Der Geist ist es, der lebendig macht
Meinung
Wenn die Kirche in diesen Tagen Pfingsten feiert, ruft sie in besonderer Weise den Heiligen Geist herab. Das ist nicht nur eine liturgische Tradition, sondern existenziell notwendig, denn „der Geist ist es, der lebendig macht“ (Joh 6,63). Ohne den Heiligen Geist geht nichts.
Der Heilige Geist in der Urkirche
Das hat bereits die Urkirche erfahren. Erst als sich der Heilige Geist auf eine neue und überraschende Weise über die ersten Christen ausgoss, begann das dynamische Wachstum der Kirche. Durch die Gaben des Heiligen Geistes (Jes 11,2f.), seine Charismen (1 Kor 12,4f.) und Früchte (Gal 5,22f.) wurden die ersten Christen befähigt, von der Lebendigkeit und Herrlichkeit Jesu Zeugnis zu geben.
Die Kraft des Heiligen Geistes
Sie haben dieselbe Salbung empfangen, die auf Christus (= dem Gesalbten) ruht, und wurden so selbst zu „Christen“ (= Gesalbten). Ein „Christ“ ist also jemand, der vom Geist Gottes gesalbt und durchdrungen ist. Die Kraft und Vollmacht des Heiligen Geistes hat die Christenheit zum Leben erweckt und die Kirche geboren. Wo jedoch der Heilige Geist aus dem Blick gerät, verliert die Kirche an Lebendigkeit. Die Gefahr, dass er im Laufe der Zeit – und im Rest des Kirchenjahres – in Vergessenheit gerät, ist groß.
Hin-Hören auf den Heiligen Geist
Denn sein Wehen ist nicht immer wie ein „Brausen“ oder ein „heftiger Sturm“ (Apg 2,2), sondern auch wie ein „sanftes, leises Säuseln“ (1 Kön 19,11), das leicht überhört werden kann. Wenn man ihn überhört, mag es zwar viel Aktionismus geben, aber wenig Fruchtbarkeit. Nachhaltige Fruchtbarkeit hingegen braucht ein achtsames Hin-Hören auf den Heiligen Geist. In diesem Sinne ist Pfingsten wie eine „Hörschule“ – ein Einüben darin, zu hören, „was der Geist den Gemeinden sagt“ (Offb 2,7). Prophetisches Hören ermöglicht prophetisches Vorangehen. Wenn die Kirche prophetisch hört und vorangeht, kann sie Licht für die Völker sein und Hoffnung schenken – nicht nur am Pfingstfest, sondern fortwährend. Dann ist Pfingsten kein bloß erinnertes Ereignis der Vergangenheit, sondern ein bleibender Lebensquell, der die Kirche und Christenheit immer wieder erneuert und belebt.
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Zur Person
Justin Arickal (40) ist Theologe und Ökonom sowie Research Fellow an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.