Ökumene der Wurschtigkeit

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 35
  • Hirtenhund
Autor:
©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt diese Woche über den zu heißen Sommer, die Kampagne "Gott is ma unterkuma" und Glaube.

Die Sommerfrische ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Eigentlich hatte ich auf erholsame Temperaturen und Bergtouren gehofft – am Ende hat mir das Pflaster des Stephansplatzes fast die Pfoten verbrannt. Dabei war ich top-motiviert – nicht zuletzt durch den Aufruf von Papst Leo XIV., im Sommerurlaub ausnahmsweise mal „auf Exzesse und Materialismus zu verzichten“, wie er schrieb. „Nutzt auch die Sommerzeit, um das Evangelium des Friedens und der Barmherzigkeit zu leben.“ Also bin ich durchs Land gezottelt, um nach Frieden, Barmherzigkeit und ein wenig Kühle zu suchen. Doch immer wieder stieß ich dabei auf Plakate, Postings, ja, selbst auf Kino-Trailer, die mich direkt wieder unfriedlich und unbarmherzig werden ließen: Es waren Elemente der österreichweiten Kampagne „Gott is ma unterkuma“. Menschen erzählen darin ihre Glaubensgeschichten – Geschichten von Hoffnung und Zuversicht, vom Scheitern im Leben und der Rettung durch ihre persönliche Freundschaft zu Christus. 

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„Campus für Christus“

Das hört sich alles harmlos an – und tatsächlich sind die Geschichten berührend. Kein Wunder, dass sich auf der Kampagnen-Website „gottkennen.at“ gleich mehrere Diözesen und die Katholische Jugend der Sache angeschlossen haben. Hinter der Aktion steht der überkonfessionelle Verein „Campus für Christus“, der wiederum aus vielen Einzelaktivitäten besteht, um die Zielgruppe je nach Lebenssituation individuell zu begleiten. „Unser Traum ist es, eine Bewegung von sich multiplizierenden Jesus-Nachfolgern zu sehen, welche mit dem Heiligen Geist in ihr Umfeld, Dorf, ihren Bezirk, ihre Region oder Zielgruppe hineinwirken.“ 

Glaube als Individual-Therapeutikum

Es geht um die Schaffung einer Parallelstruktur jenseits von Pfarren und kirchlicher Einhegung. Tatsächlich kommen Worte wie Kirche oder Gemeinschaft kaum vor. „Das ist nicht für die Welt – das ist genau für mich“, berichtet eine junge Frau. Glaube als Individual-Therapeutikum – garniert mit Aussagen aus dem „Glaubensbekenntnis“ des „Campus für Christus“, die einem den ökumenischen Angstschweiß auf die Stirn treiben: Jesus Christus ist „einziger Weg zu Gott“, die Bibel als „von Gottes Geist eingegeben“ und „höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung“. Theologie? Lehrentwicklung? Historisch-kritische Durchdringungen? Fehlanzeige. Stattdessen Werbung für Alpha-Kurse, eine freikirchliche Bibel-Übersetzung und „The Chosen“.

Der Glaube und die neue "Ökumene der Wurschtigkeit"

Habt ihr euch das Kleingedruckte nicht durchgelesen, liebe katholische Diözesen und KJ? Oder ist das die neue Ökumene der Wurschtigkeit? So melde ich mich also zurück aus der Sommerfrische – erholt genug, um mich wieder ordentlich zu erregen; und zugleich erschöpft genug, um auf herbstliche Kühlung des hündischen Mütchens zu hoffen.

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