Magdaléna Tschmuck und ihr Leben mit Krebs

Gehimmelt
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Die Pastoralassistentin Magdaléna Tschmuck hat ihr Leben mit Krebs mit Postings auf Facebook dokumentiert.
Die Pastoralassistentin Magdaléna Tschmuck hat ihr Leben mit Krebs mit Postings auf Facebook dokumentiert. ©Stephan Schönlaub/Erzdiözese Wien
Magdaléna Tschmucks Wunsch, einmal noch im Stephansdom zu kantorieren, ging bei der Chrisammesse 2025 in Erfüllung.
Magdaléna Tschmucks Wunsch, einmal noch im Stephansdom zu kantorieren, ging bei der Chrisammesse 2025 in Erfüllung. ©Stephan Schönlaub/Erzdiözese Wien

Am 31. August 2026 hätte Magdaléna Tschmuck ihren 49. Geburtstag gefeiert. Vier Jahre lang hat sie mit ihrer unheilbaren Krebserkrankung gelebt. Sie hatte gekämpft, ihr war schlecht, sie hatte ihr langes Haar verloren – sie glaubte aber weiter an einen guten Gott, der jeden Tag für uns alle da ist.

Am 1. August wurde sie von ihren Ärzten über ihren Gesundheitszustand informiert, nüchtern und klar: „Ich bin austherapiert“, notierte sie dazu. Sechs Tage später wurde sie „gehimmelt“, wie sie es in ihrem letzten Posting geschrieben hatte. Magdaléna Tschmuck wusste nicht, wie lange sie noch leben wird, aber sie war sicher, dass ihr Leben nicht zu Ende ist.

Das Protokoll einer unheilbaren Krankheit.

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22. 9. 2022: Magdaléna Tschmuck und ihre Diagnose

Magdaléna Tschmuck am Beginn ihres Weges mit der Diagnose: „Ich vertraue auf dich, Herr.“
Magdaléna Tschmuck am Beginn ihres Weges mit der Diagnose: „Ich trau auf dich, Herr.“ ©Magdaléna Tschmuck / Facebook

Ich vertraue auf dich, Herr. Ich sage: Du bist mein Gott. In deiner Hand steht meine Zeit.

Vor drei Wochen – genau zwei Tage nach meinem 45. Geburtstag – habe ich erfahren, dass ich Krebs im fortgeschrittenen Stadium habe. Der Tumor am Darm war gut versteckt und trotz der Vorsorge und anderer Untersuchungen früher nicht zu finden.

Morgen fängt mit der ersten Chemotherapie der herausfordernde Weg an. Es fühlt sich so an, als ob ein großer Berg vor mir liegt, auf den ich nun hinaufsteigen muss … So weit hoch oben war ich noch nie. Aber ich vertraue ganz fest, dass ich es mit Hilfe Gottes – meines Bergführers – schaffen werde.

Danke, wenn Ihr mich mit Gebeten und guten Gedanken ein Stück meines Weges begleitet …

Der Herr ist mein Hirte … er führt mich (Ps 23)

25. 10. 2022: Die ersten Chemotherapien

„Ich frage nicht: Warum ich? Ich frage: Guter Gott, traust du es mir zu? Wenn DU es mir zutraust, werde ich diesen Weg gehen, schreiten, steigen, klettern und ganz gewiss sehr oft fallen … aber mit deiner Hilfe wieder aufstehen …“ (aus meinem Tagebuch, 24. 9. 2022, 1. Tag nach der 1. Chemotherapie)

Inzwischen habe ich die ersten zwei Chemotherapien hinter mir. Die Steine sind gerollt. Ein richtiges Erdbeben und das gleich mehrfach. Es war heftig. Die Nebenwirkungen, die Schwäche, die Entzündung, die Schmerzen … Aber dazwischen sind immer wieder Lichtstrahlen gekommen. Ganz unerwartet und unverhofft … Dafür bin ich dankbar.

Der Weg zur Heilung ist noch lang und ungewiss, aber ich werde ihn weiter gehen.

3. 11. 2022: Was unternimmt Magdaléna Tschmuck vor der ersten Therapie?

Ich bin sehr dankbar, dass wir diese letzten Aufnahmen vor meiner ersten Chemotherapie noch geschafft haben. Ich wollte sie als geistlich-musikalische Ausrüstung für meinen Weg haben. Die Zeit war sehr knapp und wir haben fast alles in einem Take gemacht.

Besondere Situationen erfordern eben einen besonderen Mut.

Letzte Aufnahme vor der Chemotherapie

30. 12. 2022: „Jeden Augenblick genießen“

Nach der Krebsdiagnose wurde für sie die gemeinsame Zeit zum kostbaren Geschenk. ©Magdaléna Tschmuck / Facebook

Jeden Augenblick genießen, (sich) die Wünsche erfüllen und (sich) bei jeder Gelegenheit Freude machen … Das wünsche ich euch (nicht nur) für das Neue Jahr!

Ich habe mir sehr gewünscht, schöne Fotos von unserer Familie machen zu lassen. Wir waren zuletzt vor 13 Jahren im Fotostudio. Es hieß für mich immer: Irgendwann werden wir es wieder machen. Aber es gab nie wirklich eine passende Gelegenheit. Als ich Anfang September meine Diagnose erfahren habe, wusste ich: Jetzt ist es Zeit dafür. Unser Fototermin war schließlich nur ein paar Stunden vor meiner ersten Therapie …

Meine Tochter hat mich überredet, zum Schluss auch mein Konzertkleid anzuziehen und Fotos von mir alleine machen zu lassen.

Irgendwie habe ich mir schon früher gedacht, dass ich es vielleicht einmal gerne machen würde. Es war mir aber zu unwichtig, um dafür wirklich Zeit zu finden.

5. 2. 2023: Weltkrebstag

Heute ist der Weltkrebstag und es sind genau 5 Monate und 2 Tage, seitdem ich mit dieser Diagnose lebe. Nach der anfänglichen Ohnmacht, als ich es erfahren habe, habe ich probiert, mir vorzustellen, wie es sein wird.

Die erste Assoziation war: Ich werde wegen der Chemotherapie die Haare verlieren. Darauf habe ich mich vorbereitet. Gekommen ist es ganz anders. Ich habe zwar beobachtet, dass einige Haare ausgefallen sind, es ist aber kaum zu merken. Da ich die ganzen 6 Monate keine Möglichkeit hatte, zur Friseurin zu gehen, waren meine Haare länger als jemals in meinem Leben. Was für ein Paradox!

Und so habe ich mir und meinen Haaren heute einen Wohlfühltag bei meiner Lieblingsfriseurin gegönnt.

Am heutigen Tag möchte ich euch erinnern und bitten, gut auf euch zu schauen und regelmäßig zur Vorsorge zu gehen.

18. 2. 2023: Magdaléna Tschmuck geht vor der Operation spazieren

Magdaléna Tschmucks letzter Ausflug vor der nächsten Operation.
Magdaléna Tschmucks letzter Ausflug vor der nächsten Operation. ©Facebook/Magdaléna Tschmuck

Letzter Spaziergang in der Sonne vor der nächsten Operation.

8. 3. 2023: Gedanken zum Weltfrauentag von Magdaléna Tschmuck

Meine Gedanken zum Weltfrauentag

Ich habe bisher nichts zur Gleichberechtigung der Frauen gepostet. Ich muss gestehen, dass ich leider die meiste Benachteiligung in meinem Leben als Frau innerhalb der Kirche erfahren habe. Das war und ist besonders schmerzhaft …, weil ich mich trotz allem dazu berufen fühle, in der Kirche zu wirken.

Ich durfte nicht ministrieren, obwohl ich mir ein paar Tage nach der Erstkommunion meine langen, lockigen Haare ganz kurz schneiden ließ, in der Hoffnung, dass ich es dann vielleicht darf. Ich durfte nicht offiziell eine Organistin sein. Obwohl ich mit 13 Jahren angefangen habe, die Gottesdienste an der Orgel zu begleiten, hat man sich bei mir ausdrücklich in männlicher Form bedankt.

Ich durfte nicht selbst das Exsultet singen. Anstatt dessen habe ich es jahrelang den Priestern auf Slowakisch und Deutsch beigebracht. Nach den geweihten Männern sind alle anderen Männer, die halbwegs singen konnten, an die Reihe gekommen. Ich musste fast 30 Jahre warten, bis ich es zum ersten Mal vortragen durfte.

Ich wurde oft wegen meines Vornamens verspottet. Auch wenn es vielleicht witzig gemeint war, fand ich es sehr ärgerlich, dass manche Männer in der Kirche nicht nur die arme heilige Maria Magdalena runtermachen mussten, sondern auch mich wegen meines Namens. Ich wurde des Öfteren auf mein Äußeres reduziert. Das ist mir leider viel öfter in kirchlichen Kreisen als in meinem ursprünglichen weltlichen Beruf passiert. Und das Schmerzhafte daran ist, dass auch mein Beitrag – sei es mit Gesang oder Rede – wenn er gut angekommen ist, damit oft relativiert wurde.

Ich durfte nach Meinung mancher männlicher Kollegen in der gemeinsamen Sitzung nicht über die Pfarre berichten, mit dem einzigen Argument, dass ich eine Frau bin.

Trotz dieser und noch weiterer Stoppschilder lasse ich mich von meinem Weg nicht abbringen, weil ich glaube, dass mein(e) Beruf(ung) richtig und wichtig ist!

6. 5. 2023: Verlust eines Lungenflügels

Nach 2 Wochen und 4 Tagen darf ich heute die Thorax-Chirurgie der Klinik Floridsdorf verlassen. Die ursprüngliche OP auf meinem rechten Lungenflügel ist leider mit vielen Komplikationen verlaufen. Ich habe den ganzen Unterlappen, also die Hälfte des Flügels, verloren. Die OP musste nach einer Woche wiederholt werden, da die restliche Lunge ein Loch hatte.

Es waren die schlimmsten Tage und Wochen in meiner aktuellen Krankheitsgeschichte. Der Heilungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich habe nach wie vor eine Drainage mit dem Schlauch, der zwischen den Rippen in meine Lunge führt. Ich vertraue und hoffe weiterhin, dass die Lunge abheilt, sich entfaltet und vorerst keine weitere OP notwendig ist.

Jetzt freue ich mich, nach Hause zu kommen!

Ich bedanke mich bei dem ganzen Team der Thorax-Chirurgie. Besonders bedanke ich mich bei meinem Lieblingskrankenhausseelsorger Michael Beer für die Begleitung, für die guten Gespräche, für den seelischen sowie physischen Beistand (bei den ersten Schritten in die Krankenhauskapelle). Lieber Michael, du bist an meinem Bett gesessen und nicht zurückgewichen, auch wenn es sicher nicht angenehm war, mir zuzuschauen. Ich danke dir und werde es dir nie vergessen!

29. 5. 2023: Trauerfeier für den verlorenen Lungenteil

Magdaléna Tschmuck verabschiedet sich mit einer persönlichen „Trauerfeier“ von einem Teil ihres verlorenen Lungenflügels. ©Magdaléna Tschmuck / Facebook

Gestern, am Pfingstsonntag, habe ich meine Trauerfeier für den verlorenen Lungenteil bei der Wotrubakirche gehabt. Der DANKE-Luftballon ist unglaublich hoch geflogen.

Hier ein Gebet, welches ich von einer Freundin erhalten habe und welches mich sehr berührt hat:

„Herr, in DEINE Hände lege ich den Dank für Magdalénas Freude und Glückseligkeit und für die Schönheit ihres Gesanges, mit dem sie vielen Menschen Freude schenkt und sie berührt und Zeugnis gibt für DICH. Und ich lege in DEINE Hände den Schmerz, die Trauer und den Abschied von Magdalénas Lungenflügelteil. Aber auch die Hoffnung und die Zuversicht, dass DU alles trotzdem gut machen wirst.“

4. 6. 2023: Dankbarkeit

Ich bin dankbar für diese geschenkten Momente und den kurzen Besuch auf dem Ball der Pfarre Erlöserkirche unter dem Motto „Bella Italia“.

26. 12. 2023: „Geschenkte Momente“

Ich habe im letzten halben Jahr viel über Geschenke nachgedacht und zu Weihnachten haben meine Überlegungen den Höhepunkt erreicht:

  • Ich lebe die „geschenkten Momente“ an den guten Tagen viel bewusster.
  • Ich freue mich über die kostbare Zeit mit meiner Familie.
  • Ich bin dankbar für jede Begegnung und für die besonderen Menschen um mich.
  • Ich fühle mich gesegnet durch jede Gelegenheit, wenn ich in meinem Pastoraldienst etwas aktiv beitragen kann.
  • Ich bin dankbar für die tiefen geistlichen Verbindungen, die ich (er)leben darf.
  • In der Geburt von Jesus feiern wir auch unsere Neugeburt für das ewige Leben.
  • Ich wünsche euch die immerwährende Freude dieses größten und schönsten Geschenks.

21. 4. 2024: Magdaléna Tschmucks schwere Tage

Sie waren wieder da. Jedoch überrascht es mich immer wieder, obwohl ich gerade schon die 21. Chemotherapie hinter mir habe. An solchen Tagen bin ich müde. Unvorstellbar müde. Es ist alles zu anstrengend, selbst die einfachsten Aktivitäten wie Sprechen, Musikhören, Lesen … Ich brauche sehr viel Ruhe und schlafe die Tage und Nächte fast komplett durch.

Ruhe, Stille, Leere … Die paar Schritte, die ich am Tag innerhalb der Wohnung machen muss, sind mit höchster Anstrengung und Konzentration verbunden. Die üblichen körperlichen Nebenwirkungen sind bei mir stark präsent. Kaum vorstellbar, was ich noch am Tag vor der Therapie machen konnte. Auf einmal ist alles weg … Ich sage öfter, dass ich in meinem finsteren Tal bin, und beziehe mich damit auf den 4. Vers des Psalmes 23. Doch an den schlechten Tagen ist auch die Angst da. Ich kann sie nicht wegschieben, nicht leugnen, nicht wegschauen. Ich muss durch die Angst durch … Ich versuche, mir immer die Hoffnung zu behalten, dass nach jeder Nacht ein neuer und besserer Tag anbricht und sehne mich nach wieder guten Tagen.

28. 4. 2024: Magdaléna Tschmucks gute Tage

Obwohl es manchmal länger dauert, bis ich mich erholt habe, bin ich zuversichtlich, dass sie immer wieder kommen. Vor der 20. Chemotherapie habe ich mir drei Sachen gegönnt und geschafft, die ich seit meiner Krebserkrankung nicht gemacht habe und immer auf „danach“ verschoben habe.

  • Ich bin eine lange Strecke alleine mit dem Auto gefahren: insgesamt 500 km hin und zurück, um meine Familie in der Slowakei zu besuchen. Ich war sehr glücklich, dass ich es mir zugetraut habe.
  • Ich war nach sehr langer Zeit wieder im Konzert, diesmal mit meinem Mann und meiner Tochter, und es war eine große Freude für uns alle.
  • Ich bin wieder mal Rad gefahren und habe gleich 11 km geschafft. Und in den Tagen danach es deutlich gespürt, dass es wirklich passiert ist.

Es war für mich sehr stärkend, dass ich diese drei Sachen sozusagen zurückgewonnen habe, und somit geht mein „Leben im Jetzt“ in die nächste Runde …

5. 5. 2024: 17 gemeinsame Ehejahre

Danke für die 17 gemeinsamen Ehejahre. Danke, dass du meine Stütze, mein Fels in der Brandung bist. Danke, dass wir gemeinsam lachen können, auch in schwierigen Situationen.

7. 7. 2024: Magdaléna Tschmucks Abschlussprüfung in Pastoraltheologie

Nach ihrer Abschlussprüfung in Pastoraltheologie in Würzburg – ein wichtiger Schritt auf ihrem Weg der Berufung.
Nach ihrer Abschlussprüfung in Pastoraltheologie in Würzburg – ein wichtiger Schritt auf ihrem Weg der Berufung. ©Magdaléna Tschmuck/Facebook

Abschlussprüfung in Pastoraltheologie in Würzburg mit einem „Sehr gut“ geschafft. Es ist für mich viel mehr als eine Note oder eine Bewertung. Es bedeutet, dass es mir in den letzten Tagen gut genug, sogar sehr gut, ging. Es ist für mich ein Zeichen, dass das, was man sich sehnlichst erhofft und wofür man betet, einem geschenkt wird, sogar im Überfluss.

Viele fragen mich, warum ich mir das in meinem gesundheitlichen Zustand überhaupt noch antue.

Ja, das Studium war nicht einfach. Es ist für mich aber wichtig, Ziele und Wünsche zu haben und, wenn sie wirklich in Erfüllung gehen, es in aller Dankbarkeit zu genießen.

23. 9. 2024: Magdaléna Tschmucks Freude und Dankbarkeit

Vor dir stehe ich in großer Freude und in Dankbarkeit. Ich habe meine Sendungsfeier am 18. September sehr intensiv erlebt und bin immer noch im „Schwebemodus“. Diesen Tag erleben zu dürfen, war mein sehnlichster Wunsch, der in Erfüllung gegangen ist.

Mein größter Dank gilt dem lieben Gott. Ohne seine Hilfe wäre es nicht möglich gewesen. Im Steckbrief habe ich über meine Berufungsgeschichte geschrieben, dass ich als ehemalige Künstleragentin endlich für „Jesus, den größten Künstler“ arbeiten darf.

3. 12. 2024: Die Taufpatin

Seit Sonntag bin ich Taufpatin von diesem jungen Christen namens Florian. Als er nach seiner ausführlichen und sehr gewissenhaften Vorbereitung bei mir angefragt hat, war ich erst etwas überrascht, da wir uns kaum kennen. Dann hat er mir erzählt, dass er meine Beiträge der letzten Jahre mitverfolgt hat. Er meinte, dass es für ihn eine große Inspiration im Glauben war und ist, wie ich mit meiner gesundheitlichen Situation umgehe. Da wusste ich sofort, dass ich zusagen werde.

28. 12. 2024: Rückblick auf das Jahr 2024

Mein Rückblick auf das Jahr 2024. Mein Gefühl dazu kann ich mit diesen drei Wörtern ausdrücken: Dankbarkeit, Leichtigkeit, Hoffnung.

Rückblick auf 2024

28. 2. 2025: „Niemals die Hoffnung aufgeben“

Niemals die Hoffnung aufgeben, auch wenn es manchmal schwerfällt. Wie geht es mit mir weiter und wie geht es mir eigentlich?

Am Freitag, den 21. 2. hatte ich die dritte Biopsie am dritten Organ innerhalb von 2 Wochen. Der Tumor und die Metastasen sind leider sehr schnell gewachsen und sie sind trotz der Therapie innerhalb von zwei Monaten und ohne Vorwarnung entstanden. Ich komme mir wie eine Top-Managerin vor. Ich hänge derzeit zwischen zwei Krankenhäusern und sieben Abteilungen. Ich muss die ganze Reihe an Untersuchungen, Biopsien, Befunden und Therapien organisieren. Die Geduld ist gefragt. Die Chirurgin meinte zuletzt zu mir, dass die weiteren Tumore (derzeit) inoperabel sind. Zusätzlich hat sie mir gesagt, dass ich ein besonderer Pechvogel bin.

20. 3. 2025: Der Körper und die Krankheit

Trotz Krankheit möchte sie singen, arbeiten und Freude ausstrahlen. ©Magdaléna Tschmuck / Facebook

Wie darf eine krebskranke Frau in meinem Zustand aussehen?

Darf sie schön sein? Darf sie singen (können)?

Darf sie Freude ausstrahlen? Oder glaubt man ihr dann ihre Krankheit nicht?

Ich befinde mich mitten in der radiologischen Gehirn-Bestrahlung. Ja, die Haare habe ich längst verloren und als Schutz in erster Linie gegen die Kälte verwende ich diverse Kopfbedeckungen. Nach der Gehirn-Not-OP im Februar habe ich einen Teil der Haare am Hinterkopf erneut verloren und werde meine Narbe (die ich ebenso wie die anderen Narben nicht zu zeigen brauche) in den folgenden Monaten vor der direkten Sonnenbestrahlung mit einer Kopfbedeckung schützen müssen. Ob diese neuen Haare, die von der Haarfarbe und Haarqualität her komplett anders sind – dunkel und wellig – die Bestrahlung und vor allem die neue Therapie überleben können, ist fraglich.

Wenn ich singe, wenn ich meinen Dienst ausüben und arbeiten darf und auch wenn ich „nur“ spazieren gehe, weiß nur meine engste Familie, wie viel Aufwand und Anstrengung dahintersteckt. Diese Dinge bereiten mir aber so viel Freude und geben mir so viel Kraft, dass ich sie nicht aufgeben werde, solange ich es kann. Obwohl es eine Momentaufnahme ist und bleibt.

10. 5. 2025: „Wie geht es dir wirklich?“

Wie geht es dir wirklich?

Diese Frage hörte ich in letzter Zeit allzu oft. Gibt es nach fast drei Jahren der Krebstherapie etwas Neues zu berichten? Gibt es etwas, außer aus ärztlicher Sicht ständiges Zittern und Hoffen, dass die wieder mal neue Therapie zumindest für eine gewisse Zeit wirken möge?

Ich versuche, es mit drei Punkten zu beantworten:

  • Aktuell geht es mir wirklich nicht gut. Ich habe seit fast einer Woche eine unerklärliche erhöhte Temperatur und massive Schwäche. In dieser kurzen Zeit habe ich vier Kilogramm abgenommen und bin einfach nur kraftlos.
  • Und ja, jetzt zittere ich auch, ob mein Körper die nächste Dosis der neuen Therapie, die ich bereits am Dienstag bekommen soll, zulässt …
  • Ich habe mir in der Zwischenzeit eine Zweitmeinung bei einem renommierten Experten in meinem Fachgebiet geholt. Mit der vollen Dosis der aktuellen Therapie weiterzumachen, schätzt er ebenso wie mein Team in der Klinik Favoriten als gute Entscheidung ein.

Ja, ich habe es nicht erwartet, dass mein Krebs erneut mutiert, und ja, ich habe ebenso niemals erwartet, dass ich nach diesem erneuten Progress Herde in der Größe von mehr als zehn Zentimetern in mehreren Organen habe.

Aber was soll ich machen? Ich liebe das Leben, ich liebe meine Familie, meine Berufung, die Menschen allgemein, die Musik, die Natur … Und solange ich liebe, lebe ich.

16. 5. 2025: Magdaléna Tschmuck dreht ein Musikvideo mit Pater Manuel Sandesh

Magdaléna Tschmuck bei den Dreharbeiten zu einem Musikvideo – trotz schwerer Krankheit ein Moment voller Dankbarkeit und Musik. ©Magdaléna Tschmuck / Facebook

Das Musikvideo ging gerade auf dem YouTube-Kanal von Pater Manuel Sandesh online. Ich bin so dankbar für dieses Stück, welches mich schon lange begleitet. An dem Tag des Drehs ging es mir dermaßen schlecht, dass ich zum ersten Mal überhaupt einen Termin kurzfristig absagen wollte.

Musikvideo: Still (Berge mich) Cover

27. 5. 2025: Einmal noch im Stephansdom kantorieren

Einmal noch im Stephansdom zu kantorieren, war mein Wunsch, und bei der Chrisammesse ist er in Erfüllung gegangen.

Danke an Hermann Platzer, der den Psalm 89 extra für mich komponiert hat, an Michal Kucharko, der mich gefragt hat und keinen Moment gezweifelt hat, dass ich es schaffe, an Konstantin Reymaier für die zuverlässige Begleitung an der Riesenorgel, an Andrea Lentner für die Unterstützung im Hintergrund.

19. 10. 2025: Magdaléna Tschmucks „dunkle Momente“

Es war nur wunderschön, die heutige Herbstsonne zu genießen und gestern bei der Vorabendmesse dabei sein zu dürfen. So lebe ich meine besonderen Wunder zwischen den dunklen Momenten. Ich bin dankbar, dass es nach der großen Not-OP wegen Darmverschlusses am 8. 9. 2025 und am Tag vor weiteren Untersuchungen möglich war.

Wie geht es weiter? Ich kenne die Antwort nicht. Der Krebs ist weiter fortgeschritten und obwohl mir die OP das Leben gerettet hat, ist er weiterhin inoperabel. Ich hoffe, dass die Therapie fortgesetzt wird.

7. 1. 2026: Möglichkeiten im Jetzt

Ich bin immer noch unendlich dankbar für diese Weihnachtswunder. Im Jetzt war vieles möglich, was schon lange nicht mehr möglich war:

Ich habe zu Hause mit meiner Familie gefeiert und in meiner ehemaligen Einsatzkirche. In der Slowakei, wo ich endlich auch das Grab meines Vaters besucht habe. Ich war im Stephansdom, im Kaffeehaus und im Restaurant. Sogar spazieren im Schlosspark Schönbrunn.

Das Jahr 2026 hat schon mehrere unerwartete Ereignisse gebracht, darunter eine Bewusstlosigkeit bei einem epileptischen Anfall am 2. 1., einen erneuten Haarausfall nach der Gehirnbestrahlung und andauernde Schlafstörungen.

11. 2. 2026: Welttag der Kranken

Heute, am „Welttag der Kranken“, haben mich erneut die Gedanken zum Bild „Hoffnung einer Frau“ begleitet, welches der Priester Klaus Honermann nach dem Evangelium von der blutflüssigen Frau (Mk 5,25–34) für mich gemalt hat. Ich habe es zu meiner Sendungsfeier zusammen mit dem Betrachtungstext geschenkt bekommen.

Letzte Woche, am 3. 2., als ich wie derzeit jede zweite Woche im Krankenhaus war, war es das Tagesevangelium. Das merkte ich erst später am Nachmittag. In einem Gespräch mit dem Krankenhausseelsorger Pater Márton habe ich darüber erzählt. Dann wurde ich noch am Vormittag von unserem Kardinal Pater Christoph (Anmerkung: Schönborn) etwas unerwartet angerufen und nach einem guten Gespräch habe ich seinen Segen bekommen. Danach habe ich das Evangelium gelesen. Und zu meiner großen Freude hat mich meine gute Freundin, die auch Pastoralassistentin ist, besucht, mir die heilige Kommunion gebracht und an der gleichen Stelle im Krankenbett, wo ich den Segen erhalten durfte, habe ich meine Skapuliere weiterschenken dürfen.

Wie hängt das alles zusammen? Für mich sehr. Ich bin schwer krank. Ich gehe diesen Weg, so gut ich kann, auch dank der unmittelbaren Nähe von Jesus, die ich wahrnehmen kann. Ja, es ist nicht immer so, aber auch solche Zusammenhänge, gute Tage und für mich bedeutende „Zufälle“ geben mir Kraft, wieder aufzustehen und weiterzugehen. Da bin ich sehr berührt und dankbar.

28. 2. 2026: Magdaléna Tschmucks Wunder

Ich lebe das Wunder. Auf dem ersten Foto von heute bin ich zum zweiten Mal in diesem Jahr mehr als 3.000 Schritte spazieren gewesen.

Hoffe auf den Herrn und sei stark. Psalm 27,14

21. 5. 2026: Magdaléna Tschmucks Treffen mit Kardinal Christoph Schönborn

Magdaléna Tschmuck und Kardinal Christoph Schönborn.
Ein besonderer Besuch mit Gebet, Krankensalbung und viel persönlicher Verbundenheit. ©Magdaléna Tschmuck/Facebook

Ich war krank und du hast mich besucht …

Ich bin so dankbar für diesen Besuch am Sonntag, den 17. Mai bei mir und meiner Familie zu Hause, für die Heilige Kommunion und für die Krankensalbung. Es war der Wunsch von Pater Christoph Kardinal Schönborn, den er mir bereits im Februar telefonisch mitgeteilt hat. Ich muss gestehen, dass ich es für nicht realistisch gehalten habe, da ich auch ein paar Mal ablehnen musste. Und dann doch: Es war möglich. Eine absolut besondere und geschenkte Zeit.

Ein ganz einfaches und unbeschreiblich schönes Treffen, bei dem keiner gemerkt hat, wie die Zeit vergeht …

Diesmal haben wir unser Gespräch noch vertiefen können und von ganz einfachen alltäglichen Sachen bis zu den tiefen theologischen Themen über Jesus und den Heiligen Geist gesprochen. Wir haben gebetet, gegessen und ganz viel gelacht. Danke, lieber Pater Christoph, für deine Freundschaft und dein offenes Herz!

1. 8. 2026: Magdaléna Tschmuck: „Ich bin austherapiert“

Magdaléna Tschmucks Worte über ihre letzten Tage: „Ich bin austherapiert“ – und möchte die verbleibende Zeit in Dankbarkeit leben.
Magdaléna Tschmuck schreibt über ihre letzten Tage: „Ich bin austherapiert“ – und möchte die verbleibende Zeit in Dankbarkeit leben. ©Magdaléna Tschmuck/Facebook

Es ist so unendlich schwer zu schreiben Ich bin „austherapiert“. Die Vermutungen der letzten Woche haben sich leider bestätigt. Nach den katastrophalen CT-Ergebnissen hat mir am Montag die Onkologin gesagt, dass mein Körper keine Therapie mehr vertragen würde. Er ist zu schwach und es ist zu gefährlich.

Also bin ich in der Zielgeraden, ...

trotzdem mit dem Gefühl, dass ich alles versucht habe. Es ist schwer zu verstehen. Ich vertraue aber, dass es trotz allem einen Sinn hat. Und ich glaube, dass ich das erhoffte und erbetete Wunder bereits lebe. Sonst wäre ich längst nicht mehr hier.

Was bleibt, ist JETZT und die Hoffnung, dass der liebe Gott mich noch paar Wochen hierlässt. Ich möchte sie in Dankbarkeit leben, bevor ich „gehimmelt“ werde. Ich danke euch für die Gebete über die ganze Zeit und bitte darum noch weiterhin in dieser letzten Phase. Im Gebet verbunden!

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