Die große Welt in der Wiener Kirche

Kommentar
Ausgabe Nr. 2
  • Meinung
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Wiener Kirche: Wir pilgern in eine Zukunft von katholischer Kirche, in der final alle Sprachen, Kulturen, Völker und Nationen mehr als genug Platz finden können.
Wiener Kirche: Wir pilgern in eine Zukunft von katholischer Kirche, in der final alle Sprachen, Kulturen, Völker und Nationen mehr als genug Platz finden können. ©Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub

Wien war immer ein Melting Pot – ein Schmelztiegel – vieler Kulturen und Völker. Jeder fünfte Katholik in der Hauptstadt ist Ausländer oder ausländischer Herkunft. Das Referat für anderssprachige Gemeinden kümmert sich mit großer Freude um die Menschen aus aller Herren Länder.

Gewisse uns bekannte Welten haben sich während der Habsburger Monarchie eingefunden: die Welten der Tschechen, Ungarn, Slowenen, Italiener, Kroaten, Bosnier, Rumänen und so weiter. Bitte die Österreicher aus den verschiedenen Gegenden in Ost und West, Süd und Nord nicht zu vergessen, die sich angedockt haben beziehungsweise wurden.

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Ältere Herkünfte der Wiener Kirche

Die Wiener Kirche hat aber noch ältere Herkünfte aufzuweisen: zum Beispiel die Babenberger und den großen Einfluss der Mutterdiözese Passau. Und – wenn ich mich nicht irre – sind da noch zeitlich vor ihnen die missionierenden Salzburger (mit ihren iroschottischen Gründer-Bischöfen) zu nennen: in der Zeit der Karolinger. Wie sonst wäre es zu erklären, dass im 1. Wiener Bezirk eine Ruprechtskirche zu finden ist ebenso wie eine Virgil-Kapelle am jetzigen Stephansplatz. Wie es schließlich in der der Völkerwanderung vorausgehenden Römerzeit aussah, liegt meines Wissens ziemlich im Dunkeln. Der heilige Severin († 486), der wohl durchgezogen sein dürfte, war ebenfalls kein gebürtiger Wiener. Die ersten Daten von Christen stammen wohl aus dem 2. Jahrhundert (christliche Soldaten aus Mesopotamien).

Die Wiener Kirche heute

Sprung ins Jetzt: In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und am Beginn des 21. Jahrhunderts sind Kulturen aus Afrika, Asien, den Amerikas sukzessive dazugekommen. Die Weltkirche ist nicht nur über alle Welt verstreut, sondern sie sammelt sich vermehrt in Ortskirchen wie eben auch in Wien. Immer mehr große Welt residiert aktuell in Wien. Wir pilgern in eine Zukunft von katholischer Kirche, in der final alle Sprachen, Kulturen (inklusive Riten), Völker und Nationen mehr als genug Platz finden können. Das ist ur-katholische DNA von Kirche-Sein und Kirche-Werde (vergleiche Matthäus. 28,16–20) – selbstverständlich mit Herausforderungen!

Die Vielfalt der Wiener Kirche

Eine Inspiration für ökumenische Einheit in Vielfalt bietet mir das inzwischen schon gute Tradition gewordene gemeinsame Ostermontag- Singen der verschiedenen christlich-konfessionellen Gemeinden (inklusive Katholiken) – anfangs im Welt-Museum, jetzt schon etliche Jahre in der Pfarrkirche Canisius, Wien 9. Umfassendere Möglichkeiten zum Kennenlernen von meist katholischer Riten-diverser Einheit in Vielfalt bieten sowohl der Sonntag der Völker (eher europäisch orientiert) am letzten Sonntag im September als auch der Sonntag der Weltkirche/Weltmission (mehr außer-europäisch ausgerichtet) am vorletzten Sonntag im Oktober – jeweils im „Steffl“. Diese letztgenannten Möglichkeiten kennen zudem ein kulinarisches Finale mit Kulturakzenten.

Also auf zum gemeinsamen Pilgern in der Spur JESU – aus der Kraft des HEILIGEN GEISTES.

Euer 
Bruder +Franz

©Stephan Doleschal

Zur Person


Franz Scharl ist Weihbischof in der Erzdiözese Wien. Er ist für die anderssprachigen Gemeinden verantwortlich.

Autor:
  • Franz Scharl
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