„Ich vertraue darauf, dass alles gut wird“

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 44
  • Spiritualität
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Als Barbara Vitovec mitbekommen hat, dass es für Laien möglich ist, Begräbnisse zu leiten, ist sie zu ihrem damaligen Pfarrer gegangen.
Als Barbara Vitovec mitbekommen hat, dass es für Laien möglich ist, Begräbnisse zu leiten, ist sie zu ihrem damaligen Pfarrer gegangen. ©Vitovec

Barbara Vitovec, 62, hat bisher rund 850 Begräbnisse geleitet. Sie kommt auf durchschnittlich ein Begräbnis pro Woche.

Begräbnisse werden in der Erzdiözese Wien nicht nur von Priestern oder Diakonen, sondern auch von Laien geleitet. Sie absolvieren dafür den Begräbnisleiterkurs.

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Begräbnisleiterin statt Priester

Frau Vitovec, wie reagieren die Menschen, wenn statt eines Priesters Sie als Begräbnisleiterin auftauchen? 

Barbara Vitovec: Am Anfang musste ich hin und wieder erklären, wer ich bin. Interessanterweise sind es meistens die, die der Kirche eher fernstehen, die kritisch sind. Die haben zwar keinen Bezug mehr zur Kirche, dafür aber noch ein sehr traditionelles Bild von ihr. Die anderen freuen sich meistens, wenn ich komme. 

Begräbnisse auch von Laien geleitet

Wie sind Sie dazu gekommen, Begräbnisse zu leiten?

Als ich mitbekommen habe, dass es für Laien möglich ist, Begräbnisse zu leiten, bin ich zu unserem damaligen Pfarrer gegangen. Ich bin Theologin, Germanistin und ausgebildete Psychotherapeutin, bin also von der Qualifikation her gut geeignet. Der Pfarrer war gleich begeistert. Er hat mir immer jede Möglichkeit eingeräumt, vor allem an meinen freien Tagen in der Schule und in den Ferien. 

Beim Begräbnis ein positiver Raum für die Botschaften

Begräbnisse sind für die meisten Menschen kein freudvoller Anlass. Sie hingegen sind sehr oft am Friedhof im Einsatz: Was erfüllt Sie bei diesem Dienst?

Es ist dieses Da-Sein-Können für andere, ihnen zu helfen, diese schwierige Situation zu überstehen. Ich habe eine ruhige Persönlichkeit, bin freundlich und bringe nicht noch mehr Emotionalität hinein. Ich bin Lehrerin, und ganz anders als in der Schule, wo man um die Aufmerksamkeit der Schüler kämpfen muss, hat man beim Begräbnis einen positiven Raum für seine Botschaften.

„Auch ich werde irgendwann den letzten Atemzug machen und dann werde ich mich überraschen lassen.“

Botschaften, die beim Begräbnis vermittelt werdem-

Welche Botschaften möchten Sie bei einem Begräbnis unbedingt vermitteln?

Gott liebt uns Menschen und will nicht, dass wir einfach ‚verschwinden‘. Er will unsere Zukunft. Wie die aussieht, wissen wir alle nicht. Ich habe auch keine Ahnung, aber ich vertraue darauf, dass es gut weitergeht. 
Was ich bei Begräbnissen außerdem immer versuche: Je nachdem, was dem Verstorbenen wichtig war, suche ich eine passende Bibelstelle aus. Bei einer Frau, die gern gegartelt hat, war es zum Beispiel das Weizenkorn, das in die Erde fällt.

Gibt es Begräbnisse, die Sie besonders bewegt haben?

Rund um den Tod meiner Mutter hat mich jedes Begräbnis berührt. Da redet man einfach anders und muss schauen, dass man selbst nicht den Tränen nahe ist und das Begräbnis professionell über die Bühne bringt. 
Man merkt immer schnell, wie sehr ein Verstorbener im Netzwerk der Familie eingebunden war. Ist die Stimmung eher kühl? Oder ist eine große Wehmut da? Die überträgt sich auch auf mich.   

Sie haben oft mit dem Tod zu tun. Beeinflusst das Ihr Leben und Ihren Glauben?

Ich freue mich umso mehr, weil ich noch leben und etwas bewirken darf. Ich kann jeden Tag besonders schätzen. Was sich verändert hat, ist meine Vorstellung von der Ewigkeit. Ich bin völlig offen und stelle mir gar nichts vor. Auch ich werde irgendwann den letzten Atemzug machen und dann werde ich mich überraschen lassen. 

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Autor:
  • Sandra Lobnig
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