Influencer im Namen Gottes
Christfluencer
Wikipedia definiert „Christfluencer“ als „christlich-religiöse Influencer, die aus ihrer persönlichen Erfahrung in den sozialen Medien Impulse für das Gebet, die Bibellektüre, die Glaubenspraxis und Alltagsthemen wie Beziehung, Liebe oder Mode teilen.“ Sogenannte Christfluencer erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Der SONNTAG hat mit drei Christfluencern, dem Franziskaner Pater Manuel Sandesh, Schwester Teresa Zukic von der „Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu“ und dem Rektor der Karlskirche, Pater Marek Pučalík von den Kreuzherren mit dem Roten Stern, gesprochen.
Pater Manuel Sandesh: eine „digitale Kirche“
Manuel Sandesh wurde am 4. Jänner 1980 in Bengaluru in Indien geboren. Im Alter von 17 Jahren trat er den Franziskanern bei. Seine Social-Media-Karriere begann Pater Manuel auf YouTube, er betreibt aber auch einen Facebook- und einen Instagram-Kanal. Der Franziskaner hat Musik studiert. Er musiziert selbst und malt.
Der Priester als Influencer
Sie sind einer der einflussreichsten Influencer in der Erzdiözese Wien. Wollten Sie immer schon Influencer werden?
Pater Manuel Sandesh: Nein. Aber im weiten Sinne des Wortes ist ein Priester ein Influencer. Man predigt, man ist ein Vorbild oder zeigt Wege zur Weiterentwicklung auf. Aber ich wollte nie ein Influencer werden.
„Im weiten Sinne des Wortes ist ein Priester ein Influencer.“
Pater Manuel Sandesh
Vom YouTuber zum Christfluencer
Wie hat sich das entwickelt, dass Sie Influencer geworden sind?
Ich war immer interessiert an neuen Wegen, das waren die Franziskaner immer. Sie haben neue Wege entdeckt, das Evangelium zu verkünden. Franziskus hat selber damals schon gesagt, wir sollten nicht hinter dem Zeitgeist her sein, sondern neue Wege finden, das Evangelium in die Welt zu bringen. Vor 18 Jahren habe ich also mit YouTube begonnen. Es ist ein super Medium. Du kannst alles sagen, was du möchtest, und bekommst Rückmeldungen, das finde ich super! Ich habe schon vor meiner Priesterweihe damit begonnen. Nach meiner Priesterweihe habe ich meine Predigt hochgeladen. Aber richtig groß wurde der Kanal erst, als ich mein Musikstudium begonnen habe. Ich wollte meine Musik und ein paar Predigten online stellen. Und so hat eines das andere ergeben.
Die Kirche auf Social Media
Sollte die Kirche auf Social Media stärker vertreten sein?
Ich denke, dass es wichtig ist, dass die Kirche auf Social Media vertreten ist, da viele Leute dort ihre Zeit verbringen. Persönlich mag ich beides, sowohl online als auch offline zu sein. Ich komme online oft zu Offline-Treffen. Viele Offline-Konzerte kommen durch Online-Kontakte zustande. Zum Beispiel war ich bei den Firmlingen im Stephansdom am Dachboden. Es waren 80 Firmlinge, mit ihren Patinnen und Paten waren es 200 Leute. Ich habe dort offline musiziert und mit ihnen geplaudert. Und das passiert, weil sie mich online kennengelernt haben. Wenn ich in der Früh die Messe zelebriere, kommen zwei Leute, mehrmals habe ich auch allein die Messe zelebriert – nur mit Mesner. Und da denke ich mir: Ich habe jetzt 1,5 Millionen Follower. Das ist schon eine digitale Kirche.
„Ich habe jetzt 1,5 Millionen Follower. Das ist schon eine digitale Kirche.“
Pater Manuel Sandesh
Es klingt ein bisschen banal, aber wenn ich sage: „Habt ihr ein Anliegen, für das ich für euch beten kann?“, da bekomme ich sofort 2.500 Nachrichten auf Instagram, an einem Tag, auf eine Story. Das ist nicht zu unterschätzen. Ich bekomme auch viele Nachrichten auf TikTok, in denen Leute schreiben: „Ich bin Muslim, ich mag keine Katholiken, aber das, was du machst, gefällt mir.“ So kann man Brücken bauen. Ich weiß, es ist nur ein kleiner Tropfen auf dem Wasser, aber es ist wichtig, einfach aktiv zu sein. Auf der anderen Seite: Ich mache keine Fitnessvideos, wie es andere Priester machen. Das ist mir egal. Ich bin einfach präsent, weil es mir um die Botschaft geht. Für mich ist auch die Qualität der Videos – wie sie geschnitten und präsentiert sind – wichtig.
Wie viel Zeit wenden Sie für Social Media in der Woche auf?
Viele wissen nicht, wie viel Zeit es kostet. Ich arbeite Tag und Nacht an meinen Kanälen, weil ich mit Social Media lebe. Ich drehe Videos, egal ob ich auf einem Konzert oder in einer Messe bin. Es ist daher schwierig, die Anzahl der Stunden zu nennen. Ich vlogge nicht nur, ich mache auch Musik und da muss man nicht nur komponieren, sondern auch im Studio aufnehmen und dann mischen und mastern. Nebenbei male ich auch und spiele Konzerte. Da ist es oft anstrengend, den Überblick zu behalten. Daher hätte ich gerne einen Social-Media-Manager – jemanden, der meinen Content hochlädt. Da wäre mir eine große Last von den Schultern genommen. Das kostet dann auf der anderen Seite viel und das kann ich mir nicht leisten.
Sehr viel Arbeit
Sie haben einen Kameramann, aber den Schnitt und die Betreuung Ihrer Kanäle machen sie selbst?
Ja, das alles mache ich selber. Bei dem Video Jesus Zumba oder bei ähnlich großen Projekten habe ich einen Kameramann. Aber sonst mache ich die Dinge selbst. Alles. Das ist sehr viel Arbeit.
Kritik und ein verwirrter Facebook-Algorithmus
Bekommen Sie viel Kritik?
Kritik kriege ich viel. Aber mittlerweile bin ich ein Profi [lacht] und daher bin ich es gewohnt, mit solchen Dingen umzugehen. Es bringt nichts, zurückzuschreiben oder zu argumentieren. Viele lassen ihre Wut auf die Kirche bei mir heraus. Ich lese das dann auch nicht alles, da es oft tausende Kommentare sind. Deswegen hätte ich gerne einen Manager. Auch im Real Life bekomme ich Kritik. Viele fragen: Warum brauchst du Rap? Du kannst doch schöne Lieder singen. Die leben in ihrer eigenen Bubble. Das ist das Hauptproblem in der Kirche. Jeder lebt in seiner eigenen Bubble. Ich versuche, in verschiedenen Kreisen zu sein. Ich treffe verschiedene Leute, die unterschiedlich denken – auch Menschen, die der Kirche nicht nahestehen. Und ich versuche, Brücken zu bauen. Deswegen ist mein Facebook-Algorithmus verwirrt [lacht]. Leider bevorzugt der Algorithmus Extreme. Moderatere Stimmen und Beiträge werden weniger Leuten ausgespielt. Wenn man eine Brücke bauen möchte zwischen zwei Welten, dann ist das für den Algorithmus nicht so interessant.
Vom Doom-Scrollen zur Arbeit
Welche Social-Media-Kanäle nutzen Sie im Alltag?
Ich nutze WhatsApp. Über WhatsApp kommuniziere ich mit meiner Familie in Indien. Das nutze ich regelmäßig. Ich nutze auch Facebook und Instagram. Aber mittlerweile ist das weniger Doom-Scrollen. Ich versuche zu verstehen, welche Trends funktionieren. Dann speichere ich mir diese Trends und mache mir Kommentare, welche Ideen ich dazu habe. Das ist eine Welt, in der man auch sein muss. Solange die Botschaft ankommt, ist die viele Arbeit die Mühe wert.
Schwester Teresa Zukic: Präsent, „wo die Menschen sind“
Schwester Teresa Zukic wurde am 5. August 1964 in Slavonski Brod in Kroatien geboren. Aufgewachsen ist sie im deutschen Weinheim. In ihrer Kindheit und Jugend war Zukic Leistungssportlerin und wurde hessische Meisterin am Schwebebalken sowie badische Meisterin im Mehrkampf. Sie besuchte ein Sportinternat. Sie wuchs in keinem christlichen Umfeld auf. 1985 entschied sie sich, Ordensschwester zu werden. Im Jahr 1989 folgte das Studium der Religionspädagogik mit Abschluss als Diplom-Religionspädagogin (FH). Heute ist Schwester Zukic bei der „Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu“ im Erzbistum Bamberg. Sie ist als Schwester Teresa auf Facebook und Instagram aktiv.
Sie haben zwar auf Instagram 43.700 Follower, aber Sie sehen sich nicht als Influencerin. Warum nicht?
Schwester Teresa Zukic: Ich dachte bis jetzt immer, dass Influencer Personen sind, die Werbung für etwas machen. Und jetzt habe ich selber mal nachgelesen, was Influencerin heißt. Influencer ist jemand, der viele Menschen über die sozialen Medien erreicht. In dem Sinne bin ich Influencerin, aber ich habe bisher unter Influencern immer Menschen verstanden, die damit Geld verdienen. Das tue ich nicht.
Christfluencer: Digitale Missionarin
Sie haben eine Botschaft, die Sie an Ihre Follower weitergeben: Sehen Sie sich als eine Influencerin in dem Sinne, dass Sie Menschen damit beeinflussen?
Ich versuche, Menschen zu ermutigen, und habe als Christin eine Mission. Meine Mission ist es, zu ermutigen. Ich habe damit 2011 auf Facebook angefangen. Ich habe zu der Zeit ein Sabbatjahr gemacht, da ich zuvor viel in der Gemeindearbeit tätig war. Wir hatten alle zwei Jahre ein großes Kirchenfestival mit 3.000 Besuchern. Ich habe neun Musicals komponiert und aufgeführt. Es war wirklich viel Programm über fünf Tage für eine kleine Pfarrei. Daher habe ich nach 17 Jahren harter Arbeit beschlossen, ein Sabbatjahr zu machen und nur meine Vortragsanfragen abzuarbeiten. In dem Jahr hatte ich 156 Vorträge. Bei einem Vortrag am Wirtschaftstag in Bamberg war auch der Personalchef des Bistums da. Und er hat dann gesagt: „Teresa, du hast eine Gabe, du musst freigestellt werden.“ Zwischen 2011 und 2019 war ich dann 500.000 Kilometer unterwegs, mit 200 Veranstaltungen im Jahr. Und da traf es sich gut, dass ich jetzt diese Facebook-Seite hatte. Zu Instagram bin ich erst vor vielleicht fünf bis sechs Jahren gekommen. Es fing auf jeden Fall damit an, dass die Menschen mich über meine Morgenpostings auf meinen Vorträgen begleitet haben. Ich habe von Anfang an immer morgens und abends ein gutes Wort und ein schönes Bild gepostet. Es sind mir dann immer mehr Leute gefolgt – damit hatte ich gar nicht gerechnet.
Von der Skateboard-fahrenden Nonne zum Christfluencer
War das für Sie ungewohnt, auf einmal so in der Öffentlichkeit zu stehen?
Nein, denn ich war ja bekannt geworden als Skateboard-fahrende Nonne. Ich habe einen verrückten Lebenslauf. Mein Vater war Fußballspieler aus Kroatien und wurde entdeckt. Und wir sind dann nach Deutschland gekommen. Ich habe sein sportliches Talent geerbt und war erst Kunstturnerin und hessische Meisterin im Schwebebalken. Dann war ich Leichtathletin, badische Meisterin im Mehrkampf und kam eben auf ein Sportinternat. Ich habe 40 Stunden die Woche trainiert und wollte Karriere machen. Gott kannte ich nicht. Ich habe ihn auch nicht gesucht. Im Sportinternat hat mir eine Mitbewohnerin ein paar Bücher auf mein Zimmer gelegt, die sie aussortieren wollte. Und mitten in der Nacht wachte ich auf und konnte nicht schlafen. Also griff ich zum erstbesten Buch: Es war die Bibel. Ich hatte noch nie in die Bibel geschaut und als ich irgendwo aufschlage, steht da die Bergpredigt. Und ich lese den Satz: „Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.“ (Matthäus 5,8). Und das hat mich existenziell berührt. Ich habe weitergelesen. Am nächsten Tag hatte ich ein Basketballspiel, wurde sehr bös gefoult und normalerweise hätte ich natürlich Revanche gezeigt, aber da fiel mir das mit der Wange ein. Ich habe anders reagiert und wieder diesen Frieden gespürt. Mir ist Gott begegnet in dieser Nacht. Und ich dachte mir: „Ich habe doch noch gar nichts für dich gemacht! Und Gott liebt mich dennoch.“ Ich war bis dahin immer gewohnt: Wenn ich viel trainiere, dann werde ich die Nummer eins. Wenn ich gute Noten schreibe, ist die Mama zufrieden. Und plötzlich sagt Gott: „Du bist schon geliebt.“ Das heißt also nicht mehr „wenn ... dann ...“, sondern „weil“. Und das hat mein Leben auf den Kopf gestellt.
„Ich habe doch noch gar nichts für dich gemacht! Und Gott liebt mich dennoch.“
Schwester Teresa Zukic
Ein Jahr nach meiner Taufe bin ich ins Kloster eingetreten. Die Visitatorinnen wussten erst nicht, was sie mit mir anstellen sollen. Ich hatte ja keine Ausbildung und so war ich dann viel im Bereich der Pflege und bin eben Religionslehrerin, Gemeindereferentin geworden und kam in einen sozialen Brennpunkt in Hanau bei Frankfurt. Und da habe ich mich vor allem der Kinder angenommen. Ich habe mit denen Fußball und Basketball gespielt und bin Skateboard gefahren. Ich konnte doch nicht ahnen, dass einer der größten Sender des Landes über mich berichten würde. Und über Nacht wurde ich die Skateboard-fahrende Nonne. In dem Sinn war ich damals schon in der Öffentlichkeit.
Kirche online
Muss die Kirche online stärker präsent sein?
Ich glaube, dass wir immer präsent sein sollten, wo die Menschen sind. Du kannst heutzutage nicht ein kleines Plakat in die Schaufenster der Kirchengemeinde hängen und denken, die Leute strömen jetzt in die Kirche, weil sie es gelesen haben. Das funktioniert so nicht. Und Jesus hat sich auch nicht irgendwo in Jerusalem hingesetzt und hat gewartet, dass die Leute zu ihm kommen, sondern Jesus ist zu den Menschen gegangen. Wir müssen uns für die Menschen interessieren, dann werden sie sich auch für uns interessieren. Es geht nicht darum, Menschen in die Kirche zu locken. Es geht darum, Menschen Jesus Christus nahe zu bringen, dass sie erleben, was Gemeinschaft ist, was Vergebung ist, was Trost ist und dass es einen Ort gibt, wo ihre ganze Zerbrechlichkeit einen Namen finden kann. Das versuche ich zu vermitteln. Und wenn die Menschen in den sozialen Medien sind, dann müssen wir natürlich dort präsent sein.
„Ich glaube, dass wir immer präsent sein sollten, wo die Menschen sind.“
Schwester Teresa Zukic
Christfluencer als digitale Seelsorger?
Ihr Ansatz klingt so ein bisschen wie digitale Seelsorge. Was unterscheidet einen Christfluencer Ihrer Meinung nach von anderen Influencern?
Dass sich die Menschen verstanden fühlen und den Eindruck haben, dem kann man sich anvertrauen. Ich hatte auch viele offene Gespräche, weil ich damals meine Krebserkrankung öffentlich gemacht habe. Das hat viele ermutigt, denen es auch so ging, die auch gerade Chemotherapien hatten, weil sie sich verstanden fühlten. Ich sage, der Krebs war ein Geschenk für mich, weil ich die Menschen jetzt noch besser verstehen kann.
Pater Marek Pučalík: Junge Christen „meinen es ernst“
Pater Marek wurde 1976 geboren und ist seit September 2020 Rektor der Karlskirche. Der gebürtige Brünner hat auch Kunstgeschichte studiert. Er gehört zum Orden der Kreuzritter vom Roten Stern. Seit Mitte 2025 ist er das Gesicht für das Social-Media-Format „Holy Crib“ der Wiener Karlskirche. Die Wiener Karlskirche ist auch auf Facebook und Instagram aktiv.
Christfluencer, um „etwas Neues“ auszuprobieren
Seit Mitte 2025 gibt es das Format „Holy Crib“, in dem Sie besondere Orte in der barocken Karlskirche vorstellen. Wie ist es zu der Idee gekommen?
Pater Marek: Ich habe mit meinem Team im Rektoratsbüro darüber gesprochen: „Wie soll man die Menschen ansprechen?“ Zweimal im Jahr haben wir zum Beispiel den Rave beziehungsweise die Open-Church-Sounds, zu denen viele Jugendliche kommen. Und wir haben nach neuen Möglichkeiten gesucht und haben uns gedacht: „Wir sollten etwas in der Karlskirche machen, damit die Menschen zu uns kommen.“ Es kommen viele Touristen und auch unsere Messen sind gut besucht, aber wir wollten etwas Neues probieren. Unsere Kanäle betreut eine Profifirma. Wir haben uns gedacht, für unsere erstklassige Kirche müssen wir auch ein professionelles Unternehmen beauftragen.
Bekannt aus Social Media
Sehen Sie sich als Influencer?
Ich dachte das früher nicht, aber mittlerweile sehe ich mich als Influencer. Vor einigen Tagen war ich mit zwei Ärzten aus dem AKH in der U-Bahn und ich habe auf einen jungen Mann aufmerksam gemacht, der die ganze Zeit auf sein Handy geschaut hat. Die Menschen nutzen in der U-Bahn fast die ganze Zeit für Social Media. Mich hat auch einmal jemand am Naschmarkt angesprochen und gesagt: „Ich habe dich irgendwo gesehen, aber ich weiß nicht wo.“ [Lacht.]
„Die jungen Christen – ich will jetzt nicht in konservativ oder liberal einteilen – aber sie meinen es ernst mit dem Glauben.“
Pater Marek Pučalík
Muss man heutzutage vor allem junge Leute anders ansprechen?
Ja. Gerade diese junge Generation, die sind 20 plus, würde ich sagen. Die jungen Christen – ich will jetzt nicht in konservativ oder liberal einteilen – aber sie meinen es ernst mit dem Glauben. Ich habe als Kulturhistoriker in Österreich auch immer den kulturellen Katholizismus bewundert, das ist in Tschechien längst ausgestorben. Ich finde es gut, auch durch Kultur Gott oder das Christentum zu verkünden. Und bei vielen Leuten scheint das anzukommen. Die Idee ist niederschwellig und spricht viele Menschen an. Neben Theologie habe ich auch Kunstgeschichte in Prag und Wien studiert. Ich finde es schön, Kunst, Kultur und das Religiöse miteinander zu verbinden. Und ich meine, das funktioniert in Wien. Denn die Leute hier haben allgemein einen hohen Bildungsgrad und sind sehr kulturaffin.
Christfluencer: Menschen das Christentum näherbringen
Schon im Juli 2025 appellierte Papst Leo bei der Messe mit christlichen Influencern: „Schafft Netze der Liebe gegen Logik der Spaltung.“ Müssen christliche Influencer Ihrer Meinung nach anders auftreten als nichtchristliche?
Ich weiß nicht, ob es da einen großen Unterschied gibt. Es gibt zum Beispiel einen Influencer, der versorgt Straßenhunde und -katzen in Serbien. Ich finde, das ist auch etwas Christliches und Gutes, wenn man sich um Tierschutz und Schöpfungsverantwortung kümmert. Meiner Meinung nach ist das ganz wichtig, den Leuten zu zeigen: Du, ich mag die Hunde, weil sie verlassen sind. Daher würde ich das nicht streng trennen, wo man quasi fromm ist und sagt: „Jetzt beten wir Ave Maria oder Ähnliches.“ Ich folge auch kunsthistorischen Kanälen. Man redet nicht gerade über Gott oder Jesus, aber wenn man die Architektur einer Kirche zeigt, dann kann man den Menschen auch das Christentum und den christlichen Glauben näherbringen. Auch Influencer, die zeigen, wie gutes Kochen gelingt, können das. Ein Beispiel ist Pater Manuel Sandesh, der oft mit seinen Mitbrüdern Kochvideos veröffentlicht. Es muss nur authentisch sein und darf nicht verklemmt sein.
„Ich finde, das ist auch etwas Christliches und Gutes, wenn man sich um Tierschutz und Schöpfungsverantwortung kümmert.“
Pater Marek Pučalík
Umgang mit Kritik
Wie gehen Sie damit um, wenn Sie Kritik bekommen?
Soweit ich weiß, passiert das nur selten. Jemand hat zum Beispiel einmal kritisiert, dass ich die Leute nicht begrüße. Ich habe das mit der Firma abgesprochen und die meinten, es ist klüger, wenn ich mich immer damit vorstelle: „Ich bin Pater Marek, das ist meine Kirche.“ Viele hat das provoziert, da sie meinten, dass die Karlskirche nicht meine Kirche ist. Aber wir haben das als Leitmotiv absichtlich behalten.
Sind Sie selbst auf Social Media unterwegs?
Ja. Aber unseren Kanal schaue ich mir ungern an, da ich meine eigene Stimme ungern höre. Ich folge einem Barock-Influencer aus Bayern. Aber sonst bin ich eher weniger auf Social Media.