Ostern in Österreich: Tradition, Brauchtum & Skurriles

Osterbräuche leicht erklärt
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Ostern hat viele Facetten. ©Redaktion

Was hat der Hase mit der Auferstehung Christi am Hut und wieso hat dieser auch noch bunte Eier im Gepäck? In Österreich ist Ostern weit mehr als nur ein religiöses Fest; es ist ein kulturelles Spektakel.

Jedes Jahr, an einem Sonntag, der dem ersten Frühlingsvollmond folgt, feiern Christen aus aller Welt das Osterfest. Die Auferstehung Jesu wird schon seit dem zweiten Jahrhundert nach Christus gefeiert und gilt somit auch als ältestes kirchliches Fest.

Dass sich im Laufe der Zeit die Traditionen und Riten rund um den wichtigsten Feiertag des Christentums verändert haben, beziehungsweise, dass sie je nach Region variieren, ist wenig überraschend. Es ist keine Schande, wenn man hierbei ein wenig den Überblick über die ursprüngliche Bedeutung und Herkunft der Bräuche verliert.

Tauchen Sie ein in die Welt der österreichischen Ostertraditionen, gespickt mit Anekdoten, kulturellem und historischem Wissen sowie einem Hauch skurriler Bräuche.

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Heiterer und ausführlicher Blick auf ein farbenfrohes Ostern.

Oster-Maskottchen: Eine bunte Vielfalt

Seinerzeit brachte in der Schweiz nicht der Hase, sondern der Kuckuck die bunten Eier. In Schweden übernimmt diese Aufgabe der Osterhahn. In Frankreich bringen sie sogar die Kirchturmglocken. Aber auch in unseren Kreisen war es nicht immer Meister Lampe: Aus alten Überlieferungen geht hervor, dass auch Füchse oder Störche als mögliche Eierverstecker in Frage kamen. Obwohl heutzutage sehr beliebte Frühlingsboten, wurden Hühner kurioserweise in diesen Erzählungen nie erwähnt. Die Tiere waren den Kindern vermutlich zu vertraut als, dass man ihnen diese Aufgabe hätte andichten können.

Osterhase versus Osterlamm

Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts setzte sich der Hase als wichtigste Osterfigur in unseren Breiten durch. Weil sich die Vierbeiner durch ihre Scheu- und Schnellheit auszeichnen, weswegen es sicher schwer wäre, sie beim Eierverstecken zu erwischen. Hasen sind zudem aufgrund ihrer hohen Fruchtbarkeit schon lange ein Symbol für neues Leben, wodurch sie thematisch gut zum Fest der Auferstehung Christi passen.

In anderen Quellen heißt es, der Hase habe keine Augenlider und schlafe daher „mit offenen Augen“, was auf Jesus Christus hindeutet, der „dem Tod nicht entschlafen“ sei. Später wurde das Langohr von der Süßwarenindustrie aufgegriffen und als das Oster-Maskottchen unserer Gesellschaft, auch wirtschaftlich, etabliert. Aus theologischer Sicht wäre übrigens das Lamm das passendere Symboltier, denn schon zu Zeiten Jesu opferte und aß man es am Tag des Passahfests. Wird nicht zuletzt der Auferstandene selbst als „Lamm Gottes“ bezeichnet?

Der Osterhase hat sich durchgestzt gegen Kuckuck, Hahn, Storch und Fuchs.

Warum bringt der Osterhase Eier mit?

Auch das Ei ist ein Symbol des Lebens - schon seit dem vierten Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden Eier in römischen Gräbern als Beigaben beigelegt. Wie ein Grab, hält auch ein Ei das Leben in sich verschlossen. In diesem Zusammenhang wird einem die Parallele zur Auferstehung Christi deutlich.

Heute erfreuen wir uns aus rein dekorativen Zwecken an den bunt-bemalten, teils verzierten Eiern auf den Ostersträuchen, doch damals hatte diese Tradition einen tieferen Sinn: Da in der Fastenzeit keine Eier gegessen werden durften, wurden diese hart gekocht, um sie länger haltbar zu machen. Anschließend hat man sie mit verschiedenen Pflanzensäften bunt eingefärbt. So konnten auf einen Blick die Haltbaren von den Rohen unterschieden werden.

Bunte Vielfalt auf dem Tisch: Kulinarische Osterspezialitäten


Nach der Fastenzeit sehnen sich die Österreicher weiters nach Genuss, und die Osterjause liefert genau das. Vom traditionellen Reindling in Kärnten, bis hin zum knusprigen Schinken im Brotteig, der das Ende der Fastenzeit symbolisiert – die österreichische Osterküche ist ein Fest für die Sinne. Nicht zu vergessen sind die kunstvoll gestalteten Osterpinzen, Osterstriezel und Osterkränze, die auf keinem Festtisch fehlen dürfen.

> Tipps für einen saftigen Kuchen oder einen flaumigen Striezel<

Ostern: Essen am Gründonnerstag

In vielen österreichischen Haushalten kommt am Gründonnerstag Spinat auf den Tisch, auch wenn dieser Feiertag seine Benennung nicht von der beliebten Tradition hat. Das Grün im Namen kommt vermutlich von dem mittelhochdeutschen Wort "grînen", was weinen oder leiden bedeutet. Dieses Wort wurde ursprünglich in Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu und an den anschließenden Verrat durch den Jünger Judas Iskariot, mit diesem Tag in Verbindung gebracht.

Gründonnerstag kommt vom "grînen" und bedeutet weinen oder leiden.

Segnen der Osterspeisen

Das Segnen der Osterspeisen, auch bekannt als Speisenweihe oder Fleischweihe, findet traditionell am Karsamstag statt. Die Gläubigen bringen Körbe mit sorgfältig ausgewählten Speisen zur Kirche, die dann gemeinsam gesegnet werden. Diese Körbe enthalten üblicherweise Osterschinken, Eier, Brot, Salz und oft auch den Reindling oder andere süße Gebäcke.

Die Speisenweihe symbolisiert die Beendigung der Fastenzeit und die Vorbereitung auf das Osterfest. Nach der Segnung werden diese Speisen am Ostersonntag im Rahmen der Osterjause mit der Familie genossen, was ein wichtiger Bestandteil der österlichen Festlichkeiten ist.

>Lesen Sie mehr über die Segnung der Osterspeisen<

Lautstarkes Osterbrauchtum: Ratschen in der Karwoche

Waren auch Sie in ihrer Jugend während der Karwoche als Ratscher unterwegs? Woher rührt dieses ungewöhnliche Brauchtum? Früher hat man das Kirchturmglockenläuten zwischen Kreuzigung und Auferstehung Jesu als zu festlich empfunden. Stattdessen wurde die Stille während der Fasttage mit Knattern und Ratschen-Sprüchen gefüllt. Im Volksmund erzählt man sich auch, dass die Glocken nicht erklingen, weil sie nach der Gründonnerstagsmesse nach Rom fliegen und erst für das Gloria in der Osternacht wieder zurückzukehren.

Dieser Brauch, der die Gemeinschaft zusammenbringt, wurde von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Eine Anekdote dazu: Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Kinder neben Ostereiern auch Süßigkeiten und Münzen als Dank für ihre Bemühungen erhalten.

>Lesen Sie mehr über den letzten Ratschenbauer Österreichs<

Palmweihe gehört zu den Osterfeierlichkeiten

Die Palmweihe am Palmsonntag ist eine zentrale Zeremonie, bei der geweihte Palmzweige oder -buschen an die Gemeindemitglieder verteilt werden. Diese Tradition erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, wo er von der Menge mit Palmzweigen begrüßt wurde. In vielen österreichischen Gemeinden gestalten die Gläubigen aufwendig geschmückte Palmbuschen, die aus verschiedenen Zweigen, oft geschmückt mit bunten Bändern und manchmal auch mit Brot oder Gebäck, bestehen. Nach der Weihe werden diese Palmbuschen zu Hause aufbewahrt, oft neben Kreuzen oder Heiligenbildern, und sollen das ganze Jahr über Schutz und Segen bringen.

Ein hübsches Bündel Palmkätzchen erfreut oft das Auge. Doch Naturschützer mahnen, dass das Entnehmen solcher Gewächse aus der Natur den Bienen ihre essentielle Nahrung entzieht. Das Sammeln von Palmkätzchen oder Wildblumen während eines Spaziergangs im Frühling entzieht auch den Schmetterlingen ihre lebensnotwendige Nahrung. Insekten sind nach der Winterzeit geschwächt und angewiesen auf die ersten verfügbaren Nahrungsquellen.

>Lesen Sie mehr über die Karwoche: Zwischen Palmzweige, Fußwaschung & Auferstehung<

>Entdecken Sie wie Bienen dem Stephansdom helfen<

 

Palmkätzchen im Frühling sind überlebenswichtig für Bienen und Schmetterlinge.

Osterfeuer: Flammen, die den Winter vertreiben

Ein leuchtendes Spektakel bieten die Osterfeuer, die in vielen Teilen Österreichs, besonders im alpinen Raum, entzündet werden. Diese Bräuche symbolisieren das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings. In manchen Regionen, wie im salzburgischen Lungau, werden dafür sogar bis zu sechs Meter hohe Holzkästen errichtet, die ein beeindruckendes Feuer entfachen

Ostermärkte: Farbenpracht und Handwerk

Die Ostermärkte sind ein zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten und bieten von kunstvoll gestalteten Ostereiern bis hin zu frühlingshafter Dekoration für zuhause alles, was das Herz begehrt. Sie sind ein Treffpunkt für Jung und Alt und bieten die Möglichkeit, ein Stück österreichischer Ostertradition mit nach Hause zu nehmen.

Skurrile Oster-Traditionen: Oarradeln

In Obertraun, einem malerischen Ort im Salzkammergut, sorgt das "Oarradeln" für Heiterkeit. Alles, was Räder hat und nicht ordentlich verstaut wurde, findet sich am nächsten Morgen an den ungewöhnlichsten Orten wieder – sogar auf Dächern. Dieser Brauch soll die Dorfbewohner zu mehr Ordnung anhalten und sorgt alljährlich für Schmunzeln und Staunen.

Oarradeln sorgt alljährlich für Schmunzeln und Staunen.

Unser Oster-Fazit

In Österreich ist Ostern eine Zeit, in der sich die Freude am Leben, der Gemeinschaftssinn und die Verbundenheit mit Traditionen und Bräuchen auf wunderbare Weise vermischen. Dieses Fest zeigt, wie kulturelles Erbe und zeitgenössische Praktiken harmonieren können, um jedes Jahr aufs Neue ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen.

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Autor:
  • Miriam Pühringer
  • Redaktion
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