Die Katholiken unter den „Protestanten“

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 17
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt diese Woche über den Verein ZARA und die Einsparungen der Bundesregierung und die Katholiken unter den "Protestanten".

Das Land muss sparen. Und es tut dies nicht unbedingt mit Pfotenspitzengefühl. Klimaschutz, Familien- und Sozialleistungen, Förderungen. Alles kommt auf den Prüfstand, um mehrere Milliarden einzusparen. Darunter auch Förderungen für den Verein ZARA, einer Anlaufstelle für Betroffene von Rassismus sowie von Hass im Netz. Seit 2018 wird der Verein vom Bund mitfinanziert. Jetzt soll Schluss sein. Anfang April teilte ÖVP-Ministerin Claudia Bauer mit, dass die Förderungen gestrichen wurden. 

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Große Empörung

Die Empörung war und ist groß: Rund 50.000 Menschen haben bereits unter „mein.aufstehen.at“ eine Petition unterschrieben. Inzwischen will SP-Vizekanzler Babler ZARA höchstpersönlich retten. Die erklärte Sparmaßnahme wird so – wieder mal – zu einer österreichisch-koalitionären Lokalposse, bei der im wahrsten Sinne Kleingeld gewechselt wird.

Viele Katholiken unter den "Protestanten"

Unter den „Protestanten“ waren und sind auch viele Katholiken. So kritisierte die Katholische Aktion die Einsparungen als „fatales Zeichen“, dass sich der Staat nicht um Opfer von Gewalt und Hass im Netz schert. Dort gehört der Protest auch hin – in das organisierte Laienapostolat. Nun aber scheint mir der gute Wille ein wenig außer Kontrolle geraten zu sein: denn in einer Rundmail der Erzdiözese kursiert aktuell ein Aufruf, einen vom Theologen Ernst Fürlinger verfassten Protestbrief von „Religions For Future Vienna“ gegen das ZARA-Aus zu unterzeichnen – und gleich auch den 24. April für die nächste „Fridays For Future“-Demo im Kalender zu notieren. Nachsatz: „Demoschilder bitte beim Dommuseum abholen.“

Katholisch gekapert

Bitte mich nicht falsch zu verstehen: Wer sich engagieren will – und das aus guten Gründen – möge dies tun über die bewährten Wege. Sei es über Online-Petitionen, sei es über Demos. Doch dies auf Ebene der Dienststellenleitung weiterzureichen ist ein erstaunlicher Vorgang, bedenkt man die ansonsten sehr überschaubare interne Kommunikation der Erzdiözese. Zudem frage ich mich: Wie sollte die Unterschrift auf dem Brief denn dann aussehen? Soll sie mit erzdiözesanem Siegel versehen und „Religions For Future“ damit katholisch gekapert werden? Nochmal: Ich bin dafür, ZARA weiterzuführen. Weil das Ausmaß gerade von Gewalt und Mobbing im Netz massiv ansteigt; weil ein solches Service auf Vereinsbasis und kofinanziert über mehrere Töpfe weitaus günstiger kommt, als es dies wäre, wenn der Bund das selber anbieten würde (und eigentlich müsste). Und schließlich: weil es um vergleichsweise läppische 330.000 Euro geht. Damit saniert man kein Budget. Aber man sollte mehr Pfotenspitzengefühl entwickeln, in welchen Kanälen man was kommuniziert und wo der richtige Ort für den Protest ist.

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