Kleinkinder-Katechismus
Hirtenhund
Der römische Katholizismus zeichnet sich durch eine klare strukturelle Ordnung und ein hoch ausdifferenziertes Lehramt aus. Darin – so könnte man wohl salomonisch sagen – liegen Glanz und Elend der Kirche zugleich begründet. Glanz, weil eine Weltkirche nun mal nicht bottom-up zu führen ist, sondern klare Hierarchien benötigt. Elend, weil so vieles an Inkulturation, so vieles an Zwischenklängen und Vielfalt von den Mühlen des Lehramts schlichtweg zermahlen wird. Kein Wunder also, dass hier und da gallische Dörfer entstehen, die die römischen Kirchen-Cäsaren provozieren.
Katechismus versus Priestermangel
So wie aktuell der Antwerpener Bischof Johan Bonny. Der hält an seinem Plan fest, 2028 mehrere verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Aus purer pastoraler Not, wie er sagt. Zum Vergleich: Antwerpen hat in etwa so viele Katholiken wie Wien. Wien hat jedoch (noch) 600 Pfarren und in etwa ebenso viele Diözesanpriester; Antwerpen verfügt über nur mehr 280 Pfarren – und 160 Diözesanpriester. Anders gesagt: Während wir schon gewohnt sind, das Lied vom Priestermangel elegisch und matt zu pfeifen, ist dieser Mangel in der belgischen Hauptstadt etwa vier Mal so stark. Oder plastischer: Hätten wir Antwerpener Verhältnisse, es gäbe nur noch jeden vierten Gottesdienst, jede vierte Taufe, jedes vierte Begräbnis in ritueller Form. Das rechtfertigt keinen Alleingang, gewiss, aber es macht die Not nachvollziehbar, aus der heraus ein Bischof alles auf eine Karte setzt und versucht, Fakten zu schaffen. Bei all dem sei man mit Rom im Gespräch, sagt Bonny. Natürlich. Reden geht immer. Man(n) ist schließlich synodal. Allein: Rom wird entscheiden – und nicht Bonny. Wohl aber vermutlich – Wetten werden angenommen – gegen Bonny.
Mehr Mut bei den Kriterien für Weihekandidaten
Als Hund leide ich still mit diesem Bischof mit. Denn ein Aufsässiger ist er, der eine langjährige Karriere durch viele Dienststellen im Vatikan hinter sich hat, eigentlich nicht. Würde man mir gestatten zu träumen, ich wünschte, seinem Anliegen würde mit Wohlwollen begegnet. Und ganz heimlich hätte ich ihm sogar noch etwas mehr Mut bei den Kriterien für die Weihekandidaten gewünscht: Denn diese müssen laut Bonny nicht nur mindestens 35 Jahre alt sein, die Zustimmung ihrer Ehefrau mitbringen und ein „stabiles Familienleben führen“ – sie dürften außerdem „keine Kleinkinder mehr haben“. Eigentlich schade. Schließlich sind Kleinkinder die beste Lebensschule, um sanft und doch mit Nachdruck Dinge weiterzubringen, zu erklären und hier und da liebevoll und mit Worten auf die Fingerchen zu klopfen. Würden in Rom mehr Kleinkinder an den Schreibtischen der Monsignori zerren – die Kirche wäre nicht nur Babybrei-bunter, sie wäre hier und da wohl auch etwas mutiger.