Wenn Fußball mehr ist als nur ein Spiel
Neue PerspektivenNur der Rio Grande trennt die Großstadt Ciudad Acuña im mexikanischen Bundesstaat Coahuila von den USA. Ciudad Acuña ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Rund 130.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt die Stadt mittlerweile – für viele Migrantinnen und Migranten aus Mittel- und Südamerika ist sie zu einem Ort des Wartens geworden. Eigentlich sind sie hierhergekommen, um in die USA einzureisen, aber durch die Maßnahmen, die die Regierung unter Präsident Donald Trump gesetzt hat, ist die Einreise in die Vereinigten Staaten praktisch unmöglich und die Situation für alle hier Gestrandeten noch trostloser geworden. Viele Familien leben in provisorischen Unterkünften, häufig ohne ausreichende Infrastruktur.
„Das runde Leder ist eines der wenigen globalen Phänomene, das überall verstanden wird und überall funktioniert.“
Vor allem für Kinder und Jugendliche bedeutet das vermehrt: wenig Schutz, wenig Förderung, kein Zugang zu Schulen und viel Zeit auf der Straße. Doch dort sind Gewalt, Jugendbanden, Drogenhandel und organisierte Kriminalität allgegenwärtig. Die vor Ort ansässigen Salesianer Don Boscos wollen in dieser Situation helfen und schaffen das mit ihrem Sozialzentrum. Sport und insbesondere der Fußball bilden hier ein zentrales Element, stets eingebettet in ein umfassendes Bildungs- und Betreuungssystem. Der Sport sei kein Ziel an sich, sondern werde zum Türöffner für Beziehung und pädagogische Arbeit, sagt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, einer Organisation, die Projektpartner der Salesianer Don Boscos in Ciudad Acuña ist. „Fußball ist der Eisbrecher. In einem weiteren Schritt erhalten die Kinder und Jugendlichen dann Angebote, zur Schule zu gehen oder eine Berufsausbildung zu machen.“
Fußball als Hoffnung: Stofffetzen und ein paar Steine
Das funktioniere in Mexiko, aber auch in anderen Teilen der Welt. „In so gut wie allen von uns geförderten Don Bosco-Projekten weltweit gibt es einen Fußballplatz“, so Reinhard Heiserer. Das runde Leder sei „eines der wenigen globalen Phänomene, das überall verstanden wird und überall funktioniert“. Es erlaube es, Kinder nicht über Programme, sondern über ihre eigene Begeisterung zu erreichen. Zentral sei dabei die einfache Zugänglichkeit des Spiels, Material brauche man kaum: „Ein improvisierter Ball aus Stofffetzen oder zusammengebundenen Plastikteilen und ein paar Steine als Tore reichen schon aus. Diese Niederschwelligkeit ermöglicht Kindern die Teilnahme unabhängig von ihren sozialen Voraussetzungen.“ Werde zumindest minimale Infrastruktur bereitgestellt – ein Platz, Trikots oder Beleuchtung etwa – hebe dies die Motivation, da es Kindern Verlässlichkeit und Struktur im Alltag vermittle.
Sport, Betreuung und Bildung
Welche Wirkung der Sport entfalten kann, hat Reinhard Heiserer selbst zum Beispiel in Ecuador gesehen. Straßenkinderteams, die sich in Turnieren gegen Teams aus reichen Schulen durchsetzten, erlebten erstmals, „dass ihre soziale Herkunft nicht über ihren Wert entscheidet“, so der Experte. Solche Erfahrungen stärkten das Selbstbild deutlich, wovon die Kästen voller Pokale und Auszeichnungen von Turnieren in den Straßenkinder-Zentren zeugten. Auch im familiären Umfeld spiele Fußball eine wichtige Rolle. Eltern würden in die Programme einbezogen und erhielten Einblick in die Aktivitäten ihrer Kinder. Das schaffe Vertrauen, insbesondere in prekären Lebenssituationen, in denen Sicherheit und Verlässlichkeit zentral seien. Durch die Verbindung von Sport, Betreuung und Bildung entstehe ein strukturierter Alltag, der Entwicklung überhaupt erst ermögliche.
Neben diesen Chancen verweist Reinhard Heiserer auch auf Grenzen. Fußball könne soziale Probleme nicht lösen, aber er könne Alternativen schaffen und riskante Lebenswege unterbrechen. In problematischen Stadtvierteln, etwa im mexikanischen Tijuana, seien Sportplätze zu Orten geworden, an denen Konflikte im Spiel statt auf der Straße ausgetragen würden. Das ersetze keine strukturellen Lösungen, wirke aber stabilisierend im Alltag.
Fairer Fußball
Kritisch beurteilt Reinhard Heiserer auch so manche Entwicklungen im internationalen Fußball. Dieser sei „ein Milliardenmarkt geworden, in dem wirtschaftliche Interessen oft dominieren“. Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und Transparenz großer Verbände stellten sich ebenso wie die Frage der nachhaltigen Nutzung von Infrastruktur nach Großereignissen. Das gilt auch oft für die Produktion der Bälle, die immer wieder in der Kritik stehen unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt zu werden.
„Das Adidas-Werk vor Ort arbeitet nach Fair-Trade- und ISO-zertifizierten Standards und garantiert so faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und den Ausschluss von Kinderarbeit.“
Jugend eine Welt
Gerade bei diesem Thema scheint die Fußball-WM 2026 allerdings in die richtige Richtung zu gehen: Trionda, der Ball, der bei der Fußball-WM 2026 zum Einsatz kommt, wird in Sialkot, Pakistan, einer Stadt, die weltweit für ihre Fußballproduktion bekannt ist, hergestellt und das laut offiziellen Informationen unter fairen Bedingungen. Auf der Website, die alles Wissenswerte über den Ball beinhaltet, heißt es ganz konkret: „Das Adidas-Werk vor Ort arbeitet nach Fair-Trade- und ISO-zertifizierten Standards und garantiert so faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und den Ausschluss von Kinderarbeit.“
Weitere Infos
Nähere Informationen zur Arbeit von Jugend Eine Welt finden Sie unter: ▶ jugendeinewelt.at
Einen fairen Fußball gewinnen
Ein Fußball, der das FAIRTRADE-Gütesiegel trägt und für faire Arbeitsbedingungen sowie nachhaltige Produktion steht, wird auch von Jugend Eine Welt vertrieben. Der SONNTAG verlost gemeinsam mit Jugend Eine Welt einen solchen hochwertigen Ball. Mit etwas Glück gewinnen Sie ein besonderes Stück, das nicht nur Spielspaß bringt, sondern auch zeigt, wie Sport weltweit verbindet und Chancen schafft. Machen Sie jetzt mit und sichern Sie sich die Chance auf diesen fair produzierten Fußball!
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Teilnahmeschluss ist der 20. Juli 2026. Die Gewinnerin bzw. der Gewinner wird schriftlich verständigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.