„Was passiert, wenn ich sterbe?“

Der Brückenbauer
Ausgabe Nr. 38
  • Brückenbauer
Autor:
Ein Engel und ein Teufel im „Kampf“ um die Seele eines sterbenden Bischofs. Katalanisches Tempera-Gemälde, 15. Jahrhundert
Ein Engel und ein Teufel im „Kampf“ um die Seele eines sterbenden Bischofs. Katalanisches Tempera-Gemälde, 15. Jahrhundert ©Gemeinfrei

„Wenn ich sterbe – wohin geht meine Seele? Muss ich auf die Auferstehung warten oder empfängt mich Gott gleich?“ Weihbischof Stephan Turnovszky antwortet unseren Lesern.

Frage an den Brückenbauer: „Wenn ich sterbe – wohin geht meine Seele? Muss ich auf die Auferstehung warten oder empfängt mich Gott gleich?“

Werbung

Was uns nach dem Sterben erwartet

Es ist herausfordernd, mit den uns vertrauten Begriffen über das zu sprechen, was uns nach dem Tod erwartet. Wegen der Auferstehung Jesu Christi und der Erfahrungen, die Gläubige mit ihm gemacht haben, traut sich die Kirche das jedoch zu, und sogar recht freimütig, auch wenn die Kategorie „Zeit“ nach dem Tod vermutlich anders erfahren wird, als wir das kennen.

Trennung von Leib und Seele

Im Tod kommt es zu einer Trennung von Seele und Leib, der zum verwesenden Leichnam wird. Alleine diese Trennung widerspricht dem Wesen der Seele, die sich ausdrücken will, vor allem leibhaftig. (Anima forma corporis – Die Seele ist das Formprinzip des Leibes.) Daher bezeichnet Paulus den Tod als Folge der Sünde. (Röm 5,12)

Nach dem Sterben: Läuterung und Reinigung der Seele

Erst mit der Wiederkunft Christi bei der Vollendung der Welt wird es zur leibhaftigen Auferstehung kommen. Wie auch immer sich das gestalten wird, es wird leiblich erfahrbar werden.  Was ist dann heute mit unseren Verstorbenen? Himmel, Hölle und Fegefeuer bezeichnen diese Wirklichkeiten, mit denen die Seele unmittelbar im Tod in Berührung kommt: Hölle als freies und bewusstes Nein zu Gott. (Aufgrund der Freiheit des Menschen muss es auch diese abgründige Möglichkeit geben. Ob auch nur ein einziger Mensch diesen Weg gegangen ist, bleibt offen. Die Kirche hat jedenfalls niemandes Verdammnis ausgesprochen.) Fegefeuer nicht als Ort, sondern als Zustand der Läuterung und Reinigung der Seele, „bis“ sie himmelstauglich ist. Himmel als Gemeinschaft mit Gott und den vollendeten Menschen (= Heiligen).

Der Katechismus gibt in seiner Abhandlung über das Glaubensbekenntnis detailliert Auskunft über die diesbezügliche Lehre der Kirche (KKK 988ff).

Die Antwort auf die gestellte Frage lautet daher:

Die Seele geht unmittelbar nach dem Tod in die Begegnung mit Gott (als Himmel, Fegefeuer oder Hölle): Die Leiblichkeit der Auferstehung wird mit der Wiederkunft Christi geschenkt werden. Mir erscheint das schlüssig und nachvollziehbar und ich hoffe darauf.

Haben Sie ein Anliegen? Schreiben Sie eine E-Mail an brueckenbauer@dersonntag.at.

Autor:
  • Stephan Turnovszky
Werbung

Neueste Beiträge

| Theologie
Christliche Reise nach Innen

„Die Welt beginnt in dir“: In seinem neuen Buch beschreibt der Moraltheologe Matthias Beck die Grundlagen einer modernen und guten Spiritualität, die beim Einzelnen ansetzt. Die Exerzitien des heiligen Ignatius von Loyola sind für ihn der Weg zu einem gelingendem Leben. Wie kann das klappen?

| Heiter bis heilig
Anekdoten

Anton Bruckner starb am 11. Oktober 1896 in Wien in seiner Dienstwohnung im Kustodenstöckl beim Oberen Belvedere im 3. Bezirk. Seit einigen Jahren wird an seinem Todestag und in seiner Todesstunde um 15:30 Uhr in der Schlosskapelle des Belverdere eine Messe für ihn gefeiert.

| Wien und Niederösterreich
Kardinal im Interview

Drei Jahrzehnte, von 1995 bis 2025, war Kardinal Christoph Schönborn Erzbischof von Wien, 22 Jahre davon auch Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz und bis vor wenigen Tagen Ordinarius für die katholischen Ostkirchen in Österreich.