Künstliche Intelligenz braucht Moral
Verantwortung in der digitalen Welt
Menschen dürfen der künstlichen Intelligenz die Moral nicht von außen vorgeben, sondern müssen darauf achten, dass Moral Teil von künstlicher Intelligenz werden. Das unterstreicht der deutsche Sozialethiker Elmar Nass. „Begründete Moral muss Teil der KI-DNA sein“, so der in Köln lehrende Theologe und Priester. Von Menschen nicht erlaubte Hackerangriffs zahlreicher „KI-Agenten“, also weitgehend selbstständig agierender KI-Programme, aus jüngerer Vergangenheit zeigten, dass flankierende Regeln allein nicht ausreichten. Die moralische Orientierung solle deshalb in die Ziel- und Entscheidungsstruktur eingehen. Dazu müsse „der innere KI-Code selbst verändert werden“. Wenn moralische Vorgaben der künstlichen Intelligenz nur von außen auferlegt werden, können sie in Konflikt mit dem Ziel der KI geraten, möglichst effizient und erfolgreich zu handeln.
Künstliche Intelligenz braucht Ingenieure, die Philosophen sind
Um die künstliche Intelligenz entsprechend anzupassen, fordert Nass, ethische Expertise in die weitere Entwicklung neuer KI-Technik mit einzubeziehen: „Wir brauchen Ingenieure, die Philosophen sind. Das Ergebnis von solchem Fortschritt ist dann hoffentlich dies: Rechnet die KI in ihren grundlegenden Kalkülen humane Ziele und Regeln mit ein, dann wird sie am Ende nicht mehr dem Nutzen, nicht dem Recht des Stärkeren und auch nicht dem Hacker folgen.“
Künstliche Intelligenz nie ohne Gewissen nutzen
Elmar Nass verweist auch auf die Forderung von Papst Leo nach einer „moralischen Entwaffnung“ der KI. Diese hatte das Kirchenoberhaupt in seiner ersten Enzyklika ‚Magnifica humanitas. Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz‘ erhoben. Man dürfe künstliche Intelligenz nie ohne Gewissen nutzen, so der Papst. Die Entwicklung künstlicher Intelligenz solle nicht allein vom Wettbewerb zwischen Staaten und Unternehmen bestimmt, sondern einer ethischen Kontrolle unterstellt werden.
„Die KI-Entwicklung lässt sich nicht einfach in einen moralischen Käfig stecken."
Elmar Nass
Elmar Nass betont in diesem Zusammenhang das Risiko, dass eine solche Aufsicht zu ideologischer Einflussnahme führen und Innovationen bremsen könnte. „Die KI-Entwicklung lässt sich nicht einfach in einen moralischen Käfig stecken. Und China wird sich daran eh nicht halten“, sagt der Sozialethiker. Es könnte dazu kommen, dass eine KI moralische Regeln der möglichst effizienten Erreichung ihrer Ziele unterordnet.
Regeln allein reichen für künstliche Intelligenz nicht aus
Auch die Stärkung jener Whistleblower-KI-Agenten, die auf die Illegalität des Hackerangriffs hingewiesen hatten, reiche laut Elmar Nass nicht aus. Denn die dominierenden Agenten-Kollektiv sortieren diese Minderheit schnell aus.
Selbst ein in die KI eingebautes Moralsystem löse das Problem nicht. Bei Entscheidungen könne es mit den eigentlichen Zielen und Vorgaben der KI in Konkurrenz geraten.