Alpha-Kurs: Was steckt dahinter?

Alpha-Kurs
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Im Gespräch über den Glauben: Markus Langer bietet den Alpha-Kurs seit vielen Jahren an und hat dabei vielfältige Erfahrungen mit Teilnehmern gesammelt. ©Dominikanerkloster St. Maria Rotunda
Ein Alpha-Kurs bringt Menschen ins Gespräch über Gott, Glauben und das eigene Leben. ©Markus Langer
Es geht um Fragen, Austausch und darum, den Glauben ganz persönlich zu entdecken. ©Markus Langer

Was steckt hinter dem Alpha-Kurs – und warum begeistert er seit Jahrzehnten Menschen? Ein persönlicher Blick auf seine Entstehung, seine ökumenische Ausrichtung und seine Erfahrungen aus der Praxis.

In der Ausgabe 35 von "Der Sonntag" wird der Alpha-Kurs kurz angesprochen. Manche fragen sich, wo die Ursprünge des Kurses liegen. Ist der überhaupt katholisch? Und wie ist das Ganze organisiert? Da ich den Kurs seit vielen Jahren zusammen mit wechselnden Ehrenamtlichen-Teams anbiete, berichte ich gerne über meine Erfahrungen damit.

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Eine persönliche Erfahrung mit dem Alpha-Kurs

In der Ausgabe 35 von "Der Sonntag" wird der Alpha-Kurs kurz angesprochen. Manche fragen sich, wo die Ursprünge des Kurses liegen. Ist der überhaupt katholisch? Und wie ist das Ganze organisiert? Da ich den Kurs seit vielen Jahren zusammen mit wechselnden Ehrenamtlichen-Teams anbiete, berichte ich gerne über meine Erfahrungen damit.
Ich selbst habe den Kurs bereits in den 90er Jahren, als ich noch Theologiestudent war, als ein pastorales Angebot kennengelernt, das mich und etliche Gäste in unserer damaligen Pfarre in Mainz ganz neu berührt hat. Da sagten die Leute nach 10 Abenden, dass es sehr schade ist, dass der Kurs jetzt zu Ende sei und ob es nicht weitergehen könne. Das hat mich damals sehr beeindruckt, so dass ich gedacht habe: Das ist ein pastorales Werkzeug, das ich gerne später, wenn ich einmal Priester bin, nutzen würde, um bei den Menschen eine persönliche geistliche Begegnung mit Jesus anzubahnen. Und in der Tat, dazu nutzt Gott diesen Kurs anscheinend immer einmal wieder, wie ich im Laufe der Jahre feststellen konnte! Und das ist, glaube ich, auch der Grund für seine relativ weite Verbreitung.

Wo alles begann

Der Ursprung dieses Glaubenskurses liegt in der anglikanischen Holy Trinity-Gemeinde in Brompton/London. Der Kurs, wie er heute vorliegt, wurde insbesondere durch den anglikanischen Pastor Nicky Gumbel entwickelt. Anscheinend hatte er von Anfang an vor, einen Kurs zu kreieren, der die grundlegenden christlichen Glaubensinhalte, die allen Christen gemeinsam sind, möglichst ansprechend präsentiert - und aber zugleich zu praktischen Glaubensschritten einlädt.

Was den Alpha-Kurs ausmacht

Der Kurs kombinierte und kombiniert bis heute verschiedenste Ebenen - gute Argumente, Humor, Gemeinschaftserlebnis, Gebet miteinander und füreinander, freier respektvoller Gedankenaustausch, ohne jede Verpflichtung für die Teilnehmer - auf so glückliche Weise, dass der Kurs sich als sehr attraktiv erwies, so dass sogar außerhalb der Anglikanischen Kirche andere Konfessionen darauf aufmerksam wurden und ihn übernahmen. Nicky Gumbel aber sorgte wiederum dafür, dass neben den Vorträgen, die in einem Taschenbuch veröffentlicht wurden, zunehmend professionelles Begleit-Material entstand, so dass auch andere Gemeinden - egal welcher christlichen Konfession - davon profitieren konnten und können.

Ein Kurs wird zur weltweiten Bewegung

Das Kursmaterial wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten immer weiterentwickelt. Zudem entwickelte sich angesichts der segensreichen geistlichen Erfahrungen, die der Kurs mit sich bringt, eine weltweite Fan-Gemeinde, wenn man das so sagen kann. Es gibt bis heute jährlich eine große Alpha-Konferenz in London, zu der kommen kann, wer sich verbunden fühlt. Unser Kardinal Christoph Schönborn war vor Jahren bereits als Redner dort präsent. Überhaupt hat die Erzdiözese Wien schon vor Jahren den Alpha-Kurs als hilfreichen Baustein für die geistliche Erneuerung entdeckt, wie man zum Beispiel auch auf der Homepage des Erzbistums sehen kann.

Vom Vortrag zum Film

Wichtige Entwicklungsschritte hat es in den letzten Jahren in der Weise gegeben, dass ca. 2016 eine Filmserie produziert wurde. In den etwa 25-minütigen Videos wurde der Inhalt der bisherigen Vorträge verfilmt. Das machte es Veranstaltern viel leichter, den Kurs anzubieten, denn bis dahin war es für manche eine gewisse Herausforderung, Referenten zu finden, die die Vorträge hielten.

In dieser Verfilmung der Vorträge zeigt sich im Übrigen in beeindruckender Weise die ökumenische Haltung der Macher der Filmserie: Denn gleich mehrere katholische Priester und Kardinäle kommen in Interviews zu Wort: zum Beispiel Kardinal Christoph Schönborn, Kardinal Raniero Cantalamessa und Kardinal Luis Antonio Tagle. Das ist sehr bemerkenswert: Eine super professionelle Filmserie, die von Anglikanern mit sehr viel Aufwand und Kosten produziert wird, mit nicht wenigen katholischen Geistlichen als Protagonisten in diesen Filmen, die den christlichen Glauben verkünden - das ist wahre ökumenische Einstellung und Großzügigkeit, finde ich!

Auch für Jugendliche und Paare

In den letzten zehn Jahren folgten sodann zwei verschiedene Jugend-Verfilmungen, um die Alpha-Kurs-Inhalte insbesondere auch für Jugendliche ansprechend zu machen. Manche katholischen Pfarren nutzen das als Baustein in der Firmvorbereitung. Und ebenso wurde von "Alpha" auch ein relativ populärer Ehe-Kurs entwickelt.

Wie Alpha organisiert ist

Wer steckt eigentlich organisatorisch hinter "Alpha", dieser weltweiten Organisation? Nun, wenn man so will, die "Zentrale" liegt nach wie vor in London und nennt sich "Alpha International". Es gibt jedoch darüber hinaus in etlichen Ländern nationale Dependancen, die dort dafür Sorge tragen, dass in der jeweiligen Landessprache und im jeweiligen kulturellen Kontext das Kursmaterial angeboten wird, und zwar in dem Sinn, wie es von Alpha International gedacht ist. Mein Eindruck ist, dass diese Stützpunkte z.T. durch Spenden und z.T. durch den Verkauf von Alpha-Kurs-Materialien finanziert werden.

Jede Gemeinde gestaltet mit

Von Anfang an aber war jeder, der den Alpha-Kurs dann bei sich anbieten wollte, frei, ihn so zu modifizieren, wie es für ihn vor Ort passte, also zum Beispiel die Anzahl der Vorträge zu kürzen oder, wenn man Referate hält, eigene Glaubenserfahrungen in die Referate einzubauen. Da gab und gibt es niemanden, der das kontrolliert. Allerdings war und ist nach wie vor klar, dass man sich nicht anmaßen sollte, einen veränderten Kurs als Alpha-Kurs zu bewerben, der nicht wirklich der Richtung des Alpha-Kurses von Nicky Gumbel entspricht. Was aber freilich vorkommen mag. Ich habe solches leider zum Beispiel vor Jahren in Hamburg bei einer Gemeinde erlebt.

Alpha bekommt eine katholische Prägung

Der katholische Schweizer Priester Leo Tanner hat dem entgegen wiederum um 2010 herum - als es die Filme noch nicht gab - mit Einverständnis von Alpha eine katholisch adaptierte Version als Referentenhandbuch auf den Markt gebracht, die es damals etwaigen Referenten leichter machte, den Kurs in der eigenen Pfarre anzubieten. Wir in S. Maria Rotunda in Wien nutzen dieses Material bis heute im Wechsel mit den Film-Episoden, die 2016 entstanden sind.

Eine flache Hierarchie

Aus all dem lässt sich sehen, dass die "Hierarchie" bei dieser Bewegung also superflach ist. Alpha International produziert in London das Material und sorgt mittels Unterstützer in den verschiedenen Ländern dafür, dass das Material in den verschiedenen Sprachen zu haben ist. Was genau dann mit dem Material gemacht wird, bleibt den Anwendern vor Ort überlassen. Da vertraut man einander - und dem Wirken des Heiligen Geistes. Die Filmserien werden umsonst zur Verfügung gestellt, sobald man sich als Veranstalter auf der jeweiligen nationalen Homepage registriert. Das gedruckte Begleitmaterial, z.B. das Teilnehmerheft und Werbematerial, kann man sich hingegen käuflich bei den Dependancen erwerben.

Ökumenisch und charismatisch

Schließlich noch ein Wort zur Theologie des Kurses: Ich gehe hier nur auf die 2016er-Verfilmung ein: Man beschränkt sich auf ökumenische Themen, die allen gemeinsam sind, und nimmt bei gewissen sehr grundlegenden Themen, die nicht von allen gleich gesehen werden, aber doch zur Sprache gebracht werden müssen, möglichst die Streitpunkte zwischen den Konfessionen heraus. Das bringt in der Folge allerdings eine gewisse theologische Unschärfe bei der Darstellung der Bedeutung der Taufe und der Darstellung des Nebeneinanders der verschiedenen christlichen Konfessionen.

Glaube, Gebet und der Heilige Geist

Alle anderen Themen sind jedoch allen Christen im Allgemeinen gemeinsam: Der Glaube an die Historizität Jesu; sein Sterben aus Liebe für uns am Kreuz; die Notwendigkeit, dass ich einen gewissen Glaubenssprung machen muss, wenn es darum geht, persönlich mit Jesus Kontakt aufzunehmen; es gibt eine erste Hinführung zum Thema Gebet und zum Lesen in der Heiligen Schrift. Und wie ich Gottes Zeichen in meinem Leben wahrnehmen kann. Der Alpha-Kurs hat zudem einen charismatischen Schwerpunkt beim Thema Heiliger Geist: Das Wirken des Heiligen Geistes wird besonders entfaltet und dazu eingeladen, die Verheißung des Neuen Testamentes ernst zu nehmen, dass der Heilige Geist mich persönlich berühren möchte.

Konservativ mit charismatischer Note

Sodann geht es um die Themen "Wie umgehen mit Versuchungen?", "Glaubensweitergabe", "Gebet um Heilung" und "Gemeinschaft mit Christen". Die Tatsache, dass in den Vorträgen zum Beispiel von der realen Auferstehung Jesu ausgegangen wird, aber auch davon, dass der Widersacher Gottes tatsächlich existiert, sowie davon, dass Gott auch heute manchmal auf unser Bitten hin Wunder wirkt, führt bei manchen dazu, dass sie den Kurs als theologisch konservativ einschätzen, verbunden mit einer charismatischen Note.

Wenn Sie mögen, können Sie gerne an unserem nächsten Kurs teilnehmen und Ihre eigenen Erfahrungen machen.

Wir starten am 15. September, um 19:15 Uhr, mit einem Info-Abend. Mehr unter glaubenundverstehen.net.

Was danach entstand

Ein abschließender Gedanke: Sofort, nachdem ich anfing, als Priester die Alpha-Kurse in unserer Dominikaner Pfarre in Hamburg anzubieten, kam von den Gästen der Wunsch, ob man nicht in dem gleichen Format auch Abende mit spezifisch katholischen Themen durchführen könnte. Das war für mich der Grund, Nachfolge-Vorträge zu entwickeln, da ich damals, um 2011, nichts Passendes auf dem Markt fand. Inzwischen gibt es weltweit auf katholischer Seite verschiedene Versuche, Nachfolgekurse zu kreieren oder auch Alternativen zu Alpha.

Wenn ich es richtig sehe, gibt es aber bisher kein Format, dass es zu einer vergleichbaren Popularität gebracht hätte.

Autor:
  • Markus Langer
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