In God We Trust

Meinung
Ausgabe Nr. 27
  • Meinung
Autor:
Anna Geringer (18) studiert Publizistik an der Universität Wien. Sie absolviert derzeit ein Praktikum in der Redaktion des SONNTAG.
Anna-Theresa Geringer (19) ©Privat

Anna-Theresa Geringer (19), Publizistikstudentin und Praktikantin beim SONNTAG, schreibt über den 4. Juli, die Unabhängigkeitserklärung, das 250. Jubiläum der USA und ihren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten.

Feuerwerke erleuchten den Nachthimmel, Menschenmassen stehen mit kleinen US-Flaggen auf der Straße, aus Lautsprechern erklingen patriotische Lieder. In einer historischen Inszenierung verlesen Schauspieler die Unabhängigkeitserklärung von 1776. Die Szene wirkt zunächst wie aus der Zeit der Gründerväter, ist aber bis heute Realität: Jedes Jahr feiern Millionen Amerikaner am 4. Juli ihren Independence Day.

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250 Jahre Unabhängigkeitserklärung

Der Feiertag soll an die Loslösung von Großbritannien erinnern und steht für Freiheit, Gleichheit und das Streben nach Glück. Doch mehr als 250 Jahre später stellen sich einige die Frage: Gelten diese Gründungsideale wirklich für alle? Die verkündeten Rechte galten ursprünglich nur für weiße Männer. Frauen, Afroamerikaner und indigene Völker wurden davon ausgeschlossen. Heute noch sehen manche die Versprechen von Freiheit und Gleichheit als nicht vollständig erfüllt. 

Aufenthalt in den USA

Während meines Aufenthalts in den USA dieses Jahres fiel mir auf, wie prominent der Nationalstolz im Alltag ist. Zwei Monate vor dem 4. Juli waren die Geschäfte schon voller Flaggen, Dekoration und Kleidung in den nur allzu bekannten Farben: Rot, Weiß und Blau. Somit war mir klar, dass der Feiertag nicht nur ein historisches Ereignis ist, sondern auch ein Zeichen des Patriotismus, der viele Menschen verbindet.

Feier der Unabhängigkeitserklärung und der Stellenwert des Glaubens

Eng damit verbunden ist der Stellenwert des Glaubens. Auf Geldscheinen steht „In God We Trust“, Politiker beziehen sich regelmäßig auf Gott und so scheint der Glaube ein wichtiger Bestandteil nationaler Identität zu sein. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, wie stark diese religiösen Werte tatsächlich das Handeln dieser Gesellschaft prägen. Wenn nämlich Nächstenliebe und Gleichheit zentrale Grundsätze unseres christlichen Glaubens sind, warum sind die politischen und gesellschaftlichen Konflikte in den USA so tief? 

Schließlich kann ich für mich sagen, dass der 4. Juli zwei Seiten der USA zeigt. Einerseits steht er für die Gründung einer großen Nation, die auf Freiheit und Demokratie basiert. Anderseits macht dieser Tag deutlich, dass diese Ideale bis heute nicht für alle Menschen gleichermaßen verwirklicht sind.

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Autor:
  • Anna Geringer
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