„Gibt es hier nur alte Menschen?“
Glaubenszeugnis
Cecilia Oxales kam im Rahmen des österreichisch-philippinischen Abkommens zur Anwerbung von Krankenpflegerinnen nach Wien.
Frau Oxales, Sie zogen 1980 nach Wien. Hatten Sie einen Kulturschock?
Ja, den hatte ich. Da waren zuerst einmal die sprachlichen Barrieren. Ich konnte kein Wort Deutsch. Wir waren damals eine Gruppe junger Krankenschwestern und in einem ‚Nursing Home‘ in Baumgarten untergebracht. Dort erhielten wir zwei Monate lang intensiv Deutschunterricht. Was uns am meisten schockiert hat: Wir sahen überhaupt keine jungen Menschen auf der Straße, nur alte Leute! ‚Gibt es hier keine Jungen?‘, fragten wir uns. Und es kam uns vor, als seien alle anderen blond und nur wir dunkel.
Hatten Sie Heimweh?
Freilich. Wir wären alle am liebsten wieder zurück auf die Philippinen gegangen, aber wir hatten einen Dreijahresvertrag..
Sie blieben also. Was hat Ihnen damals geholfen?
Wir haben als Gruppe den Gottesdienst auf Englisch besucht, damals bei einem indischen Priester. Dieser hat gesehen, dass wir mehrere junge Menschen aus den Philippinen waren, und hat sich bemüht, einen philippinischen Priester für uns zu organisieren. Als dieser 1985 nach Österreich kam, entstand eine kleine Gemeinschaft. Ich war von Anfang an dabei. Daraus ist dann die Philippinische Gottesdienstgemeinde (PGG) entstanden. Sie hat mir immer Heimat geboten. Dort fühle ich mich wohl. Ich war ja auch in meinem Beruf unter Menschen, in der Gemeinde bin ich es auch. Ich mag das sehr.
Sind Sie in einer katholischen Familie auf den Philippinen aufgewachsen?
Ja, das bin ich. Als ich klein war, mussten wir Kinder jeden Tag um 18:00 Uhr zu Hause sein. Dann haben wir gemeinsam den Rosenkranz gebetet. Und an jedem Samstag gab es in der Nachbarschaft eine Prozession mit einer Muttergottesstatue.
Arbeit in der Philippinischen Gemeinschaft
Seit vielen Jahren arbeiten Sie in der Philippinischen Gemeinde mit.
Als ich noch berufstätig war, hat mich Pater Ron Sandoval, unser Pfarrer, gefragt, ob ich mithelfen möchte. Heute bin ich zum Beispiel Leiterin der Liturgiegruppe. Ich bin zuständig für die verschiedenen Aktivitäten rund um Weihnachten und Ostern. Deswegen darf ich zu diesen Zeiten nie längere Zeit auf Urlaub fahren. (Lacht.) Außerdem kümmere ich mich um die Pilgerreisen.
Und wie bleiben Sie in Ihrem Alltag mit Gott in Verbindung?
Ich habe in der Früh ein Ritual: Ich lese das Evangelium und danke Gott, dass er mir das Leben geschenkt hat. Dann bete ich den Rosenkranz. So komme ich erst um 10 Uhr dazu zu frühstücken. (Lacht.) Ohne dieses Ritual kann ich von zu Hause nicht weggehen.
Haben Sie Ihren Tag auch so begonnen, als Sie noch im Krankenhaus waren?
Nein, früher war es zu schwer für mich. Ich musste um fünf Uhr aufstehen. Dann zwölf Stunden arbeiten. Am Abend bin ich oft mit dem Rosenkranz in der Hand eingeschlafen.
Gab es auch Krisen in Ihrem Leben, in denen Sie sich fern von Gott gefühlt haben? Oder umgekehrt: besonders nah?
Als mein Mann starb, war das eine große Krise für mich. Er war auf den Philippinen, ist krank geworden und nicht mehr zurückgekommen. Das war schlimm. Ich habe gebetet und es hat gedauert, bis Gott mir Antwort gegeben hat. Aber er hat mir dann geantwortet und war immer an meiner Seite. Ich habe das auch oft meinen Kollegen in der Arbeit gesagt, wenn sie Probleme hatte, zum Beispiel in ihrer Ehe: Bete zu Gott!
Planen Sie, bis zu Ihrem Lebensende in Österreich zu bleiben?
Meine Familie lebt hier! Ja, ich bleibe. Ich muss ja auch auf meine Enkel aufpassen.
Cecilia Oxales
Wohnort: Wien.
Lebensmotto: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.
Gott ist für mich: immer auf meiner Seite.
Sonntag bedeutet für mich: eine Pflicht, in die Kirche zu gehen.