Selbstbestimmtes Sterben

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Frau Doktor Karin Brenner, Leiterin der Palliativstation an der Klinik Ottakring, und Doris Heidegger, Pflegeleitung der Station, im Gespräch mit einem Patienten.
Frau Doktor Karin Brenner, Leiterin der Palliativstation an der Klinik Ottakring, und Doris Heidegger, Pflegeleitung der Station, im Gespräch mit einem Patienten. ©WIGEV/Bubu Dujmic
Martin Platzer kümmert sich als stellvertretender Wohnbereichsleiter und stellvertretender Hospizleiter des Hospiz Verena um Sterbende und unheilbar kranke Menschen.
Martin Platzer kümmert sich als stellvertretender Wohnbereichsleiter und stellvertretender Hospizleiter des Hospiz Verena um Sterbende und unheilbar kranke Menschen. ©CS Caritas Socialis GmbH
Ärztin Karin Brenner: „Das häufigste Missverständnis ist wahrscheinlich, dass Palliativmedizin bedeutet: Jetzt kann man nichts mehr machen.“
Ärztin Karin Brenner: „Das häufigste Missverständnis ist wahrscheinlich, dass Palliativmedizin bedeutet: Jetzt kann man nichts mehr machen.“ ©WIGEV/Bubu Dujmic
An schönen Tagen können die Bewohnerinnen und Bewohner des CS Hospiz Verena die Sonne auf der Terrasse genießen.
An schönen Tagen können die Bewohnerinnen und Bewohner des CS Hospiz Verena die Sonne auf der Terrasse genießen. ©CS Caritas Socialis GmbH
Der Wohnbereich im CS Hospiz Verena in der Pramergasse. Im Hospiz-Alltag ist das Thema Sterben nicht immer omnipräsent.
Der Wohnbereich im CS Hospiz Verena in der Pramergasse. Im Hospiz-Alltag ist das Thema Sterben nicht immer omnipräsent. ©CS Caritas Socialis GmbH
Das Wohn- und Esszimmer des Hospizes in der Pramergasse.
Das Wohn- und Esszimmer des Hospizes in der Pramergasse. ©CS Caritas Socialis GmbH

Zeit: Sie ist eine Ressource, die vor allem am Ende des Lebens knapp wird. Wenn die Gesundheit und die Selbstständigkeit nachlassen, stellt man sich die Frage: Wie ist ein würdevolles Sterben möglich? Ein Blick in das CS Hospiz Verena in der Pramergasse.

Im CS Hospiz Pramergasse im 9. Bezirk in Wien tritt Martin Platzer an einem Tag Ende September seinen Dienstbeginn an. Hier scheint die Zeit stillzustehen. Noch vor Sonnenaufgang trifft sich das Team zur Übergabe zwischen Nacht- und Frühdienst. Im Besprechungsraum im fünften Stock, wo sich die Wohnbereiche für chronisch Kranke befinden, berichten Pflegekräfte aus Hospiz und Altenpflege über die vergangene Nacht und den Zustand der Bewohnerinnen und Bewohner.

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Das Hospiz

Anschließend geht Platzer in den Sozialraum auf der Hospiz-Etage im 1. Stock. Seit Jänner 2024 verfügt das Haus über ein eigenes Hospiz-Stockwerk mit neun Einzelzimmern. Die Nachfrage ist groß. „Wenn ein Zimmer frei wird, kommt oft auch schon der nächste Bewohner“, sagt Platzer. An diesem Tag wird eine neue Bewohnerin erwartet.

„Wenn ein Zimmer frei wird, kommt oft auch schon der nächste Bewohner.“

Martin Platzer

Das Hospiz ist hell und modern eingerichtet. Neben den neun Einzelzimmern, die alle über ein Badezimmer und eine eigene Toilette verfügen, gibt es auch ein Klo am Gang, einen Lagerraum, den Sozialraum und die Wohnküche, in der neben einer Küchenzeile auch ein Fernseher und ein Esstisch stehen. Eine Ecke des Raumes ist mit Kinderbüchern ausgestattet. An sonnigen Herbsttagen wie diesem können die Bewohnerinnen und Bewohner sich auch auf der ruhigen, begrünten Terrasse sonnen. Was auffällt, wenn man das Hospiz betritt, ist die Abwesenheit von Desinfektionsmittel- oder Krankenhausgeruch. Es riecht vielmehr nach Kräutern. An einer Pinnwand hängen die Fotos der Pfleger und Ärzte, gleich neben einer Liste mit Aktivitäten, die in den kommenden Wochen geplant sind. Darunter befinden sich Kunst-Workshops und Gesangsabende. Ein besonderes Highlight ist der Besuch der Esel. Die Tiere kommen an diesem Tag direkt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern – teilweise sogar direkt aufs Zimmer.

„Im Vordergrund steht die Lebensqualität“

Der Sozialraum dient als organisatorisches Zentrum des Hospizes. Hier koordiniert Martin Platzer Verlegungen aus Krankenhäusern, kommuniziert mit Apotheken, Angehörigen, Friseuren sowie Ärztinnen und Ärzten und bereitet Neuaufnahmen vor. An diesem Morgen organisiert er die Ankunft einer Bewohnerin aus dem Krankenhaus „Göttlicher Heiland“. Zur Palliativpflege kam Platzer über einen Auslandsaufenthalt während seiner Ausbildung. Damals war er in einem Krankenhaus in Berlin eingeteilt – in der Palliativpflege. Im Hospiz schätzt er besonders die Möglichkeit, stärker auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Im Gegensatz zu einer geriatrischen Station seien die Tagesabläufe weniger vorgegeben. Bewohnerinnen und Bewohner könnten ihren Tag selbstbestimmter gestalten.

„Bei uns steht der Mensch mit seinen Wünschen, seiner Würde und seiner Lebensqualität im Mittelpunkt.“

Doris Heidegger

Karin Brenner, Leiterin der Palliativstation an der Klinik Ottakring, erklärt den Unterschied zwischen einer Palliativstation und einem Hospiz: Eine Palliativstation sei Teil eines Krankenhauses und nehme Patientinnen und Patienten vorübergehend auf, um Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit oder Atemnot zu behandeln. Ziel sei häufig wieder eine Entlassung nach Hause oder in eine geeignete Pflegeeinrichtung. Das Hospiz hingegen sei eine eigenständige Einrichtung oder Teil einer Pflegeeinrichtung. Doris Heidegger, Pflegeleitung der Station, ergänzt, dass auf einer Palliativstation die Selbstbestimmung und die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten im Zentrum stehen. Neben einer professionellen medizinischen und pflegerischen Betreuung sowie der gezielten Linderung belastender Symptome ist es besonders wichtig, den Alltag möglichst persönlich und flexibel zu gestalten. So können die Patientinnen und Patienten ihren Tagesrhythmus weitgehend selbst bestimmen, Mahlzeiten nach ihren eigenen Bedürfnissen einnehmen und Ruhezeiten individuell wählen. „Bei uns steht der Mensch mit seinen Wünschen, seiner Würde und seiner Lebensqualität im Mittelpunkt“, erklärt Heidegger. Die Palliativstation in Ottakring verfügt über 14 Betten, von denen sich die meisten in Einzelzimmern befinden.

Was macht würdevolles Sterben aus?

Für Martin Platzer ist Selbstbestimmung ein wesentlicher Bestandteil eines guten Sterbens. Patientenverfügungen seien hilfreich, weil darin oft persönliche Wünsche festgehalten sind, etwa zu Berührungen, Musik, Düften oder seelsorglicher Begleitung. Wenn solche Informationen fehlen und sich Betroffene nicht mehr äußern können, müssen Pflegekräfte Angehörige befragen. Platzer wünscht sich deshalb mehr Vorsorge und Offenheit im Umgang mit dem Thema Sterben. Doktor Karin Brenner sieht Selbstbestimmung ebenfalls als zentral an. Sterben sei ein individueller Prozess, bei dem es kein „Richtig“ oder „Falsch“ gebe. Menschen und Angehörige müssten auf ihrem jeweiligen Weg begleitet werden.

„Die wenigsten Menschen sind pumperlgsund und fallen dann plötzlich tot um. Das ist eine Conditio Humana.“

Theresa Sellner-Pogány

Theresa Sellner-Pogány, Palliativmedizinerin im Hospiz Pramergasse, plädiert dafür, statt von „würdigem Sterben“ eher von „selbstbestimmtem Sterben“ zu sprechen. Nicht immer seien Medikamente die wichtigste Unterstützung. Oft helfe ein Gespräch, Physiotherapie oder einfach das stille Dasein. Gleichzeitig kritisiert sie die Vorstellung, ein würdevolles Lebensende sei nur ohne Pflegebedürftigkeit möglich. Der Verlust von Selbstständigkeit gehöre für viele Menschen zum Alterungsprozess und bedeute nicht automatisch einen Verlust der Würde: „Auf einer gesellschaftlichen Ebene beschäftigt mich diese Idee, dass würdevolles Sterben eben damit verbunden sei, dass man bis zum Schluss selbständig bleiben könne. Komplett. Am besten ohne Pflege. Das ist eine Illusion, denn die wenigsten Menschen sind pumperlgsund und fallen dann plötzlich tot um. Das ist eine Conditio Humana.“ Es würde älteren Menschen viel Leid ersparen, wenn es ein Bewusstsein dafür gäbe, dass Altern in vielen Fällen auch mit dem Verlust von Autonomie und dem Annehmen der Hilfe von außen einhergeht, ohne dass dies gleich die Würde des Einzelnen angreift.

„Hier kann man einfach man selbst sein“

Immer wieder schaut die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Theresia Gschwandegger im Sozialraum vorbei. „Hier kann man einfach man selbst sein“, sagt Frau Gschwandegger über ihre Arbeit im Team des Hospizes. Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin freut sich sehr, dass eine Bewohnerin, die sich in den letzten Wochen zurückgezogen hatte, heute besonders zugänglich ist. Es seien kleine Dinge, die einen im Hospiz-Alltag freuen würden.

„Hier kann man einfach man selbst sein.“

Theresia Gschwandegger

Theresia und Martin erzählen unter anderem von einer ehemaligen Bewohnerin. „Sie hat am ersten Tag gesagt, dass sie nicht bei uns einziehen könne, denn ihr Tisch würde nicht ins Zimmer passen“, erinnert sich Martin Platzer, „aber wir haben ihren Tisch dann hineingebracht. Sie hat fast all ihre Möbel von zu Hause in ihr Zimmer mitgenommen.“ Man würde immer versuchen, die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner zu erfüllen, wenn es möglich ist, so Platzer. Einmal sei er auch für eine Bewohnerin auf die Suche nach Zwetschkenknödeln gegangen. Alle Supermärkte in der Umgebung hätte er dafür abgeklappert, bis er welche gefunden habe. Es sei nicht immer eine düstere Stimmung im Hospiz. „Immer, wenn ich erzähle, dass ich im Hospiz arbeite, meinen die Leute: Das ist sicher schwer. Aber man bekommt echt viel von den Leuten zurück. Es ist eine schöne Arbeit“, erzählt Theresia Gschwandegger.

Die neue Bewohnerin

Gegen 9:00 Uhr trifft die neue Bewohnerin ein. Zwei Mitarbeiter der Johanniter bringen sie auf einer Liege ins Hospiz. Sie wird in Zimmer 209 untergebracht. Platzer begrüßt sie, richtet ihr das Bett und fragt, ob sie sich umziehen möchte. Von der neuen Bewohnerin kommt ein klares „Nein“. „Ich bin lange genug im Krankenhaus-Pyjama gelegen. Ich bin froh, wenn ich mein normales Gewand tragen kann“, so die Hospiz-Bewohnerin. Manchmal ist Würde und Selbstbestimmung nicht mehr als das.

„Ich bin lange genug im Krankenhaus-Pyjama gelegen.“

Hospiz-Bewohnerin

Während der Pflegeassistent Ladislav Fekete und die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Gisela Cuello Porpo die Bewohnerin versorgen und ihre persönlichen Gegenstände auspacken, kümmert sich Platzer um die Unterlagen aus dem Krankenhaus. Medikamentenverschreibungen werden an die Apotheke weitergeleitet, Dokumente in die hausinterne Dokumentation übernommen.

Der Start im Hospiz

Frau Sellner-Pogány erklärt die Voraussetzungen für eine Aufnahme in das stationäre Hospiz. Notwendig sei keine bestimmte Pflegestufe, sondern eine Bewilligung des Fonds Soziales Wien für einen erhöhten spezialisierten Betreuungsbedarf. Vor einer Aufnahme prüft sie Diagnosen und Medikamente und spricht mit den Betroffenen über das Leben im Hospiz. Viele Patientinnen und Patienten kämen aus belastenden Krankenhaussituationen. Die Information, dass hier symptomlindernd und in ruhiger Atmosphäre gearbeitet werde, nehme ihnen oft bereits viel Stress.

Während Kollegin Gisela Cuello Porpo noch mit der Eingabe der Daten der neuen Bewohnerin beschäftigt ist, repariert Martin Platzer eine Uhr. Platzer nimmt sich kurzerhand einer Zange und dreht die Zeiger auf die richtige Position. Schon läuft die Uhr. Und hier ist sie wieder, die Zeit. Der stellvertretende Leiter des CS Hospiz Verena bringt die Uhr unverzüglich in das Zimmer der Bewohnerin – gleich das erste Zimmer neben dem Sozialraum. Aus dem Zimmer tönt seit einer Stunde Musik. Die Bewohnerin sitzt am Bett. Sie trägt einen roten Pullover. Ihr graues Haar ist zu einer Frisur aus gepflegten Locken hochgesteckt. Vor ihr am Holztisch liegt ein kleines Handradio, auf dem sie Radio Wien hört. Martin Platzer fragt, wo die Uhr hingehört. „Dort an die Wand“, sagt die Dame und deutet auf die Wand gegenüber von ihrem Bett, an der ein Tisch steht. Platzer hängt die Uhr auf, geht ein paar Schritte zurück und richtet die Uhr dann gerade. Mit einem Kopfnicken Richtung Bewohnerin geht er wieder aus dem Zimmer. „Hier läuft immer die 80er-Jahre-Hitparade“, sagt Martin Platzer mit einem Lächeln.

Ein Sterben, das zum Leben passt

Doktor Sellner-Pogány weiß, was Menschen in ihren letzten Tagen brauchen. „In der Palliativpflege arbeiten wir ja nach diesem Total-Pain-Konzept. Das bedeutet, dass man Schmerzen, aber das kann auch Atemnot oder Übelkeit sein, in verschiedenen Dimensionen betrachtet und da gehört die körperliche, die seelische, die psychische, die soziale Dimension dazu“, so die Ärztin. Den Begriff „würdevolles Sterben“ sieht Sellner-Pogány kritisch: „Ich glaube, der Mensch sollte ein Sterben haben, das zu ihm und zu seinem Leben passt. Am besten wäre ein Sterben, das sich einfügt in den Rest des Lebenslaufes, das nicht erzwungen ist oder in einer Situation, in der der Patient das unangenehm empfindet.“

„Der Mensch sollte ein Sterben haben, das zu ihm und zu seinem Leben passt.“

Theresa Sellner-Pogány

Ein konkretes Schlüsselerlebnis in ihrem letzten Turnusjahr habe sie zu ihrer Entscheidung geführt, Palliativmedizinerin zu werden: „Ich war auf einer Pulmologie und dort hat der Primar bei einer Patientin angeordnet, dass wir täglich Blut abnehmen. Für uns war offensichtlich, dass diese Patientin im Sterben liegt. Wir versuchten zu diskutieren, aber der Primar hat darauf bestanden. Daher haben wir diese arme Frau täglich stechen müssen. Und an einem Tag haben wir es dann zu dritt versucht. Wir sind um sie gestanden und haben es nicht mehr geschafft, Blut abzunehmen. Und dann habe ich gesagt: „Jetzt schreiben wir auf dieses Gefäß für die Blutabnahme: Wird später gemacht.“ Kurz darauf sei die Dame verstorben. Das habe sie sehr beschäftigt, so Sellner-Pogány: „Ich habe mir gedacht: ‚Das muss doch besser gehen.‘ Diese Hilflosigkeit und was medizinisch alles noch getan wird, obwohl es wirklich völlig unpassend ist für den Moment, haben mich dazu gebracht, mich damals nach einer Fortbildung in dem Bereich umzusehen.“

„Das häufigste Missverständnis ist wahrscheinlich, dass Palliativmedizin bedeutet: Jetzt kann man nichts mehr machen.“

Karin Brenner

Im Wiener Gesundheitsverbund stehen insgesamt 40 palliativmedizinische Betten zur Verfügung, je 14 Betten in den Kliniken Hietzing und Ottakring und 12 im AKH. Im Jahr 2025 wurden hier 770 Patientinnen und Patienten betreut. Die Aufnahme in eine Palliativstation bedeute nicht gleich, dass der Patient sterben wird, erklärt Doktor Karin Brenner: „Das häufigste Missverständnis ist wahrscheinlich, dass Palliativmedizin bedeutet: Jetzt kann man nichts mehr machen. Wir können sehr viel machen, aber das Therapieziel ändert sich. Bei uns auf der Station geht es nicht mehr darum, dass wir Erkrankungen heilen können. Es steht auch nicht die Lebensverlängerung im Vordergrund, sondern der Fokus der Palliativmedizin ist es, die Symptomkontrolle zu optimieren und damit die Lebensqualität unserer Patienten zu verbessern.“

Was in der Palliativmedizin in Wien fehlt

Nachdem die Dokumente der neuen Bewohnerin eingescannt und ihre Medikamentenverschreibungen an die Apotheke weitergeleitet sind, ist der Vormittag bald um. Die Musik aus dem Zimmer verstummt und macht Platz für das Geräusch von klirrendem Geschirr. Im Wohn-/Esszimmer wird das Mittagessen für die Bewohner angerichtet. Gegen 13:30 Uhr übergibt Martin Platzer an seine Kollegin Theresa Sellner-Pogány. Die Ärztin wird sich auch die Medikamentenliste der neuen Bewohnerin ansehen. Oft würden die Patientinnen und Patienten zu viele Medikamente nehmen. Frau Sellner-Pogány bemüht sich darum, dass nur noch die wichtigen eingenommen werden. Um 14:00 Uhr folgt dann die Übergabe der Tagesschicht an die Nachmittagsschicht. Wieder versammeln sich Ärzte und Pfleger in dem kleinen Raum im 5. Stock und berichten, wie es den Bewohnerinnen und Bewohnern ergangen ist, was fehlt und wer etwas braucht.

In Österreich können sich ein Hospiz auch Menschen leisten, die nicht viel verdient haben, so Theresa Sellner-Pogány: „Was in Wien wirklich fehlt, ist weniger eine Abstufung zwischen reich und normal beziehungsweise versichert, aber eine Palliativ-Einrichtung für Menschen in sozial prekären Lagen.“ Das betrifft vor allem sozial deprivierte Menschen, die obdachlos sind, ungeklärten Flüchtlingsstatus haben oder vielleicht sogar illegal hier leben, oder suchtkranke Menschen, die keine Versicherung aufweisen können. Beim Verlassen des CS Hospiz Pramergasse denke ich: Am Ende zählt vielleicht nicht, wie viel Zeit man hat, sondern wie diese Zeit gefüllt ist – mit Aufmerksamkeit, Zuwendung und dem Respekt vor dem eigenen Lebensweg.

Autor:
  • Cornelia Grotte
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