Vertane Chance

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 25
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt diese Woche über die Debatte um den Karfreitag als Feiertag.

Ein Schatzi ist er wahrlich nicht, der Markus Achatzi. 2019 war er gegen seinen damaligen Arbeitgeber vor Gericht gezogen, weil er am Karfreitag arbeiten musste, aber – weil er keiner Religionsgemeinschaft angehörte – keinen Feiertagszuschlag erhielt. Eine Lappalie, mögen Sie sagen. Doch die Sache sollte das gesamte Gebälk des österreichischen Feiertagshaushalts erschüttern. Denn am Ende kostete sein Ärger über ein paar Euro Verdienst­entgang 250.000 Menschen in Österreich – nämlich die Angehörigen der evangelischen Kirchen – einen Feiertag. 

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Karfreitag las "persönlicher Feiertag"

Zur Erinnerung: Das Nicht- Schatzi ist mit seiner Klage vor den Europäischen Gerichtshof gezogen und hatte schweres Geschütz aufgefahren und Artikel 21 der Grundrechtecharta ins Feld geführt: fehlende Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf. Der EuGH entschied tatsächlich auf eine Diskriminierung aufgrund der Religion und mahnte eine Änderung ein. Statt den Karfreitag zu einem gesetzlichen Feiertag für alle – unabhängig von der Konfession – zu erklären, wählte die damalige ÖVP-FPÖ-Buberlpartie unter Kanzler Kurz den „wirtschaftskonformeren“ Weg: Sie hob den Feiertag auf beziehungsweise wurde er zu einem „persönlichen Feiertag“ degradiert. Seither wird der Feiertagsverlust evangelischerseits beklagt – und katholischerseits nur halbherzig Solidarität gezeigt. Dabei gibt es genügend Gründe, für den Karfreitag einzutreten. Für uns Katholische gehört er als Tiefpunkt des Jesus-Dramas unverbrüchlich zu Ostern dazu. Säkulare Gemüter kann der Karfreitag an die Realität der eigenen Sterblichkeit und die Allgegenwart des Leidens erinnern: Ecce homo!

Debatte um Karfreitag geht weiter

Nun hat der frühere steirische Lokal- und Landespolitiker Martin Wabl ein Volksbegehren gestartet, das den Karfreitag als „Feiertag für Alle“ fordert. Dass sich die evangelische Kirche bislang zurückhaltend dazu zeigte, spricht Bände – schließlich ist nicht nur Wabl eine irritierende Person, die die „Grundsätze des Neuen Testaments auch zu den Säulen unserer Gesellschaft“ machen möchte, wie er schreibt; auch der Begründungstext des Begehrens ist von einem irritierend unbekümmerten Selbstbewusstsein: Der Karfreitag solle erhalten bleiben, weil die Gesellschaft „durch den Glauben gestärkt“ werde, „weshalb Austritte aus den christlichen Reglionsgemeinschaften tunlichst zu vermeiden sind“. Reglionsgemeinschaften. So heißt es tatsächlich im amtssignierten Schreiben. Wer solche Texte formuliert, nimmt bereits in Kauf, nicht ernst genommen zu werden. Eine vertane Chance zu 2.799,50 Euro, die Wabl zu zahlen hat. Wenn er klug ist, versucht er, sich das Geld bei Herrn Achatzi zurückzuholen.

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