Von Adam und Eva bis Thomas Bernhard

Ausstellung in der Nationalbibliothek
Ausgabe Nr. 20
  • Kunst und Kultur
Autor:
Weltmacht Liebe: Die Erschaffung Evas aus Adam durch Gott zeigt ein „Heilsspiegel“ (um 1330).
Weltmacht Liebe: Die Erschaffung Evas aus Adam durch Gott zeigt ein „Heilsspiegel“ (um 1330). ©ONB/Pressebild
Dante wird in der Göttlichen Komödie im Jenseits von Beatrice zu Gott geleitet (um 1472).
Dante wird in der Göttlichen Komödie im Jenseits von Beatrice zu Gott geleitet (um 1472).
©ONB/Pressebild

Kostbare Handschriften, Briefe, Musik und Buchschätze aus 2.000 Jahren erzählen in der Nationalbibliothek von der Liebe als göttlicher und menschlicher Kraft. Die Ausstellung „Weltmacht Liebe“ spannt einen Bogen von biblischen Urszenen bis zu persönlichen Zeugnissen der Moderne und regt an, Liebe in die Welt hinauszutragen.

Der umfassenden Kraft der Liebe in all ihren Facetten spürt die aktuelle Ausstellung „Weltmacht Liebe. Eine Reise durch die Jahrhunderte“ im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek nach. Zu sehen sind beeindruckend schöne Handschriften, Bücher, Briefe, Fotos und Musikdokumente aus rund 2.000 Jahren – viele davon verwurzelt im religiösen Denken Europas und darüber hinaus.

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Biblische Urszenen und Buchschätze

Bereits der Auftakt der Schau führt in biblische Urszenen: Handschriften mit Buchmalereien zur Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva machen sichtbar, was im Buch Genesis grundgelegt ist: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt.“ Zu sehen ist die Handschrift auf Pergament „Speculum humanae salvationis“ („Spiegel des menschlichen Heils“) aus den 1330er-Jahren. Sie zeigt Gott bei der Erschaffung Evas aus Adams Rippe. Liebe erscheint hier als göttliche Gabe und als Fundament menschlicher Gemeinschaft. Neben christlichen Zeugnissen stehen Texte aus anderen religiösen Traditionen – etwa ein kostbarer Koran –, die zeigen, dass die Liebe zu Gott und Gottes zu den Menschen in allen großen Religionen eine zentrale Rolle spielt. Die Ausstellung schlägt weite Bögen durch die Kulturgeschichte, von der mittelalterlichen Mystik über Minnesang und klassische Literatur bis zur Moderne. 

Liebe als Weg zu Gott

Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf Dantes Beziehung zu Beatrice: In der „Göttlichen Komödie“ wird die geliebte Frau zur geistlichen Führerin, die den Dichter im Jenseits schließlich bis zu Gott geleitet. Liebe wird hier zur Brücke zwischen Erde und Himmel – ein Motiv, das auch die christliche Mystik prägt. Nicht Besitz oder Erfüllung stehen im Zentrum, sondern Verwandlung und Hinwendung zum Höheren.Solche Zeugnisse verweisen auf ein Liebesverständnis, das über Gefühle hinausgeht und existenzielle Tiefe gewinnt. Liebe wird hier auch als Sinn, Orientierung und Hingabe gedeutet – an einen Menschen ebenso wie an Gott.

Die Liebe eines Großvaters

Ein eigenes Kapitel ist der Nächstenliebe gewidmet. In allen Weltreligionen gilt sie als moralischer Kern. Die Ausstellung zeigt Zeugnisse dieser Haltung innerhalb einer großen zeitlichen Spannweite: Ein frühmittelalterlicher Papyrus zur Brotverteilung an Arme (7. Jahrhundert) ist hier ebenso zu sehen, wie ein Caritas-Plakat aus den 1980er-Jahren, das zur Haussammlung aufruft. Diese Exponate machen klar: Barmherzigkeit und praktische Fürsorge sind keine abstrakten Ideale, sondern historisch gewachsene Handlungsformen, die bis heute tragen. 

„Tausend Grüße sendet dir einer, der immer an dich denkt und sich immer um dich sorgt“

Johannes Freumbichler

Besonders berührend ist gegen Ende der Schau das Zeugnis der Liebe eines Groß­vaters zu seinem Enkel: „Tausend Grüße sendet dir einer, der immer an dich denkt und sich immer um dich sorgt“, schrieb Johannes Freumbichler 1944 auf einer Postkarte an seinen Enkel Thomas Bernhard. Ergänzt wird die Schau durch Hörstationen mit geistlicher und weltlicher Musik sowie Gedichten, die die Vielfalt der Liebesformen sinnlich erfahrbar machen. Besucherinnen und Besucher sind zudem eingeladen, eigene Liebesbotschaften zu hinterlassen – eine schöne Anregung, die Weltmacht Liebe in die Welt hinauszu­tragen. 

Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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