Wider die ewige Wiederkehr

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 14
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt diese Woche über Brauchtümer zu Ostern und deren Vereinnahmung durch die FPÖ.

Sie hat es wieder getan. Und sich das „österliche Brauchtum“ unter die blauen Fingernägel gerissen. Auf aktuellen Oster-Postings in sozialen Medien beschwört die FPÖ in gewohnter Form österliche Tradition, Brauchtum und Werte. Schließlich brauchen wir laut dem Evangelium nach Herbert „Orientierung mehr denn je“. Man kann zum x-ten Mal die Instrumentalisierung der Religion durch die Blauen anprangern. Man kann jeden Kulturkampf-Pulverdampf ablehnen. Und man kann darauf hinweisen, dass Ostern mehr ist als Brauchtum und Tradition. Dass es nicht ohne Absage an Gewalt und politische Heilsbringer zu haben ist. 

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Bedeutung von Ostern und Wiederkehr

Und doch wird es nichts nützen. Weil die stets wachen Wahlkampfabteilungen dem Volk nach dem demoskopischen Mund reden – und dieser Mund sich laut jüngster IMAS-Umfrage mit über 50 Prozent positiv über die Bedeutung von Ostern aussprach. Die Bedeutung steigt sogar auf 58 Prozent in der Gruppe der Landfrauen, denen „auch Brauchtümer und Traditionen zu Ostern wichtig“ sind. Landmänner wurden offenbar nicht abgefragt. Vorhersagbar wohl auch das, was unsere Hirtenden in diesem Jahr den Schäfchen predigen werden. Von persönlicher Umkehr wird die Rede sein, in der jeder echte Frieden wurzelt. Dann natürlich vom Frieden – schließlich ist der Friedensgruß das erste, was Jesus als Auferstandener seinen Jüngern sagt; und Frieden fehlt an allen Ecken und Enden. Und gegen grassierende Resignation und Hilflosigkeit wird die Auferstehung als Zeichen des Neuanfangs durch und mit Gott besungen werden. Wetten wir …? Die Wahrscheinlichkeit ist auf meiner Seite. Sagt ChatGPT. Schließlich waren dies die zentralen Aussagen der bischöflichen Predigten der letzten 20 Jahre. 

Ewigen Wiederkehr des Gleichen?

Mich treibt angesichts dieser ewigen Wiederkehr des Gleichen die verzweifelte Hoffnung an, dass es doch irgendwann ganz anders werden möge. Dass wir dem Rad des parteipolitischen Populismus entkommen, dass wir der ewigen und hochkalorischen Traditions- und Brauchtumswalze entgehen, dass wir zu Ostern einfach mal einen Gottesdienst besuchen, uns still in eine Bank setzen und staunen angesichts der rätselhaften Lesungen, angesichts der oftmals bewegenden Gesänge, angesichts der inzwischen vielfach unverständlichen Traditionen und Riten, und einfach schauen, ob diese Erfahrung in uns Resonanz auslöst, die jedem Eier-Kren-und-Selch-seligen Brauchtumsgeklingel vorausgeht. Wäre das nicht schön, wenn es endlich wieder so wäre, wie es nie war? Und wäre das nicht der Moment, in dem es wirklich Ostern würde? Der Moment des völlig anderen, Neuen, an den wir uns Jahr für Jahr erinnern?

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