Das „Riechen“

Fünf Sinne
Ausgabe Nr. 31
  • Theologie
Autor:
Die Nase und das "Riechen" hat auch für den Menschen eine existentielle Bedeutung.
Die Nase und das "Riechen" hat auch für den Menschen eine existentielle Bedeutung. ©iStock/Veronica Perez Cortes

Unsere Sinne sind wahre Geschenke Gottes. „Sie haben einen Mund und sprechen nicht, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht, sie haben Nasen und riechen nicht, sie haben Hände und greifen nicht …“ Ps 115,5–7

Wer kennt ihn nicht, den frischen Geruch von Heu einer blumigen Wiese; er lässt uns für eine Weile den Atem anhalten und kann uns in eine andere Welt versetzen. Der Riech- oder Geruchsinn, der bei Tieren noch eine existentiellere Bedeutung hat als beim Menschen, ist in den Rezeptoren der Nasenschleimhäute verortet. Er gehört zu den unmittelbarsten Sinnen, da die Geruchs- und Duftmoleküle direkt in unserem Gehirn (im limbischen System: Zentrum der Erinnerungen und Emotionen) elektrische Reaktionen auslösen, ohne vorher in der Großhirnrinde verarbeitet zu werden. 

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Riechen: Unbewusst, schnell und sehr emotional

Deshalb reagieren wir auf Gerüche eher unbewusst, schnell und sehr emotional. Das hilft uns, eine Unzahl an verschiedenen Gerüchen und Düften (angenehme Gerüche) wahrzunehmen, es hilft uns bei der Identifikation unserer Nahrung und warnt uns vor möglichen Gefahren: Verderbnis, Vergiftung, Verwesung. Jeder Mensch hat seinen eigenen Geruch. Die Menschen finden sich deshalb anhand dieser Gerüche anziehend oder eben nicht. Der Geruchsinn ist somit die Fähigkeit, die es uns ermöglicht, zu kommunizieren, zu interpretieren und zu kommentieren. 

Das Sehnen nach frischer Luft - Das Riechen

Wenn unsere Nase einmal müde geworden ist von der Aufnahme so vieler Gerüche und Düfte, dann sehnen wir uns vielleicht nur noch nach frischer Luft. Unseren Widerwille manchen Gerüchen gegenüber übertragen wir auch gerne auf solche Dinge, denen wir misstrauen, die wir ablehnen oder aber nur übertrieben empfinden, wie etwa das Eigenlob, das „stinkt“. Ja, manches stinkt sogar zum Himmel! Wir konfrontieren gerne jemanden mit etwas, was uns gar nicht gefällt und halten es ihm unter die Nase. Unser Geruchsinn ist wohl stammesgeschichtlich der Sinn, der am frühesten entwickelt wurde. Er ist geradezu geeignet, uns spontan an Altes zu erinnern, das wir vielleicht sonst vergessen hätten. Nicht umsonst ist die Aromatherapie in der Behandlung dementieller Erkrankungen sehr erfolgreich. 

„Siehe, mein Sohn duftet wie das Feld.“ 

Genesis 27,27

Der Geruch von Heimat

Manche Speisen, die uns gewissermaßen noch in der Nase liegen, lassen in uns spontan Gefühle von Heimat und Vertrautheit entstehen. Menschen, die wir aus irgendwelchen Gründen zutiefst ablehnen, können wir einfach nicht  riechen. Es ist die stärkste Ablehnung, die wir verspüren. Auch unsere Fähigkeit, die Dinge, die für uns wichtig sind, möglichst frühzeitig wahrnehmen zu können, liegt oft in der Beobachtung, dass jemand für gewisse Dinge einfach ein Näschen hat. Das hilft ihm, sich vor Unangenehmem zu schützen, bereits dann, wenn er nur schon „Lunte gerochen“ hat. Selbst starkes Parfum kann ihn nicht daran hindern, üble Gerüche wahrzunehmen. Er wird wohl jedem raten, stets unbeirrbar immer seiner Nase nachzugehen.

Autor:
  • Stanislaus Klemm
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