Aufreger Familienbonus

Meinung
Ausgabe Nr. 18
  • Meinung
Autor:
Barbara Fruhwürth (60) ist Steuerberaterin und Vizepräsidentin des Katholischen  Familienverbandes.
Barbara Fruhwürth (60) ist Steuerberaterin und Vizepräsidentin des Katholischen Familienverbandes. ©privat

Barbara Fruhwürth (60), Steuerberaterin und Vizepräsidentin des Katholischen Familienverbandes, schreibt über die Aufregung um den Familienbonus.

Überzogenes Goodie, finanzielles Zuckerl, teures Prestige­projekt, auf Gutverdiener zugeschnitten, Reichenprogramm, Gießkannenprinzip, sozial wenig treff­sicher – wenn es darum geht, den Familienbonus schlechtzureden, wird die Kritik sprachlich und rhetorisch zugespitzt; in Fachkreisen ebenso wie in den Medien.

Werbung

Massive Kritik am Familienbonus

Möglicherweise liegt es auch daran, dass das Wort „Bonus“ im Sprach­gebrauch etwas suggeriert, das über das „Eigentliche“ hinausgeht; etwas, das gewährt wird, aber nicht zwingend zusteht; etwas, das zusätzlich noch „oben drauf“ kommt. Anders ist für mich die massive Kritik am Familienbonus nicht nachvollziehbar. Der Familienbonus ist weder eine Förderung noch eine Sozialleistung. Er ist eine steuerliche Maß­nahme, die seit 2019 das Existenzminimum von Kindern im Steuersystem berücksichtigt. Somit ist es nicht mehr egal, wie viele Personen von einem Einkommen leben müssen. 

Familienbonus bis zu 2.000 Euro pro Kind und Jahr

Der Familienbonus, der bis zu EUR 2.000,– pro Kind und Jahr beträgt, sorgt dafür, dass erwerbstätige Eltern im Vergleich zu Kinderlosen weniger Lohnsteuer zahlen und wirkt, sobald diese anfällt. Wenn aber keine Steuer anfällt, kann auch nichts reduziert werden. Lohnsteuer wird ab einem Brutto-Monats­einkommen von EUR 1.400,– abgerechnet; ab einem Einkommen von etwa EUR 2.500,– brutto im Monat kann bereits der gesamte Familienbonus für ein Kind lukriert werden. Personen mit Einkommen in dieser Höhe sind alles andere als Gutverdiener. 

Anerkennung für Familien

Familien sind die Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Eltern, die Kinder großziehen, übernehmen mit ihrer unbezahlten Betreuungs- und Erziehungsarbeit Verantwortung für die nächste Generation; sie erbringen unverzichtbare Leistungen und gewährleisten, dass unsere Gesellschaft funktioniert. Aus Gründen der Gerechtigkeit wird seit 2019 das Existenzminimum von Kindern im Steuersystem berücksichtigt und davon profitiert insbesondere die (untere) Mittelschicht. Familien brauchen Anerkennung: Sie sind keine Last für die Gesellschaft, sondern Leistungsträger, und Kinder zu haben ist mehr als reines Privatvergnügen. 

Der Kommentar drückt die persönliche Meinung aus!

Autor:
  • Barbara Fruhwürth
Werbung

Neueste Beiträge

| Meinung
Ihnen gesagt

Chefredakteurin Sophie Lauringer über Mutter Teresa, die Wiener Chormädchen und andere unüberhörbare Frauenstimmen.

| Spiritualität
Bausteine für eine alltagstaugliche Spiritualität

Spiritualität und/oder Achtsamkeit? Spiritualität boomt – seit Jahren. In einer neuen Serie erinnert der SONNTAG an christliche Inhalte und Rituale des Alltags, die entweder verloren zu gehen drohen oder die wieder neu entdeckt werden können. Und welche Rolle die Achtsamkeit spielt.

| Theologie
Unbekannte Frauen im Neuen Testament

Die Grußliste des Apostels Paulus im Brief an die Römer enthält unglaublich viele Namen von Frauen. Eine Hinführung zum Bibelpfad am 25. September in Wien.