Ein Sonntag zu Hause

Meinung
Ausgabe Nr. 36
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Isma Forghani ist Juristin, Autorin und Menschenrechtsbeauftragte der Bahá’í-Religions­gemeinschaft in Österreich. Sie schreibt über die Lage im Iran und was das mit einem Sonntag bei uns zu tun hat.
Isma Forghani ist Juristin, Autorin und Menschenrechtsbeauftragte der Bahá’í-Religions­gemeinschaft in Österreich. Sie schreibt über die Lage im Iran und was das mit einem Sonntag bei uns zu tun hat.
©Photo/IsmaForghani

Isma Forghani ist Juristin, Autorin und Menschenrechtsbeauftragte der Bahá’í-Religions­gemeinschaft in Österreich über die Lage im Iran und was das mit einem Sonntag bei uns zu Hause zu tun hat.

Bewaffnete Sicherheitskräfte in Zivil klettern über die Mauer und dringen gewaltsam in unser Haus ein. Sie durchsuchen Zimmer, Schränke, selbst Blumentöpfe. Sie nehmen Ersparnisse, Arbeitsgeräte, Eheringe, Instrumente. Alles. Auch Spielzeug. Sie kopieren die Daten unserer Handys. Selbst unsere Koffer nehmen sie, um ihre Beute abzutransportieren. Unser zweijähriges Kind sieht alles mit. Auch, wie sie unser Auto beladen und mitnehmen. Am Ende nehmen sie auch einen Elternteil mit. 

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Gewalt und Inhaftierung

Letzte Woche, zwischen dem 22. und dem 25. August, wiederholten sich solche Szenen in gezielt ausgewählten Haushalten in sieben Provinzen Irans. Auch kleine Betriebe traf es: Geheimdienstagenten beschlagnahmten Eigentum, versiegelten sie und nahmen Menschen fest. Mal ohne Haftbefehl, mal im Beisein der Staatsanwaltschaft. Denn Verfolgung kann auch den Anschein von Rechtmäßigkeit haben. Eine dieser Razzien traf Fereshteh Rahmani in Isfahan. Auf ihr Warum kam die Antwort: „Weil Sie Ihre Religion nicht gewechselt haben!“ Derzeit sind 62 Bahá’í inhaftiert, 37 davon Frauen; über 21 weitere verbüßen Strafen außerhalb der Haft.

Der Bahá’í-Glaube

Warum also? Der Bahá’í-Glaube entstand 1844 in Persien. Sein Gründer Bahá’u’lláh lehrte Einheit, Dienst, Bildung und Gleichberechtigung; Bahá’í erkennen auch Moses, Jesus und Mohammed als Gottesboten an. Doch anders als Zoroastrismus, Judentum und Christentum ist die Bahá’í-Religion im Iran nicht anerkannt.

Massenhinrichtungen von Bahá’í

Seit 1979 kam es zu Massenhinrichtungen von Bahá’í. Nach einem internationalem Aufschrei änderte sich die Methode, nicht das Ziel: die Erstickung der Gemeinschaft durch Haft, Enteignungen, Bildungs- und Berufsverbote, selbst die Zerstörung ihrer Friedhöfe. Ein 1991 von Ali Khamenei gebilligtes Memorandum schrieb diese Politik fest: „Entwicklung sollte blockiert werden, sobald Menschen als Bahá’í identifiziert wurden.“

Ein Sonntag zu Hause

Dabei beteiligen sich Bahá’í nicht an Parteipolitik und sind ihrem Land gegenüber loyal. Dennoch drohen ihnen wegen „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ lange Haftstrafen. In Kriegszeiten wie jetzt werden sie zu Sündenböcken: Schon der Vorwurf der Spionage für Israel kann Leben kosten. Ihr Weltzentrum liegt dort aus historischen Gründen: Bahá’u’lláh wurde 1868 nach Akkon verbannt. 80 Jahre vor der Gründung Israels!

Ein Sonntag zu Hause in Österreich: Sich auf den Schul- und Arbeitsbeginn vorbereiten. Frei glauben oder nicht glauben. Für uns selbstverständlich. Am 19. August forderten 36 österreichische Abgeordnete die Freilassung inhaftierter Bahá’í und aller Gewissensgefangenen im Iran. Denn wo die Freiheit einer Minderheit bedroht ist, ist die Freiheit aller in Gefahr.

Der Kommentar drückt ihre persönliche Meinung aus!

Autor:
  • Isma Forghani
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