Kino-Tipps für den September
Historische Filmreise
Pawel Paswlikowskis historische Filmreise führt in das Deutschland des Jahres 1949: 15 Jahre nach seinem Exil kehrt Thomas Mann in ein zerstörtes Deutschland zurück. Im apokalyptischen Filmdrama Ridley Scotts hat eine Pandemie hat die Welt zerstört. Unsere Kino-Tipps für den Herbst.
Kino-Tipp 1: Vater und Tochter in den Ruinen Deutschlands
Deutschland 1949: Literaturnobelpreisträger Thomans Man kehrt nach 15 Jahren im amerikanischen Exil in jenes Land zurück, das ihn einst vertrieben hat. Begleitet wird er auf dieser Reise durch das Nachkriegsdeutschland von seiner Tochter Erika. In Frankfurt wird er mit dem Goethepreis geehrt, auch im nun sowjetisch besetzten Weimar empfängt man ihn als geistige Autorität. Erika ist stets an seiner Seite, so als versierte Chauffeurin eines großen Buick, multilinguale Dolmetscherin und Vertraute. Sandra Hüller verleiht dieser ebenso klugen wie verletzlichen Figur große Präsenz.
Verlorener Sohn, verlorene Heimat
Überschattet wird die Reise von der Nachricht vom Tod Klaus Manns (August Diehl), Erikas Bruder und Thomas Manns Sohn, der sich in Cannes das Leben genommen hat. Die Trauer begleitet die beiden auf jeder Station. Doch Thomas Mann wahrt Haltung: elegant, diszipliniert, ein Grandseigneur, der seine Gefühle hinter kultivierter Fassade verbirgt. An einer halb zerstörten Kirche bleiben Thomas Mann und Erika stehen und gehen hinein. Ein Mann spielt auf der beschädigten Orgel auf der Empore Bachs Choral „Jesus bleibet meine Freude“. Zwischen den Ruinen, die von Verlust und Vergänglichkeit erzählen, scheint die Musik Worte für das Unsagbare zu finden. Nur hier kann der Schriftsteller seiner Trauer freien Lauf lassen und hält sich, der Orgel lauschend, an Erikas Hand fest. Sehenswert.
Kino-Tipp 2: Die letzten Sterne am Himmel der Menschlichkeit
In Ridley Scotts neuem Endzeitdrama „Das Ende der Sterne“ (Original: „The Dog Stars“) fliegt der Ex-Mechaniker und Hobby-Pilot Hig (Jacob Elordi) durch eine von einer Grippe-Pandemie entvölkerte Welt. Zusammen mit seinem Hund Jasper lebt er auf einem verlassenen Flugplatz in Colorado, beschützt von dem harten Überlebenskünstler Bangley (Josh Brolin). Als Hig ein mysteriöses Funksignal empfängt, bricht er mit seiner Cessna zu einer gefährlichen Reise auf – und trifft auf die Farmerstochter Cima (Margaret Qualley).
Hoffnung in der Apokalypse
Beeindruckend sind die weiten Naturaufnahmen, die in der tristen, apokalyptischen Szenerie Hoffnung spenden. Das völlig verlassene Denver nach der Pandemie wirkt erschreckend plausibel. Neue, plündernde Stämme, die die Region durchstreifen, machen Angst. Demgegenüber stehen die Mennoniten, eine christliche Freikirche, die Hig unterstützt und ihm am Ende eine neue Heimat bietet. Der Film ist actionreich, hat aber auch viele stille, nachdenkliche Momente. Aus kirchlicher Sicht ist das Hoffnung gebende Element hervorzuheben: Trotz aller apokalyptischen Schrecklichkeit zeigt Scott, dass Menschlichkeit, Glaube und Gemeinschaft überleben können. Interessant für einen atheistischen Regisseur: Die christlichen Mennoniten bilden eine Art Insel der Zuversicht in einer erschreckenden Welt.