Drei Tage im Geist des Franz von Assisi
Triduum
Ob Franz von Assisi der bekannteste Heilige ist, will der SONNTAG von Thomas Dolezal wissen. „Ob er der bekannteste überhaupt ist, weiß ich nicht. Aber er ist gewiss einer der populärsten“, sagt der Kirchenmusiker, der seit Jahrzehnten am Stephansdom wirkt. Denn: „Meiner Meinung nach ist Franziskus von vielen Perspektiven aus gesehen ein Sympathieträger. Ob es der Umweltschutz ist oder die Sorge um die Tiere, seine Radikalität, seine Nähe zu Armen und Schwachen, seine Zuversicht in das Gute oder sein inniges Gottvertrauen – Haltungen, die von vielen Menschen geteilt werden.“ Kurz gesagt, so Dolezal: „Franziskus wird weit über den Bereich des Katholischen hinaus wertgeschätzt.“
Ein Fest zu Ehren von Franz von Assisi
Warum gibt es jetzt dieses Dreitagefest im Stephansdom und was haben Sie konkret damit zu tun?
Thomas Dolezal: Das Fest wurde anlässlich des Franziskus-Jubiläums geplant und organisiert. Neben meinen unmittelbaren kirchenmusikalischen Aufgaben bin ich im Stephansdom seit vielen Jahren im Bereich der Fest- und Feierkultur initiativ, konzeptionell und ausführend tätig. Diese Wirksamkeit geht durch das ganze Kirchenjahr, dessen Festkreise gerade in den ihnen eigenen Gottesdiensten einprägsam erlebt werden. Ein Gutteil davon ist aus der Volksfrömmigkeit gewachsen und in verschiedenen Formen kultiviert: die adventliche Herbergssuche, Krippenandachten, Passionsfeiern, Marienandachten, Altarpa- trozinien, Tiersegnung, Reliquienfest und vieles andere mehr. Neben den jährlich wiederkehrenden Formen gibt es Feiern, die sich aufgrund eines speziellen Anlasses einmalig ergeben. Ich denke an das 1.700-Jahr-Jubiläum des Glaubensbekenntnisses von Nicäa, das wir im vergangenen Jahr im Dom begangen haben, oder das Mutter-Teresa-Jubiläum oder den Karl-Leisner-Abend. Heuer ist es der 800. Jahrestag des Todes des heiligen Franziskus. Im Festgewand von Jubiläen und runden Gedenktagen stehen Themata in höherer Aufmerksamkeit.
Der ungewöhnliche Rosenkranz der Franziskaner – mit sieben Gesätzen
Der Wunsch des heiligen Franz von Assisi
Wie können Sie den sogenannten Sieben-Freuden-Rosenkranz erklären?
Der Sieben-Freuden-Rosenkranz oder auch Franziskaner-Rosenkranz geht auf einen Wunsch des heiligen Franz von Assisi zurück. Zwar hat Franziskus die Sieben Freuden als solche nicht benannt, das hat sich später entwickelt. Aber er hat aufgetragen, die Freude(n) Mariens besonders zu erwägen. Als Ursprung sah er den Besuch Marias bei Elisabet und das dabei aufgeblühte Magnificat: Meine Seele preist die Größe des Herrn. Franziskaner tragen bis heute den Rosenkranz mit den Perlen für sieben Gesätze, und eben nicht für die sonst üblichen fünf, an ihrem Habit.
Der Sonnengesang des heiligen Franziskus
Was dürfen wir uns vom Kulturabend in Wort und Musik, also dem Sonnengesang als Lebensmelodie des heiligen Franziskus, erwarten?
Der Kulturabend widmet sich dem Sonnengesang des heiligen Franziskus, einer Gott in seiner Schöpfung preisenden Poesie, die in verschiedenen Paraphrasen bekannt ist. Franziskus hat den Sonnengesang 1224/1225 verfasst. Man vermutet, dass er die heute vorletzte Strophe, in der es um das Friedenstiften und Verzeihen geht, aufgrund eines bestimmten Anlasses zu späterer Zeit hinzugefügt hat. Mit der letzten Strophe, in der er sogar den Tod seinen Bruder (im Original Schwester) nennt, hat er den Sonnengesang kurz vor seinem Sterben vollendet. Der Kulturabend im Dom wird von drei Ausführenden gestaltet: von Erzbischof Josef Grünwidl, von Cornelius Obonya, der als Schauspieler und Sprecher weitbekannt ist, und schließlich, und das ist eine besondere Freude, von Peter Planyavsky, weltberühmt in der Orgelimprovisation. Cornelius Obonya wird Texte des heiligen Franziskus, vor allem dessen Sonnengesang, rezitieren. Erzbischof Grünwidl wird kurze Betrachtungen dazu geben, und Peter Planyavsky wird die Bilder – Sonne, Mond, Feuer, Wasser ... – an der Orgel improvisierend darstellen.
Dank großzügiger Sponsoren können wir beim Franziskusfest bis zu 300 Personen bewirten und ihnen ein Festmahl bereiten.
Thomas Dolezal
Ein Festmahl für die Armen
Warum gibt es auch ein Festmahl für die Armen von Wien?
Es gibt gottlob nicht wenige kirchliche Einrichtungen, wo bedürftige Menschen täglich oder wöchentlich ein Essen bekommen. Die Dompfarre selbst lädt mindestens zweimal im Jahr zu einem Festmahl für Arme ein. Es ist gut, dass wir auch im Triduum ein solches Mahl veranstalten, weil es doch einen Wesenszug des heiligen Franziskus aufgreift, der nach seinen Möglichkeiten für Arme da war und auch seinen Brüdern aufgetragen hat, gebefreudig zu sein. Dank großzügiger Sponsoren können wir beim Franziskusfest bis zu 300 Personen bewirten und ihnen ein Festmahl bereiten.
Die Transitus-Feier
Was wird die Transitus-Feier am Abend des 3. Oktober umfassen?
Die Transitus-Feier gibt es in den franziskanischen Konventen jedes Jahr am 3. Oktober. Transitus bezeichnet den Hinübergang des heiligen Franziskus vom irdischen ins himmlische Leben. Der Überlieferung nach ist er am Abend des 3. Oktober im Kreis seiner Brüder verstorben. Dieses Ereignis ist durch Zeitzeugenberichte gut dokumentiert. Der Transitus-Gottesdienst im Stephansdom beginnt mit einer Statio beim Franziskus- altar – im Dom gibt es einen Altar, der dem heiligen Franz von Assisi geweiht ist. Dort werden Texte gelesen, wie es sich in den letzten Stunden des Heiligen zugetragen hat, was er beauftragt hat, welche Gebete er gesprochen, welche Psalmen er gesungen hat. Auch die letzte Strophe des Sonnengesangs, von der ich zuvor gesprochen habe, spielt hier eine Rolle. Danach ziehen wir in einer Lichterprozession zum Hauptaltar zur Feier der Eucharistie zu Ehren des heiligen Franziskus. Erstmals wird dabei eine neu geschaffene Franziskus-Litanei gesungen. Am Ende der Messe kann ein persönlicher Segen mit der Franziskus-Reliquie empfangen werden.
Tiersegnung am 4. Oktober
Am 4. Oktober gibt es eine Tiersegnung und auch eine Schöpfungsmesse. Was gehört zu dieser Bitt- und Dankfeier?
Im vergangenen Jahr hat Papst Leo XIV. anlässlich 10 Jahre Enzyklika „Laudato si’“ eine „Messe zur Bewahrung der Schöpfung“ in Auftrag gegeben und diese Schöpfungsmesse im Juli 2025 in Castel Gandolfo erstmals gefeiert. In vielen Pfarren gibt es ein jährliches Erntedankfest; im Stephansdom gab es so etwas bislang nicht. So habe ich die Initiative von Papst Leo aufgegriffen und in Kooperation mit den Wiener Gemüse-, Obst- und Weinbauern im vorigen Jahr erstmals eine „Schöpfungsmesse“ vorbereitet. Nolens volens wurde das zum Vorbild für den Abschluss des Franziskusfestes: Wir feiern einerseits eine Dankmesse für die Natur und ihre Gaben und bitten andererseits, dass es mithilfe unseres Bemühens um Nachhaltigkeit mit der Schöpfung gut weitergeht. Die Wiener Bauern werden den Altarraum mit Obst und Gemüse schmücken, diese Früchte werden hernach durch die Caritas der Dompfarre an Bedürftige verschenkt. Zur Tiersegnung am Sonntagnachmittag hat sich auch die Diensthundeabteilung der Polizei angemeldet, um die neuen Welpen, die angehenden Polizeihunde, segnen zu lassen. Und natürlich werden alle Gottesdienste des Franziskusfestes mit fein ausgewählter Musik begleitet.
Zur Person
Thomas Dolezal der studierte Kirchenmusiker wirkt seit Jahrzehnten am Stephansdom.
Termine zum Vormerken
- 2. Oktober: 17:00 Uhr, Stephansdom, Wiener Neustädter Altar: „Sieben Freuden-Rosenkranz“, Marienverehrung nach dem Wunsch des heiligen Franz von Assisi, mit Ordens-Bischofsvikar Pater Erich Bernhard. 22:15 Uhr, Stephansdom: Der Sonnengesang – Lebensmelodie des heiligen Franz von Assisi, hochkarätig besetzter Kulturabend in Wort & Musik, mit Erzbischof Josef Grünwidl, Cornelius Obonya und Peter Planyavsky. Eintritt frei. Zählkarten erforderlich: erhältlich im Domshop und online unter kunstkultur.com
- 3. Oktober: 8:00 Uhr, Stephansdom, Franziskus-Altar. Eucharistiefeier zum Patrozinium des Franziskus-Altars, mit Dechant Pater Matthias Schlögl. 12:30 Uhr, Curhaus, sämtliche Säle im Erdgeschoss: Festmahl für die Armen von Wien, Gutes austeilen in der Großzügigkeit des heiligen Franz von Assisi. 18:00 Uhr, Stephansdom, Franziskus-Altar/Hauptaltar: Transitus-Feier am 800. Todestag zur Todesstunde des heiligen Franz von Assisi mit Erzbischof Josef Grünwidl (Statio mit Zeitzeugen-Berichten über das Hinscheiden des Heiligen, Lichterprozession, Pontifikalmesse).
- 4. Oktober: 16:00 Uhr, Stephansplatz: Tiersegnung am Welttierschutztag mit Dompfarrer Toni Faber. 18:00 Uhr, Stephansdom: Schöpfungsmesse, Bitt- und Dankfeier mit Dompfarrer Toni Faber, Generalvikar Andreas Kaiser und den Wiener Obst-, Wein- und Gemüsebauern.