glaubt, die den jüngst zu Ende gegangenen 104. Katholikentag in Würzburg in Grund und Boden kommentierten. Ein „Katholizismusplagiat“, so „fad wie entkoffeinierter Kaffee“, schrieb etwa ein Priester vom rechtskonservativen Rand in einer Kolumne; und über „Easy-Listening-Geklimper“ bei Gottesdiensten und „die immergleichen Phrasen“ machte sich der Kolumnist bei „communio.de“ lustig. Tatsächlich war die Bandbreite der gebotenen Podien, Workshops und Stände denkbar groß – und reichte von „Gesang und Kabarett im Rhöner Dialekt“ bis hin zum „Ökumenischen Arbeitskreis BDSM und Christsein“. BDSM? Bund Deutscher Samariter? Beicht-Daten-Sonder-Müll? Nein, tatsächlich das, was Google auswirft: „Bondage und Discipline, Dominanz und Submission sowie Sadomasochismus“. Also alles, was der liebe Gott lieber nicht mitbekommen sollte – und was doch laut diesem Arbeitskreis „keinen Widerspruch zum Katechismus“ darstellt.
„Bangaranga!“
Anders gesagt: „Bangaranga!“ – Chaos, Durcheinander, Aufruhr. Nicht zu vergessen die Streitigkeiten um den deutschen Synodalen Weg und um die Segnung von Menschen in „irregulären Beziehungen“ (nein, ich nutze das jetzt nicht als Sprungbrett Richtung Dompfarrer!). Aber andererseits: Immerhin gibt es ihn noch, den Katholikentag. Und er lockte stolze 74.000 Besucher. In Österreich gab es Vergleichbares zuletzt 2004 mit dem „Mitteleuropäischen Katholikentag“ in Mariazell.
„Mander, ’s ischt Zeit!“
Wäre es nicht eine Idee, unseren Bischöfen das deutsche Katholikentagsmotto „Hab Mut, steh auf!“ zuzurufen, auf dass sie endlich wieder den Mut zu einer österreichweiten Manifestation des Glaubens packen? Oder auf gut Tirolerisch: „Mander, ’s ischt Zeit!“ Und als Stargast laden wir „Dara“ dazu ein, die in „Bangaranga“ nicht nur Chaos beschwört, sondern in den Lyrics gleich das Motto zum Österreichischen Katholikentag mitliefert: „Lass mich dich anzünden, lass mich dich zum Leuchten bringen!“ Und Cosmo kann noch ein wenig üben und dann seinen Siegersong „Taufschein“ präsentieren …