Katholische Zuckerwatte
Hirtenhund
Papst Leo XIV. ist ein Mann der Tat. Er will Frieden schaffen – zumindest hört er nicht auf, diesen einzumahnen. Er schafft Regelungen ab, die sein Vorgänger eingeführt hat – etwa Gehaltskürzungen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sollen ja auch nicht leben wie – nunja – die Hunde… Und er baut die Kurie behutsam und professionell um. Er fährt den katholischen Kahn auf Sicht, könnte man vielleicht etwas keck sagen. Größer, weiter, blumiger hingegen das glückliche Österreich, das gern mal wieder Nabel der (kirchlichen) Welt sein möchte: So etwa denkt ein dunkler Lord an dunklem (niederösterreichischem) Ort den Katholizismus zurück in eine Zeit, in der er noch absolut(istisch) regierte. „Neo-Integralismus“ lautet das Stichwort, unter dem die verpeilten Ideen aus Österreich bis in die USA firmieren. Nun wurde eben dieser Lord – Pater Edmund Waldstein – beurlaubt. Immerhin ein erstes Zeichen der Distanz.
Kirche in Europa
Weitaus braver gestaltet sich das zweite Moment österreichischer kirchlicher Weltläufigkeit: So war in Wels eine europäische Tagung mit 187 Kirchenvertretern aus 31 Ländern, die – Trommelwirbel – über die „weitere Umsetzung der Weltsynode“ beraten haben. Man reibt sich auch hier Augen und Ohren: „Weitere Umsetzung“? Gab es denn schon eine Umsetzung? Ja, lautet die Antwort aus berufenem Mund. Dafür stehen in Wels große Namen ein wie die Kardinäle Hollerich (siehe Seite 23) und Nemet und die Theologin Becquart und die Theologen Halik und Zulehner. Zugegeben: „Die Kirche ist jung“ würde sich angesichts des Line-ups nicht unbedingt nahelegen. Hört man hin, was dort als Zukunftsvision für die Kirche in Europa gehandelt wird, verfällt man dann leider doch wieder in katholische Lethargie: Synodalität solle als „eucharistischer Weg“ verstanden werden, als geistliche Haltung, als Geschenk. Sollen das ernsthaft Aspekte sein, die man – wie es Kardinal Hollerich vollmundig erklärte – „den Gesellschaften anbieten“ möchte? Am Ende scheinen die Welser Sprechblasen wie Zuckerwatte im Prater. Süß und pickig. Und beißt man hinein, bleibt viel Luft und wenig Gehalt zurück.
Die Kirche und synodale Zuckerwatte
Zurück zu unserem Papst-Pragmaticus: Den ficht das alles nämlich scheint’s überhaupt nicht an. Zumindest, wenn man seinem Bruder John zuhört. Der hat in einem Interview erklärt, Leo helfe ihm regelmäßig bei Problemen mit seinem PC und selbst bei der Steuererklärung. Und beim gemeinsamen Urlaub in Castelgandolfo habe man am Pool gelegen, „auf den Liegestühlen ein Nickerchen gemacht“, sei schwimmen gegangen und habe ferngeschaut. Ob er überhaupt weiß, dass sich jenseits der Alpen seine eigenen Leute synodale Zuckerwatte schlecken und ein Ordensmann in Niederösterreich vom katholischen Staat träumt?