Wohin fließt Ihr Kirchenbeitrag wirklich?

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 9
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund "bellt" über den Kirchenbeitrag.

Es sind ziemlich viele Nullen: 670.000.000 Euro, das ist eine ordentliche Stange Geld. So hoch in etwa ist das Budget, über das die katholische Kirche in Österreich pro Jahr verfügt. 500 Millionen davon kommen aus dem Kirchenbeitrag. „Boah, die sind aber reich!“, könnten Sie jetzt empört rufen. Während wir unter der Teuerung leiden, stecken sich die Bischöfe unser Geld in die Tasche! So einfach ist es dann doch nicht. Denn zum einen sind Bischöfe keine feudalen Lehnsherren (mehr), die freihändig über unsere Beiträge verfügen, sondern sie sind Dienstherren, Arbeitgeber und somit dem Finanzamt und den Rechnungsprüfern nicht minder Rechenschaft schuldig als ihrem eigenen obersten himmlischen Dienst­herren. Und: Nahezu jeder Euro davon fließt zurück in Form von Gehältern, Bau- und Erhaltungsmaßnahmen und sozialen wie seelsorglichen Diensten. 

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Dabei ist das Thema Kirchenbeitrag ein Aufregerthema der ersten Stunde. Schon vor 60 Jahren verteidigte der Linzer Finanzdirektor Anton Peham in der „Furche“ den Kirchenbeitrag mit allerlei Gegenrechnungen – also wie viel Schilling jeder Österreicher an Sondersteuern für Tabak oder Mineralöl etc. ausgebe. Das Argument mündete schließlich in jene Spitzenaussage, die keinerlei Kritik oder Einspruch mehr zuließ: „Insgesamt gibt der Österreicher im Durchschnitt dreiundzwanzigmal soviel für alkoholische Getränke aus, als sein Kirchenbeitrag ausmacht.“ Und so hat vor einigen Jahren eine Studie von IHS und Joanneum Research das Ganze erhoben und festgehalten, dass die katholische Kirche einen errechneten wirtschaftlichen Nutzen von 8,49 Milliarden Euro pro Jahr bringt. Jeder 42. Euro wird im Umfeld von kirchlichen Leistungen erwirtschaftet, jeder 27. Arbeitsplatz in Österreich steht im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten, so die damalige Studie.

Aber: Der Kirche laufen die Schäfchen davon. Und das bleibt inzwischen auch nicht ohne finanzielle Folgen. Die fetten Jahre sind vorbei. Es muss gespart werden. Keine Dienststelle, kein Angebot, das davon unbehelligt bleibt. Was das für den SONNTAG oder auch „radio klassik Stephansdom“ bedeutet, berichte ich ein anderes Mal. Wichtig ist mir an der Stelle nur der Hinweis: Ihr Kirchenbeitrag ist gut angelegt – in Menschen, die sich um Menschen sorgen. Der Staat weiß das und hat in dieser Woche daher auch den steuerlichen Absetzbetrag des Kirchenbeitrags von bislang 400 auf 600 Euro pro Jahr erhöht. Apropos Zahlen: In Wien zahlen Sie laut den Online-Kirchenbeitragsrechnern den niedrigsten Beitrag. Aber sagen Sie’s nicht den Verwandten in anderen Diözesen!  

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