Pfarrküche statt Luxusgastronomie
Glaubenszeugnis
Gottfried Gansterer, heute vierfacher Großvater, war als Koch im Hotel Imperial, als kulinarischer Botschafter weltweit unterwegs und unterrichtete in der Tourismusschule Modul.
Pfarrküche statt Luxuxgastronomie
Herr Gansterer, die Kulinarik zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben.
Ich wusste schon mit sieben Jahren, dass ich irgendwann einmal Koch werden möchte. Später habe ich eine Lehre begonnen und für diesen Beruf große Freude entwickelt. Ich habe die Luxusgastronomie kennen gelernt, bin durch die ganze Welt gereist und habe in der Tourismusausbildung unterrichtet.
Und Sie kochen seit vielen Jahrzehnten bei den Veranstaltungen in der Gemeinde Sankt Elisabeth.
Für mich hat Essen ganz viel mit Gemeinschaft zu tun, mit Gemütlichkeit, mit zur Ruhe kommen. Es geht dabei um viel mehr als nur darum, sich zu ernähren. Beim Essen und Trinken kommen die Leute zusammen, es wird ganz anders geplaudert. Ob beim Pfarrcafé, beim Erntedankfest oder bei großen Pfarrfesten: Ich bringe mich kulinarisch ein. Wenn zum Beispiel die Helferinnen beim Pfarrflohmarkt den ganzen Tag auf den Beinen stehen und Kleidung verkaufen, mache ich ihnen ein gutes Essen.
Was servieren Sie da?
Beim letzten Mal zum Beispiel gab es Tomatenrisotto mit gegrillten Paprika, Topfenstrudel mit Vanillesoße und eine vegane Rote Linsensuppe mit Curry. Für alle war was dabei. In Sankt Elisabeth haben wir seit zwei Jahren eine gut ausgestattete Küche, die wir gemeinsam eingerichtet haben. Die Voraussetzungen sind also gut.
Kochen für die Pfarrküche
Kocht es sich für die Pfarre anders als in der Luxusgastronomie?
Für mich macht das keinen Unterschied. Ich habe zum Beispiel drei Monate lang jeden Mittwoch mit Helferinnen für die Wärmestube der Caritas gekocht. Am Donnerstag drauf wurde das Essen dann an die Gäste verteilt. Wir haben Rezepte verwendet, die ich so auch in der Luxusgastronomie kochen würde. So konnten wir über hundert bedürftigen Menschen eine gute Suppe kredenzen.
Sie arbeiten viel für die Pfarrcaritas. Warum gerade dort?
In der Caritas haben wir in Sankt Elisabeth viele Personen, die mithelfen. Von denen sind die meisten aber schon über achtzig. Sie können Hilfe gebrauchen. Mir ist es auch wichtig, mitzuentscheiden, was mit dem Geld, das wir einnehmen, passiert. Finanzieren wir den Heizkostenzuschuss oder kaufen wir Lebensmittel und verteilen wir sie? Seitdem ich in Pension bin, habe ich mehr Zeit, die ich der Pfarre zur Verfügung stelle. Ich war früher im Pfarrgemeinderat, da musste ich aus beruflichen Gründen reduzieren. Jetzt in der Pension habe ich unserem Pfarrer gesagt: Das Ehrenamt kennt keine 40-Stunden-Woche.
Sie investieren also viele Stunden?
Manchmal mehr, manchmal weniger. Erst vor Kurzem war ich etwa der Chauffeur bei der Fußwallfahrt nach Mariazell. Dabei habe ich dreißig Koffer von A nach B gebracht und die Fuß-
maroden eingesammelt und sie in das Hotel gebracht. Meine Frau Ludmila hilft auch in der Pfarre mit, bei den Kuchen und Torten und im Gesang. Ich hatte in meinem Berufs- und Privatleben viel Glück und Erfolg. Da will ich nicht in der Pension ein alter Grantler sein. Jetzt habe ich Zeit und bin gesundheitlich gut unterwegs, da kann ich auch viel helfen. Wenn jemand sagt, ‚Man sollte, man könnte, man müsste‘, reagiere ich empfindlich und sage: ‚Man tut!‘ So habe ich es von meinen Eltern und meinen Großeltern gelernt. Wir waren sechs Geschwister. Es war früh klar, dass man sich ein eigenes Leben aufbaut und selbstständig wird.
Bei so viel Arbeit: Wo tanken Sie auf?
Im Sonntagsgottesdienst. Und das, seitdem ich ein kleines Kind in Kirchberg am Wechsel war, wo ich die Kirchenzeitung austragen durfte. Am Sonntag reflektiere ich über mein Leben, über meine Woche. Die Kirche ist für mich eine verlässliche Stütze im Alltag.
Gottfried Gansterer
Alter: 68
Wohnort: Wien
Lebensmotto: Nie aufhören, fleißig zu sein.
Gott ist für mich: da, so wie für viele andere auch.
Sonntag bedeutet für mich: der Tag der Ruhe, der Besinnung.