Die demokratische Kultur liegt in den Händen aller
Katholische Aktion Österreich
Pfarren, Gruppen der jeweiligen diözesanen Katholischen Aktion, Bildungsinstitutionen, Verbände und Vereine in ganz Österreich sollen Menschen unterschiedlichen Hintergrunds einladen, sich an einen Tisch zu setzen. „Diese Begegnungen sollen analog-haptisch geschehen, denn Face-to-Face gehen die Emotionen nicht so hoch wie im digitalen Raum“, sagte der Präsident der Katholischen Aktion Österreich, Ferdinand Kaineder, bei der Präsentation der neuen Initiative „Mitunter gegenüber – So klappt’s auch mit der Demokratie“ in Wien.
Neue Initiative, damit es mit der Demokratie "klappt"
Pfarren, Gruppen der jeweiligen diözesanen Katholischen Aktion, Bildungsinstitutionen, Verbände und Vereine in ganz Österreich sollen Menschen unterschiedlichen Hintergrunds einladen, sich an einen Tisch zu setzen. „Diese Begegnungen sollen analog-haptisch geschehen, denn Face-to-Face gehen die Emotionen nicht so hoch wie im digitalen Raum“, sagte der Präsident der Katholischen Aktion Österreich, Ferdinand Kaineder, bei der Präsentation der neuen Initiative „Mitunter gegenüber – So klappt’s auch mit der Demokratie“ in Wien. „Wir halten es für grundlegend, dass Menschen neue Möglichkeiten finden, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich zu unterhalten. Im richtigen Rahmen können sie einander auch bei gegensätzlichen Haltungen zuhören. Manchmal wird dann sogar ein Übereinkommen zu vorerst unerwarteten Gemeinsamkeiten möglich“, betonte Kaineder.
Busstation, Supermarkt, Hausbesuche
„Diese Gespräche werden professionell geleitet, ein gemeinsames Essen und Trinken unterstützt die Erfahrung des wohltuenden Miteinanders“, erläuterte die Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreich, Regina Petrik. Ein „Mitunter gegenüber“-Gespräch habe entweder ein von den Gastgeberinnen und Gastgebern ausgewähltes Thema oder ein solches wird durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmt. „Die Menschen sollen gezielt persönlich eingeladen werden“, so Petrik: „Bei der Busstation oder im Supermarkt oder bei Hausbesuchen.“
Interview mit Ferdinand Kaineder
Gegenüber dem SONNTAG benennt der Präsident der Katholischen Aktion Österreich, Ferdinand Kaineder, das demokratiepolitische Engagement und die Verantwortung des Einzelnen für die Stärkung der Demokratie.
An wen konkret richtet sich diese neue Initiative?
FERDINAND KAINEDER: Die Aktion richtet sich an die Menschen, die sich in der Katholischen Aktion engagieren, wie an die zivilgesellschaftlichen Initiativen, an Menschen, die vor allem das Bedürfnis haben, dass Dialogräume, Begegnungsräume, Gesprächsräume entstehen, die auf Augenhöhe einen Austausch an Sichtweisen, Meinungen und Einschätzungen sozusagen im Blick haben. Also an die Menschen guten Willens und an die, die sich nach einer Stärkung der Demokratie sehnen.
Stichwort „Demokratie stärken“: In Deutschland wird von einer „Brandmauer“ gegen den Rechtspopulismus gesprochen. Braucht unsere Demokratie nicht auch noch mehr überzeugende Erzählungen von Hoffnung, Zugehörigkeit und gemeinsamer Verantwortung?
Das Wichtigste und Entscheidende für die Zukunft ist die Erzählung, dass eine gemeinsame Aufgabe, eine gemeinsame Verantwortung für unsere gesellschaftlichen Prozesse und unsere demokratische Kultur in den Händen aller liegt. Es wird auch ganz wichtig sein, ungeschminkt hinzuschauen auf die Akteure, die kein Interesse haben an einer gemeinschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft, sondern die von Spaltung leben, die von der Bewirtschaftung der Schwächen des Menschen leben, etwa durch Neid oder Missgunst. Und wenn das gut sichtbar gemacht wird, wird es helfen, dass man sich abgrenzt gegenüber denen, die sozusagen in einer Art rechtsradikalem und rechtspopulistischem Feld tätig sind.
Es braucht also noch mehr Verantwortung des Einzelnen?
Es braucht ein gutes Zusammenwirken der Allgemeinheit und es braucht ganz sicher auch, dass Menschen in die eigene Verantwortung gehen: Ich bin mitverantwortlich für unsere gemeinsame Zukunft in einer menschenrechtsbasierten liberalen Demokratie. Das kann dadurch geschehen, dass ich mich gut informiere, dass ich etwas lerne über Dialog, über gute Gespräche, dass ich fähig werde, gut hinzuhören, ohne dass ich gleich ein Argument hervorhole, sondern einfach einmal wahrnehme, was ist: Was treibt die Menschen um, wovor haben die Menschen Angst, wo können sie sich selber aufrappeln und nicht andere für die Dinge verantwortlich machen? Es ist eine gemeinsame Sache der Allgemeinheit und des Individuums in unserer Gesellschaft.