„Nutze deine Zeit weise“
Glaubenszeugnis
Roman Michael Steiner ist Polizist, verheiratet und Vater von drei erwachsenen Söhnen. Seine Frau spielt eine besondere Rolle in seinem Glaubensleben.
Glaubensleben einer Arbeiterfamilie
Herr Steiner, stammen Sie aus einer gläubigen Familie?
Roman Michael Steiner: Ich bin der älteste Sohn einer Arbeiterfamilie, meine Eltern waren nicht gläubig. In der Pfarre im 20. Bezirk habe ich als Kind begonnen zu ministrieren. Für mich war das eine tolle Möglichkeit, aus der Zwei-Zimmer-Wohnung rauszukommen. Später habe ich mich wieder entfernt. Ich wurde zwar noch gefirmt, da ging’s mir aber vor allem um die Geschenkabholung. Jahrelang hat der Glaube keine große Rolle bei mir gespielt, bis ich meine Frau kennengelernt habe.
Ein Stützpunkt für die Wandermuttergottes
Ihre Frau war gläubig?
Ja, sie stammt aus einer gläubigen Familie. Für sie war klar: Der Glaube gehört zum Alltag dazu. In unserer Pfarre haben wir die „Schwestern der Jüngersuche“ kennen gelernt, die uns die Wandermuttergottes mitgebracht haben. Wir wurden mit unserer Familie zum ‚Stützpunkt‘ für die Wandermuttergottes, eine große Muttergottesstatue.
Neuer Frühling im Glaubensleben
Was bedeutet das?
Es bedeutet, offen zu sein für Menschen, die Hilfe brauchen, und ihnen anzubieten, die Wandermuttergottes eine Zeitlang bei sich aufzunehmen und auch gemeinsam zu beten. Wir haben das als sehr große Gnade empfunden. Unsere Söhne sind jetzt erwachsen, und meine Frau und ich erleben gerade einen neuen Frühling im Glaubensleben.
„Gott hat schon öfter eingegriffen!“
Roman Michael Steiner
Die Wichtigkeit der Heiligen Messe
Wie sieht der aus?
Die Wichtigkeit der Heiligen Messe war mir früher nicht so bewusst. Jetzt ist das anders. In meinem Büro stehen eine kleine Figur der Wandermuttergottes und ein Kreuz. Für mich gehört es dazu, meinen Glauben auch sichtbar zu machen. Ich versuche, den Tag mit der Laudes zu beginnen und mit der Komplet zu beenden, auch das Rosenkranzgebet gibt mir viel Kraft. Auch wochentags besuche ich nach Möglichkeit die Heilige Messe. Die Nähe zu Gott spüre ich sehr in der Gemeinschaft. Seit sechs Jahren gehen meine Frau und ich bei einer Fußwallfahrt vom Sonntagberg nach Mariazell mit – mit gemeinsamem Gebet, Anbetung, Lobpreis und Austausch. Das ist sehr schön und schweißt auch meine Frau und mich zusammen. Ich mache auch gerade den theologischen Kurs, weil ich mehr über den Glauben lernen möchte. Insgesamt fühle ich mich in meinem Leben sehr behütet und beschützt. Gott hat schon öfter eingegriffen.
Glaubensleben: Wann Gott eingegriffen hat
In welchen Situationen war das?
Wenn ich mein Leben Revue passieren lasse, fällt mir mein schwerer Unfall in der ersten Klasse, Volksschule ein, der halbwegs glimpflich ausgegangen ist. Später, in der dritten Klasse hat sich durch den Umzug meiner Familie von Wien nach Niederösterreich herausgestellt, dass ich weder lesen noch schreiben konnte. Mein Vater hat darüber mit unserer Nachbarin gesprochen, die mir Nachhilfe gegeben hat. Ohne sie wäre ich in die Sonderschule gekommen und mein Leben wäre ganz anders verlaufen. Für mich eine göttliche Fügung. Später hatte ich einen Unfall mit dem Fahrrad auf einer Bergstraße. Der LKW, der hinter mir fuhr, ist mit seinem Rad um Haaresbreite an meinem Kopf vorbeigefahren. Auch 2003 bei meinem Dienstunfall ist Gott sei Dank nichts Gröberes passiert. Heuer am Pfingstsonntag hatte ich ein anderes besonderes Erlebnis: Ich fuhr in der Nacht auf der Außenringautobahn, als ein Reh ganz langsam auf mich zukam. Es ist stehen geblieben und hat mich angeschaut. Als wollte es mir sagen: Nutze deine Zeit weise.
Roman Michael Steiner
Alter: 56
Lebensmotto: Gott war immer für mich da, auch wenn ich es nicht erkannt habe. Er liebt uns alle, egal wie wir sind.
Gott ist für mich: alles.
Sonntag bedeutet für mich: Heimkommen, Gemeinschaft, gemeinsames Gebet.