Päpstliche Popkultur
Hirtenhund
Das Sommerloch reißt scheint’s auch die katholische Publizistik mit in den Abgrund der Banalitäten. Und so stürzt man sich auf Nachrichten, die alles Mögliche und Unmögliche sind, nur keine Nachrichten. Hoch im Kurs dabei: Leichtfüßiges wie jene Birkenstock-Sandalen, für die eine animierte Filz-Nonne in sozialen Medien Werbung macht. Das Wiener Bestattungsmuseum hat zudem eine „humorvolle Sommerkollektion“ mit speziellen Merchandising-Artikeln herausgebracht. Darin enthalten: Sonnenspray „für die echte Leichenblässe“ und ein Kühltuch mit der Aufschrift „Wir machen Sie kalt.“ Selten so gelacht … Ein medialer Gassenhauer in diesem Sommer auch die Nachricht, dass Coca-Cola möglicherweise einen kirchlich-klösterlichen Vorfahren hat. Ein vergilbter Zettel – gefunden in einer Klosterapotheke – soll von einer Vorform des Softdrinks aus Kokablättern und Kolanüssen handeln. Tatsächlich seien Päpste dem Getränk bereits im 19. Jahrhundert verfallen.
Päpstliche Nike-Sneaker
Was uns endlich auch zu den jüngsten Männern in Weiß auf dem Stuhle Petri führt – denn auch vor diesen macht schließlich das Sommerloch nicht halt. Und so darf sich Leo – wie schon seine Vorgänger – von entbehrlich-zweifelhaften Blättern wie der „Vogue“ oder „Vanity Fair“ taxieren und als „Mode-Papst“ labeln lassen. Begründung: Weil er innovativ und ausgefallen gekleidet ist. Ach was. Angesichts des singulären Amtes ist wohl jeder auf dem Stuhl Petri irgendwie „ausgefallen“ und besonders. Auch im Blick auf die papale Kleiderkammer. Aber offenbar war es den Journalisten-Derivaten von „Vanity Fair“ selbst zu mühsam, sich auf Feinheiten des päpstlichen Dresscodes einzulassen – und man hat sich lieber auf Stilblüten wie päpstliche Nike-Sneaker oder eine Baseballkappe auf Leos katholischer Kalotte bezogen. „Leo hat sich seinen Sinn für ironische Lässigkeit bewahrt und trägt manchmal Baseballkappen.“ Päpstliche Popkultur pur. Fehlt nur noch ein ebenso lässig über die Schulter geworfener Tennisschläger.
Papst-Schneiderei
Am anderen Ende der päpstlichen Kleiderstange finden sich übrigens nicht minder ausgefallene Stoffstücke. Zu besichtigen auf der Website der traditionsreichen römischen Papst-Schneiderei „Gammarelli“. Päpstliche Purpur-Slipper um 175 Euro dienen als Einstiegsschnäppchen. Allerlei verzierte liturgische Werkzeuge und Behänge zu vielstelligen Beträgen gibt’s dazu; ebenso ganze Prachtgewänder, die optisch zwischen schwerem 50er-Jahre-Brokat-Vorhang und Trachtenverein changieren. Dagegen ist Leos Baseballkappe tatsächlich ein Accessoire ironischer Lässigkeit.