Wir sind eine große Familie

Spanischsprachige Gemeinde
Ausgabe Nr. 2
  • Wien und Niederösterreich
Autor:
Kinder beim Maria Gardalupe-Fest im Wiener Stephansdom.
Kinder beim Maria Gardalupe-Fest im Wiener Stephansdom. ©Ana Brolo-Laengauer
Eine Hochzeit in der Pfarre Maria Namen.
Eine Hochzeit in der Pfarre Maria Namen. ©Ana Brolo-Laengauer
Der Marienmonat Mai wird in der spanischsprachigen Gemeinde Maria Namen besonders gefeiert.
Der Marienmonat Mai wird in der spanischsprachigen Gemeinde Maria Namen besonders gefeiert. ©Ana Brolo-Laengauer
Die spanischsprechenden Gemeinden Wiens treffen sich beim „Sonntag der Völker“ im Stephansdom.
Die spanischsprechenden Gemeinden Wiens treffen sich beim „Sonntag der Völker“ im Stephansdom. ©Ana Brolo-Laengauer
Pfarrer Jesús und seine Gemeinde mit Weihbischof Franz Scharl beim Sonntag der Völker.
Pfarrer Jesús und seine Gemeinde mit Weihbischof Franz Scharl beim Sonntag der Völker. ©Ana Brolo-Laengauer

Grauer Brutalismus außen, lebendige Gemeinschaft innen: In Wiens spanischsprachiger Pfarre Maria Namen wird gebetet, gebastelt und gefeiert. Warum Sprache hier Heimat schafft und Kirche Familie ist, erzählen die zwei Gemeindemitglieder Ana und Sandra sowie Padre Jesús David Jaén Villalobos.

Die Kirche der Pfarre Maria Namen macht von außen nicht viel her. Sie ist ein grauer Bau im Stil des Brutalismus. Innen kann man aber durch die schönen Buntglasfenster sehen. Ich treffe Ana und Sandra jedoch im Gemeinschaftssaal der Pfarre. Die beiden Frauen haben für das Interview schon Kekse, Kaffee und Tee hergerichtet. Als Padre Jesús David Jaén Villalobos zu uns kommt, beginnt das Interview.

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Katechese für Kinder und Erwachsene in der Spanischsprachige Gemeinde

Ana stammt ursprünglich aus Guatemala und lebt seit 20 Jahren in Wien. Teil der Pfarrgemeinde ist sie seit zwölf oder dreizehn Jahren. Ana ist nicht nur im Pfarrgemeinderat (PGR) sondern auch im Vermögensverwaltungsrat (VVR) tätig. Am meisten macht ihr aber das Lehren in der Sonntagsschule, der sogenannten „Escuelita Dominican“ Spaß. Dabei betreuen vier Katechetinnen die Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren. Es wird gebastelt, gesungen und bei schönem Wetter im Pfarrhof gespielt. Die Kinder gehen bis zur Erstkommunion in die Sonntagsschule, dann wechseln sie in die Jugendgruppe, in der auch die Vorbereitung für die Firmung geschieht.

„Wir lernen in vier verschiedenen Modulen über Marias Rolle in der Kirche.“

Sandra

Sandra ist von Venezuela nach Wien gekommen. Seit dreizehn Jahren ist sie bei der Pfarre Maria Namen. Sie arbeitet jeden Sonntag vor der Messe an einem Vorbereitungskurs, einer Katechese für Erwachsene mit. Fünf bis zehn Personen kommen zu der Vorbereitung zur „Hingabe an Jesus durch Maria“, die Sandra nach der Methode von Louis-Marie Grignion de Montfort – einem französischen Volksmissionar, Ordensgründer und Heiligen – lehrt. „Das ist sehr schön, denn wir lernen in vier verschiedenen Modulen über Marias Rolle in der Kirche und die Bedeutung von Sakramenten und den Heiligen Geist“, erzählt Sandra. Auf die Vorbereitung folgt im Mai eine große Messe.

20.000 Spanischsprechende in Wien

Zurzeit gibt es über 20.000 Spanischsprechende in Wien (von 44 Salvadoreños bis hin zu 4.500 Spaniern). Die Anzahl der Migranten mit spanischsprachigem Hintergrund variiert laut Informationen der Botschaften stark, schreibt die spanischsprachige Gemeinde „Santa María“ auf ihrer Website. Sie ist eine von vier spanischsprachigen Pfarrgemeinden in Wien (siehe Infokasten unten).

Spanischsprachige Gemeinde: In der Gemeinschaft feiern

Die erste von vier spanischsprachigen Pfarrgemeinden in Wien wurde von Pater Gutierrez in den 1960er-Jahren gegründet. Das erste Gotteshaus war die Kapelle der La-Salle-Schwestern am Rennweg in Wien-Landstraße. Zum sonntäglichen Gottesdienst in der Pfarre Maria Namen kommen im Schnitt 80 Leute. Die Pfarre Maria Namen ist ursprünglich als deutschsprachige Gemeinde im Jahr 1933 gegründet worden, erzählt uns Jesús Villalobos. Heute wird das Gotteshaus in der Hasnerstraße von einer deutschsprachigen, der spanischsprachigen und einer polnischsprachigen Kirchengemeinde gemeinsam genutzt. Die drei Kirchengemeinden verstünden sich gut und würden auch gemeinsame Feste, wie Geburtstage, feiern. „Wenn jemand aus unserer Gemeinschaft sagt, dass er seinen Geburtstag gerne in der Pfarrgemeinde feiern möchte, weil seine Familie 10.000 Kilometer entfernt lebt, dann feiern wir gerne mit ihm“, erzählt Pfarrer Jesús und Ana ergänzt: „So sind wir zu einer Familie zusammengewachsen. Über zwanzig Jahre sehen wir uns jeden Sonntag.“ „Ich habe zum Beispiel meinen 50. Geburtstag mit der Pfarrgemeinde gefeiert“, erinnert sich Sandra.

„Es sind alle willkommen“

Genau das schätzt Sandra an der Kirchengemeinde: „Es sind alle willkommen.“ „Wir bieten verschiedene Möglichkeiten für Kinder, für Jugendliche und Erwachsene an. Unsere Pfarre ist auch immer offen für alle. Das ist uns wichtig“, ergänzt Pfarrer Jesús Villalobos. „Ja. Wir sind eine große Familie“, sagt Ana. Das habe alles sehr klein begonnen und mittlerweile gibt es in der Pfarrgemeinde auch einen Chor, der sich regelmäßig trifft. Aber auch Spendenaktionen veranstaltet die Pfarrgemeinde. So gibt es jedes Jahr im Oktober ein Benefizkonzert zu Gunsten von „Opus Christi – Salvatoris Mundi“.

„Die Sprache ist wichtig“

Besonders die spanischen Messen geben vielen Menschen mit lateinamerikanischen oder spanischen Wurzeln in Wien das Gefühl von Heimat. So erzählt Sandra: „Die Sprache ist wichtig. Oft verlernen unsere Kinder Spanisch, weil sie kaum noch Kontakt mit der Sprache haben, denn auch in der Schule sollen sie Deutsch sprechen. Manchmal wollen sie gar nicht mehr Spanisch sprechen. Das ist schade, denn die Sprache ist eine Verbindung. Es ist immer noch ein Stück Heimat.“ „Ich sage immer, die Sonntagsschule ist auch eine Spanischschule“, sagt Ana und lacht.

„Ich sage immer, die Sonntagsschule ist auch eine Spanischschule“

Ana

„Mein Kind liebt Spanisch, aber der Papa ist aus Österreich und so hatte sie immer einen österreichischen Akzent gehabt. Aber jetzt spricht sie Spanisch richtig gut. Und sie liebt die Kirche!“ Die Pfarrgemeinde setzt sich dabei aus Mitgliedern fast aller spanischsprachigen Nationen zusammen: Venezuela, Kolumbien, Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Bolivien, Chile, Peru, Mexiko, Ecuador, Spanien, Argentinien, Uruguay; aber auch aus Brasilien und den USA stammen manche. Jährlich feiern alle vier spanischsprachigen Kirchengemeinden in Wien das Fest zum Gedenktag der Jungfrau von Guadalupe gemeinsam im Stephansdom. Der Guadalupe-Tag hat in Wien eine bereits mehr als 40-jährige Tradition. Bisher war der Gottesdienst meist in der Votivkirche.

Die Vielfalt der Spanischsprachigen Gemeinde

Diese Vielfalt ist eine große Bereicherung, kann aber auch eine kleine Herausforderung darstellen, erzählt Padre Jesús, der selbst aus dem spanischen Andalusien stammt: „Wir wissen die Anzahl der Pfarrgemeindemitglieder für das nächste Jahr oft bis Oktober nicht, da es immer ein Kommen und Gehen gibt. Das macht es schwer, zu planen.“ Eine große Herausforderung habe man aber bereits geschafft: Der Umbau der Kirche und des Pfarrgebäudes wurde 2024 gemeistert. Die Räume sind nun bereit für die wachsende Pfarrgemeinde.

Autor:
  • Cornelia Grotte
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