Das „Schmecken“
Fünf Sinne
Die Biologie des Schmeckens spricht von sogenannten „Geschmacksknospen“ auf unserer Zunge. Es sind 2.000 bis 10.000 solcher Knospen, die sich alle zehn bis vierzehn Tage erneuern. Es gibt fünf Grundgeschmäcker: süß, sauer, salzig, bitter und „umami“ (herzhaft/fleischig). Diese Grundgeschmäcker werden auf der ganzen Zunge wahrgenommen. Es ist daher ein Mythos, dass die einzelnen Geschmäcker wie auf einer „Landkarte der Zunge“ unterschiedlich verteilt seien.
Schmecken als Schutz vor Giften
Am empfindlichsten reagieren wir auf „Bitterstoffe“, da sie evolutionär immer schon ein Schutz vor Giften waren. Aroma ist nicht gleich Geschmack. Rund 80 Prozent unseres Geschmackserlebnisses entstehen eigentlich durch den Geruchsinn beim Ausatmen während des Kauens. Auch „das Auge“ isst mit. Die Farben der Lebensmittel verändern nachweislich unsere Geschmackserwartung und damit das tatsächliche Geschmacksempfinden, das gilt auch für die Textur und die Temperatur der Speisen.
Geschmack im Fruchtwasser entwickelt
Wenn unsere Nase einmal müde geworden ist von der Aufnahme so vieler Gerüche und Düfte, dann sehnen wir uns vielleicht nur noch nach frischer Luft. Unseren Widerwille manchen Gerüchen gegenüber übertragen wir auch gerne auf solche Dinge, denen wir misstrauen, die wir ablehnen oder aber nur übertrieben empfinden, wie etwa das Eigenlob, das „stinkt“. Ja, manches stinkt sogar zum Himmel! Wir konfrontieren gerne jemanden mit etwas, was uns gar nicht gefällt und halten es ihm unter die Nase. Unser Geruchsinn ist wohl stammesgeschichtlich der Sinn, der am frühesten entwickelt wurde. Er ist geradezu geeignet, uns spontan an Altes zu erinnern, das wir vielleicht sonst vergessen hätten. Nicht umsonst ist die Aromatherapie in der Behandlung dementieller Erkrankungen sehr erfolgreich.
„Kostet und seht, wie gut der HERR ist!“
Psalm 34,9
Das Schmecken ist wie ein Muskel
Unser Geschmack ist wie ein Muskel, er lässt sich trainieren. Wer zum Beispiel regelmäßig frische, unverarbeitete Lebensmittel genießt, der verbessert seinen Geschmackssinn. Dieser ist stark mit Gefühlen verbunden und diente früher dazu, die Nahrung zu prüfen, und war damit überlebenswichtig. Dass der Geschmack auch starke Gefühle zum Ausdruck bringt, zeigt sich in geläufigen Alternativen, Redewendungen und umgangssprachlichen Ausdrücken wie: „Das schmeckt mir gar nicht! Das trifft meinen Geschmack überhaupt nicht! Das ist so gar nicht mein Geschmack, mein Ding. Davon bin ich kein großer Fan! Das geht gar nicht an mich ran! Daran muss ich mich erst gewöhnen! Das ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig.“
Geschmäcker sind verschieden
Sind wir noch etwas unsicher, so sagen wir wenigstens: „Das hat so ein gewisses ‚Geschmäckle‘. Finden wir etwas fade, so sagen wir gerne: „Das schmeckt ja wie eingeschlafene Füße!“ Oder: „Da rollen sich mir die Fußnägel hoch! Das passt mir überhaupt nicht! Das hat so einen bitteren Beigeschmack!“ So verschieden wir Menschen sind, so sind „auch die Geschmäcker sehr verschieden“. Auch andere Zeiten sollen immer andere Geschmäcker haben. Der deutsche Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing meinte: „Wer nur einen Geschmack hat, hat keinen Geschmack!“