„Der Mensch selbst ist das, was zählt“

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 35
  • Spiritualität
Autor:
Leben und Glauben verknüpfen: Pastoralassistentin Sonja Hörweg lebte dies auch ihren Kindern vor.
Leben und Glauben verknüpfen: Pastoralassistentin Sonja Hörweg lebte dies auch ihren Kindern vor. ©Privat

Auf einem Sitz in der Straßenbahn fand Sonja Hörweg, 61, den Folder. Das war der Beginn ihrer Karriere als Pastoralassistentin. Noch am selben Tag meldete sie sich an und hatte dann‚ den schönsten Beruf der Welt‘.

Sonja Hörweg arbeitete als Pastoralassistentin und ist jetzt als junge Pensionistin sicher, dass sie den schönsten Beruf hatte.

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Sonja, du bist gerade in die Pension gestartet. Wie geht’s dir damit?

Sonja Hörweg: Ich werde oft gefragt, wie ich mit der ganzen freien Zeit umgehe und ob ich in ein Loch falle. Aber ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt. Alle meine fünf Kinder sind ausgezogen, und ich bin das erste Mal in meinem Leben nur für mich und kann über meine Zeit bestimmen.  

Pastoralassistentin: der schönste Beruf der Welt

Deinen Beruf als Pastoralassistentin hast du geliebt, oder?

Ich sag immer: Ich hab‘ den schönsten Beruf der Welt gehabt. Er ist mir zugefallen, ist eine Berufung und ein echtes Geschenk.

Von Sozialpädagogin zu Pastoralassistentin

Davor warst du Sozialpädagogin und hast die Ausbildung zur Pastoralassistentin auf dem zweiten Bildungsweg gemacht. Wie kam es dazu?

Meine Arbeit als Sozialpädagogin wurde immer administrativer, und ich wollte etwas anderes machen. Eines Tages bin ich mit den Kindern in der Straßenbahn gefahren und auf dem Sitz lag ein Folder, auf dem stand ‚Ausbildung zur Pastoralassistentin‘. ‚Das wär‘ interessant‘, hab‘ ich mir gedacht und gesehen, dass der Anmeldeschluss am selben Tag war. Also habe ich angerufen und wurde zum Auswahlverfahren eingeladen. Und das, obwohl ich geschieden war und fünf Kinder hatte.

"Jesus ruft dich mit deinem Namen und hat dich genauso lieb, wie du bist."

Sonja Hörweg

"Das hat mich so ins Herz getroffen!"

Bist du in einer gläubigen Familie aufgewachsen?

Nein, gar nicht. Ich komme aus einem sozialistisch geprägten Umfeld. Ich war das, was man heute ‚verhaltensauffällig‘ nennen würde, also ein bisschen anders als die anderen. Im Religionsunterricht in der Volksschule hat die Lehrerin einmal eine Geschichte vorgelesen, in der es hieß: ‚Jesus ruft dich mit deinem Namen und hat dich genauso lieb, wie du bist.‘ Das hat mich so ins Herz getroffen! Ich kam in die Jungschar in Altsimmering, später zur Jugend. Es war ein Ankommen! Diese Zeit war sehr prägend für mich. Die Devise war: Wir reden über alles, Gott braucht jeden. Wir haben den Jugendkeller renoviert, waren beim Jugendlager dabei und wurden von den Erwachsenen immer ernst genommen. Für uns alle war klar, auch wenn man am Abend Party macht, ist man am Sonntag um zehn Uhr in der Kirche. Später habe ich mich von der Kirche entfernt. Erst bei der Erstkommunion meines zweiten Sohnes bin ich wieder hängen geblieben. Leben und Glauben verknüpfen: Das hat sich durch mein Leben gezogen. Und so habe ich es auch an meine Kinder weitergegeben. 

Arbeit in der Philippinischen Gemeinschaft

Du hast rosa gefärbte Haare und bist grundsätzlich ein Typ, der auffällt. Wie ist es dir damit am Arbeitsplatz gegangen? 

Wenn man mit Kindern arbeitet, ist das für die kein Thema. In der Pfarre Schwechat, wo ich viele Jahre gearbeitet habe, war das am Anfang ein bisschen witzig. Von den Ehrenamtlichen wurde ich kritisch beäugt, aber es war nie schwierig. Später in Baden war es anfangs schon ein Kulturschock. Wir mussten uns erst aneinander gewöhnen. Was ich gemerkt habe: Wenn ich am Sonntag die Wortgottesfeier geleitet habe, kamen andere Menschen als sonst. Ich habe mit meiner Art ganz andere Leute angesprochen als der Pfarrer. Einmal nach einer Wortgottesfeier ist eine Dame in der Kirchenbank sitzen geblieben und hat zu mir gesagt: „Ich hatte ja meine Bedenken, was so eine Verrückte da vorne mir sagen könnte. Aber ich bin froh, dass ich geblieben bin. Denn das, was Sie gesagt haben, hat mein Herz berührt.“ Mir sind Konventionen egal. Was zählt, ist der Mensch.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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