Die Apokalypse als Umbruch
Diskussion
Man dürfe den Begriff der Apokalypse nicht überstrapazieren, warnte Ingeborg Gabriel, Leiterin des Fachbereichs Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Daher konzentrierte sie sich eher auf die Aspekte „Hoffnung und Handeln“, so Gabriel bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Klima Biennale vergangene Woche. Dennoch mahnte die Sozialethikerin im Bezug auf die Klimakrise: „Jede Form des Handelns, die wir imaginieren können, ist absolut notwendig.“
Diskussion zum Thema Klima
Mit ihr diskutierten Lilian Meyer, Geschäftsführerin von Alstom Österreich, Judith Obermayr-Schreiber, Geschäftsführerin des Ausschusses für Ressourcen, Energie und Ökologie der Industriellenvereinigung, Reinhard Haas, emeritierter Professor für Energiewirtschaft an der Technischen Universität Wien, Johann Pock, Institutsvorstand für Praktische Theologie an der Universität Wien, und Klaus Radunsky, lange Zeit Referatsleiter im Umweltbundesamt.
Die Rolle des Moderators übernahm Bernard Mallmann. Johann Pock sieht Apokalypse weniger als determinierend für das Weltende und mehr als „Umbruch von Unrechtsverhältnissen“ politischer und wirtschaftlicher Natur. Für ihn stellte sich die Frage, wie man es schaffe, für alle gute Lebensumstände zu schaffen. Die Bibel, die Religion könne dafür Grundlagen bieten.
„Wie bringt man die Menschen weg vom Auto und in die Bahn?“
Lilian Mayer
Plädoyer für Kostenwahrheit
Lilian Mayer plädierte beim Thema Klimaschutz unter anderem für Kostenwahrheit. Ein praktisches Beispiel: „Wie bringt man die Menschen weg vom Auto und in die Bahn?“ Die extremen Kosten für das Klima würden derzeit nicht weiterverrechnet. Auch wenn ein Weitergeben der Kosten für Autofahrer einen Aufschrei der Bevölkerung zur Folge hätte, sollte das dennoch angedacht werden, so Mayer. Ihr Unternehmen in Wien ist der führende Standort für Straßen- und Stadtbahnen. Reinhard Haas kritisierte vor allem, dass der Klimawandel von der Gesellschaft nicht ernst genommen werde. So komme im letzten Regierungsprogramm das Wort „Klima“ erst gar nicht vor. Haas lobt aber auch, dass der Energieverbrauch in Österreich in den vergangenen Jahren nicht angestiegen ist und dass der Ausbau der erneuerbaren Energien gut vorangeschritten ist.
Klima: Katholische Kirche als Impulsgeber
Klaus Radunsky betonte vor allem, dass die „Technik geliefert“ habe. Man könne dekarbonisieren. Wichtig sei dabei aber, die politischen Rahmenbedingungen nicht außer Acht zu lassen: China sei mittlerweile technologisch führend, wenn es um klimafreundliche Technologie gehe. Auch Judith Obermayr-Schreiber betonte, dass Klimaschutz und Standortpolitik oft Hand in Hand gingen. Mit einer Warnung: Wenn die heimische Industrie nicht wettbewerbsfähig bleibt, werde die Produktion in Entwicklungsländer abwandern, in denen weniger auf Klimaschutz geachtet werde.
Am Ende gab es noch einen hoffnungsvollen Ausblick auf die Zukunft. So sieht Gabriel beim Thema Klima die katholische Kirche als Ort für Diskussionen und als Impulsgeber.