Weder Punk noch katholisch

Pfarrkaffee
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Die Band „Pfarrkaffee“ bezeichnet sich selbst als Wiener-Welle-Rock-Formation.
Die Band „Pfarrkaffee“ bezeichnet sich selbst als Wiener-Welle-Rock-Formation. ©Fritz Salek/Verena Grimm
Sie sind weder eine christliche Punkband, noch sind alle Mitglieder katholisch: Warum es sich trotzdem lohnt, in die Musik von „Pfarrkaffee“ hineinzuhören.
Sie sind weder eine christliche Punkband, noch sind alle Mitglieder katholisch: Warum es sich trotzdem lohnt, in die Musik von „Pfarrkaffee“ hineinzuhören. ©Fritz Salek/Verena Grimm
Die Band hat sich ausgerechnet in der Zeit von Corona-Lockdowns gegründet.
Die Band hat sich ausgerechnet in der Zeit von Corona-Lockdowns gegründet. ©Fritz Salek/Verena Grimm
Auf der Suche nach christlichem Punk in Wien ist der SONNTAG auf die Wiener-Welle-Band „Pfarrkaffee“ gestoßen.
Auf der Suche nach christlichem Punk in Wien ist der SONNTAG auf die Wiener-Welle-Band „Pfarrkaffee“ gestoßen. ©Fritz Salek/Verena Grimm

Christlicher Punk kommt ursprünglich aus den USA. Der SONNTAG hat sich auf die Suche nach katholischen Punkbands in Wien begeben und ist auf die Wiener-Welle-Band „Pfarrkaffee“ gestoßen.

Seine Ursprünge hat der Christian Punk in den USA durch Bewegungen wie „Jesus Movement“ und „Jesus People USA“. Die „Jesus People“ veranstalteten in den 1980er-Jahren Shows in der Chuck Smith’s Calvary Chapel in Orange County, Kalifornien, und waren Gastgeber von Festivals, auf denen christliche Musiker härterer Musikgenres auftraten. Aber was genau ist christlicher Punk? Das Punk-Magazin „Ox-Fanzine“ schreibt dazu: „Christlicher Punk ist entweder eine Form der christlichen Musik oder ein Untergenre des Punkrock mit einem gewissen Grad an christlichem Inhalt.“ „Why should the devil have all the good music?“ [zu Deutsch: Warum sollte der Teufel all die gute Musik haben?] war das Credo von Larry Norman, dem Vater des christlichen Rocks. 

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Wie passen Christentum und Punk zusammen?

Die bekanntesten christlichen Punkbands der 1980er-Jahre waren unter anderem: „Crashdog“, „Altar Boys“ und „The Crucified“. Aber wie passen Christentum und Punk zusammen? Einigen Musikern gehe es um das Hinterfragen der unkritischen Akzeptanz von sozialen Normen in der Kirche beziehungsweise der Gemeinde, schreibt „Ox-Fanzine“. Das Magazin erklärt weiter, dass der Antiautoritarismus aus der christlichen Lehre des Römerbriefs stammt, der dazu aufruft, sich nicht den gegebenen Regeln dieser Welt anzupassen, sondern sie zu verändern.

„Also Jesus war einer der Ur-Punks überhaupt.“

Nina Hagen

Zu dieser Ansicht passt auch eine Aussage von Nina Hagen im März 2026: „Also Jesus war einer der Ur-Punks überhaupt“, sagte die Musikerin auf die Frage, was Punkrock und Jesus Christus gemeinsam haben, im Interview mit den Salzburger Nachrichten. Jesus habe sich immer für Gerechtigkeit eingesetzt und sich nicht darum geschert, was Autoritäten sagen. Im Unterschied zu weltlichen Punkbands unterstützen christliche Punkbands jedoch weder kommunistische noch anarchistische Ideen. 

Christlicher Punk aus Wien?

Sucht man nach christlichen Bands in Wien, stößt man auf „Pfarrkaffee“. Christliche Bezüge gibt es nicht nur im Bandnamen, auch die Künstlernamen der Bandmitglieder lassen darauf schließen. So nennt sich Drummerin Eva Billisich auch „Sündenfall“. Bassist Yves Wagner bezeichnet sich auch als „Opferlamm“, während Sänger Werner Rabel auf der Bühne zum „Beichtvater“ und Gitarrist Johannes Girmindl zum „Mesner“ werden. „Wir sind alle katholisch sozialisiert“, sagt Eva Billisich im Interview. Ihr Bandkollege Yves Wagner, der evangelisch ist, stimmt dem zu: „Wir haben alle einen katholischen Hintergrund, obwohl ich nicht einmal katholisch bin.“

Vom christlichen Glauben bis „Muttertag“

Die Band spielt mit dem christlichen Glauben immer wieder augenzwinkernd. So ist das Logo der Band eine Motte, die auch den Namen „Die Nonne“ trägt. Eva Billisich, die Schülerin bei den Ursulinen in Mauer war, schlüpfte auch schon einmal in die Rolle einer Kirchenchor-Leiterin: „Im Film ‚Muttertag‘ spiele ich die Evelyn Schöbinger“, erzählt die Schlagzeugerin. Ihre Freundin Andrea Händler, auch bekannt als „Trude Neugebauer“ aus dem Film „Muttertag“, moderiert die Band manchmal in ihrer Rolle als „Pfarrgemeinderätin Trudl Neugebauer“ an. 

„Pfarrkaffee“-Auftritt im Kloster Sankt Michael

Christlicher Punk oder Wiener Welle?

Robert Anders beschrieb die Band „Pfarrkaffee“ in seiner CD-Rezension als „Punk/Rock/Wiener-Welle-Formation“. Gefragt nach dem Genre, in dem sie sich sehen, antwortet Yves Wagner: „Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir eine Punkband sind. So wie heutzutage niemand mehr Blondie als Punkband sehen würde.“ Und auch Eva Billisich sieht „Pfarrkaffee“ eher als „Wiener Welle“ an: „Wiener Welle, Rock. Es ist so eine Mischung.“ Aber wie passt das zu dem christlichen Namen der Band? „Ja, es passt eben nicht. Das ist genau das Lustige“, meint Billisich. „Ich finde schon“, ergänzt Wagner und erklärt: „Stilistisch sind wir genau in diesem Feld Ende der 70er-Jahre, bevor Punk halt so richtig exaltiert wurde. Das war auch die Zeit der liberalen Katholiken. Da hat sich ganz viel in der katholischen Kirche getan. Also, ich finde, das passt perfekt.“

„Ich habe immer schon Sterbetexte geschrieben.“

Schlagzeugerin Eva Billisich

Songs über Essen und den Tod

In den Songtexten sind Glaube und Religion kein Thema. „Vor einem Jahr hätte ich gesagt, wir haben fast nur Texte über Essen oder Sterben. [Lacht.] Und da war es auch so. Jetzt weiß ich nicht, wie das Verhältnis im Moment ist“, sagt Wagner. „Ich habe immer schon Sterbetexte geschrieben. Das Morbide hat mir immer schon gelegen“, so Billisich. Die Schlagzeugerin erklärt, warum: „Zum Teil ist es vielleicht wirklich wienerisch, aber es ist sicher auch individuell. Ich finde den Tod spannend. Ich lebe auch immer damit. Ich denke oft daran und ich stoße oft auf Widerstand, wenn ich das Thema aufbringe, weil viele Leute nicht darüber reden wollen. Aber für mich ist das ein ganz normales Thema. Es gehört für mich zum Leben wie die Geburt.“ Eva Billisich hat auch eine Palliative-Care-Ausbildung im Kardinal König Haus abgeschlossen. 

Komponiert und geschrieben wird im Team. Derzeit gäbe es drei Songschreiber in der Band, so die Schlagzeugerin: „Werner und Johannes, die texten und komponieren quasi gleichzeitig in einem Guss. Das mach ich weniger. Ich texte meistens und dann machen Werner oder Johannes die Musik dazu.“ Bald ist die Band jedoch wieder auf der Suche. Gitarrist Johannes wird die Band nämlich aus persönlichen Gründen verlassen. Eva Billisich dazu: „Falls sich jemand berufen fühlt, in seine Fußstapfen zu treten, kann er sich gerne bei uns melden!“

Gründung in der Coronazeit

Gegründet hat sich die Band „Pfarrkaffee“ ausgerechnet in der Coronazeit. Eva Billisich erinnert sich noch an die Entstehungsgeschichte: „Der Michi (Michael Gianotta), unser erster Bassist, und ich haben uns noch unmittelbar vor der Coronakrise kennengelernt. Und dann haben wir beschlossen, wir verlassen quasi diese Hobbyband mit den diversen anderen Leuten, die dann nicht zur Probe erschienen sind, und gründen die Band mit seinem Arbeitskollegen, der übrigens ein sehr guter Bassist und Gitarrist ist. Dann hatten wir unsere erste Probe genau vor dem ersten Lockdown. Und dann haben wir uns gedacht, gut, jetzt wird's aus sein. Wir wollten aber nicht aufgeben, denn wir waren von der Idee entzündet. Und dann haben wir uns im Stadtpark getroffen, im Winter. Am Bankl sind wir gesessen und haben ein Bier getrunken und haben beschlossen, nein, wir machen weiter und wir suchen einen Proberaum. Und dann haben wir uns auch ein paar Monate später zum Proben getroffen. Da sind dann die ersten Songs entstanden.“ Neben Eva Billisich und Michael Gianotta war auch Gerhard Mayerhofer ein Gründungsmitglied. Kurz darauf trat auch Werner Rabl als Gitarrist der Band bei. Vor drei Jahren stiegen Michael und Gerhard bei der Band aus. Auf den Bandnamen „Pfarrkaffee“ sei man durch einen lustigen Zufall gekommen. 

Auftritt im Salvatorianer-Kolleg Sankt Michael

Auch Robert Sonnleitner, Pressesprecher der Salvatorianer in Österreich, war einmal Teil der Band. Er erinnert sich an seine Tage als Gitarrist und Mundharmonika-Spieler bei „Pfarrkaffee“: „Es war eine lustige und vor allem musikalisch sehr kreative Zeit, die ich nicht missen möchte. Jeder von uns vier brachte seine eigenen Ideen und Stärken mit. Dadurch entstand eine besondere Dynamik, und sowohl das gemeinsame Spielen als auch das Songschreiben gingen oft erstaunlich leicht von der Hand.“ Auch den Auftritt im Salvatorianer-Kolleg Sankt Michael hat Sonnleitner gut in Erinnerung: „Wir hatten als Band immer den Anspruch: Wenn wir mit unserer Musik eine gute Sache unterstützen können, dann machen wir das gerne. So war es auch bei den Salvatorianern. Schönes Wetter, ein begeistertes Publikum, gute Stimmung und das Ganze für einen guten Zweck. Viel mehr kann man sich als Musiker eigentlich nicht wünschen.“

„Es war eine lustige und vor allem musikalisch sehr kreative Zeit.“

Robert Sonnleitner

Auf die Frage, warum er die Band verlassen habe, sagt der ehemalige Gitarrist: „Im Rückblick würde ich sagen, dass es letztlich an einem kommunikativen Missverständnis lag und vielleicht auch an einer gewissen Sturheit auf beiden Seiten, die Dinge rechtzeitig offen anzusprechen. Wenn vier Individualisten und kreative Köpfe zusammen Musik machen, kann es eben auch einmal Reibung geben. Heute finde ich es vor allem schade, dass es so gekommen ist. Ich denke gerne an die gemeinsame Zeit zurück und, ja, ein wenig vermisse ich die Band auch. Ich wünsche den anderen jedenfalls weiterhin viel Freude an der Musik und viel Erfolg.“

Gemeinsamer Auftritt mit „Nino aus Wien“

Ihr bisher größtes Konzert hatte die Band beim Open Air in Retz am Hauptplatz, gemeinsam mit „Nino aus Wien“. Laut Veranstalter besuchten 400 bis 600 Menschen das Konzert. „Pfarrkaffee“ hat schon ein Live-Album veröffentlicht und kündigt neben weiteren Konzerten auch ein zweites Album an. 

Die Band „Pfarrkaffee“ ist zwar weder Punk noch katholisch, aber für jemanden, der Rock mag und wienerische Texte schätzt, lohnt es sich, in ihre Musik hineinzuhören. 

Autor:
  • Cornelia Grotte
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