Der Geist ist es, der lebendig macht

Meinung
Ausgabe Nr. 21
  • Meinung
Autor:
Justin Arickal (40) ist Theologe und Ökonom sowie Research Fellow an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.
Justin Arickal (40) ist Theologe und Ökonom sowie Research Fellow an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. ©Universität Wien

Justin Arickal (40), Theologe und Ökonom sowie Research Fellow an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, über den Heiligen Geist und Pfingsten.

Wenn die Kirche in diesen Tagen Pfingsten feiert, ruft sie in besonderer Weise den Heiligen Geist herab. Das ist nicht nur eine liturgische Tradition, sondern existenziell notwendig, denn „der Geist ist es, der lebendig macht“ (Joh 6,63). Ohne den Heiligen Geist geht nichts.

Werbung

Der Heilige Geist in der Urkirche

Das hat bereits die Urkirche erfahren. Erst als sich der Heilige Geist auf eine neue und überraschende Weise über die ersten Christen ausgoss, begann das dynamische Wachstum der Kirche. Durch die Gaben des Heiligen Geistes (Jes 11,2f.), seine Charismen (1 Kor 12,4f.) und Früchte (Gal 5,22f.) wurden die ersten Christen befähigt, von der Lebendigkeit und Herrlichkeit Jesu Zeugnis zu geben. 

Die Kraft des Heiligen Geistes

Sie haben dieselbe Salbung empfangen, die auf Christus (= dem Gesalbten) ruht, und wurden so selbst zu „Christen“ (= Gesalbten). Ein „Christ“ ist also jemand, der vom Geist Gottes gesalbt und durchdrungen ist. Die Kraft und Vollmacht des Heiligen Geistes hat die Christenheit zum Leben erweckt und die Kirche geboren. Wo jedoch der Heilige Geist aus dem Blick gerät, verliert die Kirche an Lebendigkeit. Die Gefahr, dass er im Laufe der Zeit – und im Rest des Kirchenjahres – in Vergessenheit gerät, ist groß. 

Hin-Hören auf den Heiligen Geist

Denn sein Wehen ist nicht immer wie ein „Brausen“ oder ein „heftiger Sturm“ (Apg 2,2), sondern auch wie ein „sanftes, leises Säuseln“ (1 Kön 19,11), das leicht überhört werden kann. Wenn man ihn überhört, mag es zwar viel Aktionismus geben, aber wenig Fruchtbarkeit. Nachhaltige Fruchtbarkeit hingegen braucht ein achtsames Hin-Hören auf den Heiligen Geist. In diesem Sinne ist Pfingsten wie eine „Hörschule“ – ein Einüben darin, zu hören, „was der Geist den Gemeinden sagt“ (Offb 2,7). Prophetisches Hören ermöglicht prophetisches Vorangehen. Wenn die Kirche prophetisch hört und vorangeht, kann sie Licht für die Völker sein und Hoffnung schenken – nicht nur am Pfingstfest, sondern fortwährend. Dann ist Pfingsten kein bloß erinnertes Ereignis der Vergangenheit, sondern ein bleibender Lebensquell, der die Kirche und Christenheit immer wieder erneuert und belebt. 

Der Kommentar drückt seine persönliche Meinung aus!

Autor:
  • Justin Arickal
Werbung

Neueste Beiträge

| Wien und Niederösterreich
Himmel & Erde

In unserem neuen Pfingst-Magazin haben wir uns die Vielfalt innerhalb der katholischen Kirche in Wien näher angeschaut und stellen Ihnen einige der vielen Anderssprachigen Gemeinden der Erzdiözese Wien vor.

| Meinung
Kommentar

Wien war immer ein Melting Pot – ein Schmelztiegel – vieler Kulturen und Völker. Jeder fünfte Katholik in der Hauptstadt ist Ausländer oder ausländischer Herkunft. Das Referat für anderssprachige Gemeinden kümmert sich mit großer Freude um die Menschen aus aller Herren Länder.

| Wien und Niederösterreich
Spanischsprachige Gemeinde

Grauer Brutalismus außen, lebendige Gemeinschaft innen: In Wiens spanischsprachiger Pfarre Maria Namen wird gebetet, gebastelt und gefeiert. Warum Sprache hier Heimat schafft und Kirche Familie ist, erzählen die zwei Gemeindemitglieder Ana und Sandra sowie Padre Jesús David Jaén Villalobos.