Was trauen wir uns zu?
Ihnen gesagt
Das hätte ich Ihnen nicht zugetraut!“ So die Conclusio einer sympathischen Unterhaltung in der Straßenbahn am Morgen. Ich kam mit einer netten Dame ins Gespräch. Am Ende unserer Fahrt beim bekannten Jonasreindl am Schottentor sagte sie: „Jetzt will ich aber noch wissen, wo sie arbeiten.“ Eine Chefredakteurin der Kirchenzeitung hätte sich mir nicht zugetraut. Und dann folgte eine kurze Abhandlung über das Begräbnis ihrer Schwiegermutter, wo sich die Familie am Ende doch für einen Trauerredner entschieden hatte – es wäre zu mühsam gewesen mit dem Priester. Was tun in so einer Situation? Bin ich als Mitarbeiterin der Kirche befugt, Erklärungen abzugeben, wenn es in der Seelsorge hapert? Es bleibt dann doch oft dabei, dass ich sage, dass es mir leidtut und dass wir wirklich nicht alle so sind. Klingt hatschert? Ist es vielleicht.
Die guten Seiten des Glaubens benennen
In jedem Fall wollen wir in unserem Rahmen zeigen, dass wir auch anders auftreten. Wir versuchen, die guten Seiten des Glaubens zu benennen, und verschweigen auch nicht, wenn es Missstände gibt. In diesem Sinn lade ich Sie nicht nur herzlich ein, in unsere neue Ausgabe von „Himmel & Erde“ reinzulesen, die diesem SONNTAG beiliegt. Wir erreichen viele nicht und nicht mehr. Interessierte Katholiken erklären mir, dass sie keine Zeit fürs Lesen haben, wollen aber im SONNTAG vorkommen.
„Das hätte ich Ihnen nicht zugetraut.“
Kirchliche Mitarbeiterinnen schreiben mir, dass sie mit der Kirchenzeitung nichts anzufangen wüssten. Andere befeuern die Werte-DNA für ein christliches Abendland. Konfessionelle Medien rezipieren sie aber nicht. Darum meine Bitte heute an Sie: Geben Sie das Magazin gerne weiter, wenn es Ihnen gefallen hat. Vielleicht sagt dann jemand: „Das hätte ich Ihnen nicht zugetraut.“