Ein Löwe aus Österreich

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 18
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt über die Handreichung der katholischen Kirche in Deutschland zur Segensfeier von gleichgeschlechtlichen Paaren.

Die katholische Kirche in Deutschland ist so etwas wie das Sorgenkind unter den europäischen katholischen Kirchen. Trotz aller Austrittswellen weiterhin personell wie finanziell potent – und doch oder vielleicht gerade deshalb etwas ungeschickt im Auftreten. Mit preußischer Korrektheit wird exerziert, was anderswo unter dem Schlagwort „Österreichische Lösung“ einfach weggeatmet wird. 

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Handreichung für Segensfeier

Worum geht’s? Der in jeder Hinsicht platzgreifende Münchener Kardinal Reinhard Marx hatte verlautbaren lassen, dass er seinen Seelsorgern klare Regeln für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare gegeben hat. (Siehe Seite 6.) Grundlage für Marx’ Schritt war eine Handreichung mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft – Segnungen für Paare, die sich lieben“. Das gemeinsam von Bischofskonferenz und Katholiken-Komitee ZdK vorgelegte Papier bezog sich auf das vatikanische Schreiben „Fiducia supplicans“, mit dem diese Segensfeiern ermöglicht wurden – aber, wir erinnern uns, ohne „rituelle Form“ und von höchstens 10 bis 15 Sekunden Dauer. 

Ein bisschen Segensfeier - quasi eine österreichische Lösung

Die deutsche Handreichung schlummerte nun im bewährt katholischen Halbdunkel und wurde – vermutlich – bereits angewendet, bis nun der Münchner Marxist deutsche Präzisionsnägel mit Köpfen machen wollte und das Ganze in formalere Kanäle einspeiste. Da war Ärger absehbar – und prompt antwortete Papst Leo XIV. auf eine Journalistinnenfrage: Förmlichen Segensfeiern könne man nicht zustimmen; sie seien nur erlaubt im Rahmen der von Franziskus eröffneten Form. Ein Nein mit einem „Ok, ein bisserl“ quasi. Für deutsche Ohren mag diese Antwort denkbar unbefriedigend sein. Für hiesige Ohrwascheln hingegen klingt das nach Musik, nach österreichischer Lösung im Dreivierteltakt. 

Unverhältnismäßigkeit der Aufregung

Was mich tatsächlich ärgert wie ein juckender Floh im Pelz, ist die Unverhältnismäßigkeit der Aufregung, die diese Causa mit sich bringt: Es geht um eine Frage, die vergleichsweise wenig Menschen im religiösen Alltag betrifft. Und mehr noch ärgert mich, dass die ganze Aufregung nicht zu mehr „Mitte“ in der Kirche führt, sondern Wasser auf die Mühlen der sprungbereiten Kulturkampf-Christen ist, die mit dem Schmähwort von einer „Kirche unter dem Regenbogen“ gleich eine Kulturrevolution sehen und zur Reconquista aufrufen. Gottlob haben wir aber einen Löwen aus Österreich an der Spitze, der genau dies wohl ahnte und kalmierend zu Protokoll gab: „Meiner Meinung nach gibt es weitaus größere und wichtigere Themen wie Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, die Freiheit von Männern und Frauen sowie Religionsfreiheit, die alle Priorität vor diesem speziellen Thema hätten.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Gut gebrüllt, Löwe!

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