4. Oktober: Heiliger Franz von Assisi

Geduldiger Stigmatiker
Ausgabe Nr. 11
  • Heiligenschein
Autor:
Der heilige Franz von Assisi ist bekannt als einer der ersten Stigmatiker. ©Irene Unger

Wöchentliche Heilige, vorgestellt von Bernadette Spitzer.

Sein Name war ursprünglich sein Spitzname. Ohne ihn würden wir heute den heiligen Giovanni, Bernardone feiern. Das wäre auch ok, aber wir sind gewöhnt, vom heiligen Franz von Assisi zu sprechen. Und das kam so: Giovannis Vater war ein wohlhabender Tuchhändler, der aus Frankreich Stoffe importierte und seinen Sohn daher Francesco, kleiner Franzose, nannte. Und seither haben unzählige Francescos die Welt bevölkert.

Werbung

Das Original wurde um 1181 im italienischen Assisi geboren. Als verwöhnter Fratz feierte Franz auf Vaters Kosten Feste und träumte von Erfolgen als Ritter, ließ aber nach verlorenen Kämpfen und Gefangenschaft davon ab und wandte sich Gott und den Armen zu. Als er eine Kirche renovieren wollte, verkaufte er gegen den Willen seines Vaters Tuchballen. Als ihn dieser zur Rede stellte, zog er sich komplett aus, gab ihm seine Kleidung und verzichtete auf sein Erbe.

Bekannter Stigmatiker

Danach verschwindet er. Da man nicht annahm, dass er sich aus dem Staub gemacht hatte, vermutete man, dass er früh gestorben war. Warum? Vielleicht war er alt Vater geworden. Und das bot sich auch als Lösung für ein anderes Problem an, nämlich Jesu Geschwister, die der Evangelist Matthäus erwähnt. Die Kirchenväter nahmen an, dass es sich um Josefs Kinder aus erster Ehe handeln könnte und dass er Witwer war, als er Maria heiratete.

Der Rest ist Geschichte. Franz, der als fröhlich und geduldig beschrieben wird, lebte zunächst alleine, fand aber bald Anhänger, denn seine radikal arme Lebensweise faszinierte viele. Und so entstand der Orden der Minderbrüder, der sich später in Franziskaner, Minoriten und Kapuziner aufspaltete.

Franz ist auch der erste bekannte Stigmatiker, Träger der Wundmale Christi.

Der Tod von Franz von Assisi

Es war wohl auch Ergebnis des Raubbaus an seiner Gesundheit, den er durch ständiges Fasten verursachte, dass F erst 44 Jahre alt war, als er am 3. Oktober 1226 starb. Nur zwei Jahre später wurde Franz von Assisi heiliggesprochen.

Buchcover Von Bischofsstab bis Besenstiel
©Wiener Dom-Verlag

Das Buch zum Podcast

Heilige, das sind beeindruckende Persönlichkeiten auf allen Kontinenten, in allen Jahrhunderten: Herrscher und Sklaven, Brave und Aufmüpfige, Geistliche und Laien. Diese bunte Schar porträtiert Autorin Bernadette Spitzer in kurzweilig-informativen Geschichten, wobei sie die Besonderheit der jeweiligen Persönlichkeit treffend hervorkehrt. Sie übersetzt die teils sperrigen Quellen in eine heutige Sprache und spart dabei nicht mit einem Augenzwinkern. Die tägliche Auswahl dieser „Vorbilder“ reicht von in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannten, bis hin zu solchen, die erst vor kurzem heilig- oder seliggesprochen wurden. Aufgefrischt durch moderne Illustrationen und bemerkenswerte  Zitate wird das Buch zur täglichen Inspirationsquelle.

 

Bernadette Spitzer
Von Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.
Wiener Dom-Verlag.
ISBN: 978-3-85351-294-4

Erhältlich im Webshop des Wiener Dom-Verlags.

Schlagwörter
Autor:
  • Bernadette Spitzer
0:00
0:00
Werbung

Neueste Beiträge

| Theologie
Christliche Reise nach Innen

„Die Welt beginnt in dir“: In seinem neuen Buch beschreibt der Moraltheologe Matthias Beck die Grundlagen einer modernen und guten Spiritualität, die beim Einzelnen ansetzt. Die Exerzitien des heiligen Ignatius von Loyola sind für ihn der Weg zu einem gelingendem Leben. Wie kann das klappen?

| Heiter bis heilig
Anekdoten

Anton Bruckner starb am 11. Oktober 1896 in Wien in seiner Dienstwohnung im Kustodenstöckl beim Oberen Belvedere im 3. Bezirk. Seit einigen Jahren wird an seinem Todestag und in seiner Todesstunde um 15:30 Uhr in der Schlosskapelle des Belverdere eine Messe für ihn gefeiert.

| Wien und Niederösterreich
Kardinal im Interview

Drei Jahrzehnte, von 1995 bis 2025, war Kardinal Christoph Schönborn Erzbischof von Wien, 22 Jahre davon auch Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz und bis vor wenigen Tagen Ordinarius für die katholischen Ostkirchen in Österreich.