Wie Netflix, nur besser
Hirtenhund
Wo ist am 1. März 2025 erstmals eine Frau Regierungschefin geworden? In den USA, China, Brasilien oder in Vatikanstadt? Wüssten Sie’s? Eine Kandidatin der Quizshow „Wer wird Millionär?“ tippte auf Brasilien – und schied aus. 32.000 Euro wären drin gewesen, hätte sie auf die richtige Antwort – den Vatikan – getippt. Dort ist nämlich die italienische Ordensfrau Raffaella Petrini Regierungschefin. „Die katholische Kirche ist weiter, als Sie denken“, kommentierte Moderator Günther Jauch süffisant. Wieder was gelernt, oder? Sollten Sie erwägen, sich ebenfalls in Jauchs Quiz oder die österreichische Variante – die „Millionenshow“ – zu begeben, lege ich Ihnen nahe: Interessieren Sie sich für die Kirche – und bleiben Sie vielleicht sogar Mitglied.
Die katholische Kirche und Netflix
Rund 67.000 Menschen in Österreich haben sich im letzten Jahr freiwillig aus der Kirche rausgevotet. Sagen die jüngsten Statistik-Daten. In den medialen Kommentaren wurde das mit nachlassender Kirchenbindung, mit Frust über „die Kirche“ und vor allem mit dem Kirchenbeitrag begründet. Denn dieser stieg laut jüngsten Statistik-Daten im gleichen Zeitraum von 540 Millionen vor zwei Jahren auf 552 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Hört sich nach einem großen Haufen Geld an. Doch stimmt der Befund? Rechnet man den geleisteten Kirchenbeitrag auf die immer noch stattliche Zahl von 4,48 Millionen Katholiken im Land um, hat jeder und jede im Durchschnitt 122 Euro an Beitrag entrichtet. Das entspricht ziemlich exakt dem, was ein Netflix-Jahresabo kostet – und darüber jault meines Wissens niemand. Und: Ein Netflix-Abo dient weder der Allgemeinheit noch dem Erhalt von Kulturgütern oder Bildungseinrichtungen, es betreibt keine Hilfsstellen für Menschen in prekären Lebenssituationen, es zahlt keine Gehälter für die rund 123.000 im kirchlichen Dienst Stehenden, es schafft auch keine gesamtgesellschaftliche Wertschöpfung von 6,65 Milliarden Euro. Kirche macht all das. Und noch viel mehr. Vielleicht ist das Kirchenprogramm im Vergleich zu Netflix-Serien ein bissi fad. Es explodiert eher weniger, aber zumindest in puncto Mystery müssten wir doch eigentlich mithalten können …
Kirchenbeitrag als gutes Investment
Wo befindet sich die „Kammer der Tränen“? Auch so eine Quizfrage, über die vor wenigen Wochen eine Kandidatin bei Jauch gestolpert ist. Das Publikum votierte stark für Venedig. Und die Kandidatin fiel auf 500 Euro zurück. Hätte sie die 122 Euro Kirchenbeitrag eingerechnet und sich ein wenig mehr für Kirche interessiert – sie hätte mit 32.000 Euro nach Hause gehen können – und dem guten Gefühl, mit ihrem Kirchenbeitrag ein richtig gutes Investment getätigt zu haben.