Burjan-Gedenken vereint Politik

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Das Einladungskomitee zur Burjan-Gedenkmesse im Stephansdom.
Das Einladungskomitee zur Burjan-Gedenkmesse im Stephansdom. ©kathpress/Paul Wuthe
Bei einer Messe im Stephansdom wurde am Donnerstag Hildegard Burjan gedacht.
Bei einer Messe im Stephansdom wurde am Donnerstag Hildegard Burjan gedacht. ©kathpress/Paul Wuthe

Die Schwesterngemeinschaft der Caritas Socialis und eine breite politische Plattform haben am Donnerstag im Wiener Stephansdom einen Gottesdienst im Gedenken an die seliggesprochene Hildegard Burjan (1883-1933) gefeiert.

Der Propst von Stift Herzogenburg, Petrus Stockinger, ging bei der Messe auf die gläubige Christus-Beziehung Burjans ein, aus der ihr politisches und karitatives Wirken erwachsen sei. "Burjan hat versucht, den Glauben zu leben in Gedanken, Worten und Werken, um Gott und den Menschen zu dienen." An dem Gottesdienst nahmen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Parlamentsparteien teil - darunter der EU-Parlamentarier Lukas Mandl (ÖVP), der maßgeblich an der Vorbereitung der Gedenkmesse mitwirkte.

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Parteiübergreifendes Personenkomitee lud ein

Ein parteiübergreifendes Personenkomitee hatte zur Messe eingeladen. Mitglieder davon sind neben Mandl der Nationalratsabgeordnete Christian Schandor (FPÖ), Ex-Bundesrat Karl Arlamovsky (Neos) sowie die Wiener Kommunalpolitiker Judith Pühringer (Grüne) und Peko Baxant (SPÖ). Beim Gottesdienst waren unter anderem auch die Abgeordneten Wolfgang Gerstl (ÖVP), Gudrun Kugler (ÖVP), Norbert Sieber (ÖVP), Elisabeth Feichtinger (SPÖ), der Dritte Landtagspräsident von Wien, Gerhard Schmid (SPÖ) sowie die frühere Bundesministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) und die frühere Wiener Landtagspräsidentin Maria Hampel-Fuchs (ÖVP). Von der Caritas Socialis feierten unter anderem Generalleiterin Schwester Susanne Krendelsberger und Generalassistentin Schwester Karin Weiler mit.

"Christentum beginnt nicht mit einer Idee oder Ideologie, sondern erwächst aus der Beziehung mit einer Person, Jesus Christus"

Petrus Stockinger

"Christentum beginnt nicht mit einer Idee oder Ideologie, sondern erwächst aus der Beziehung mit einer Person, Jesus Christus", betonte Stockinger. Er verwies darauf, dass Burjan durch die Begegnung mit Ordensschwestern und deren überzeugender Nächstenliebe selbst zum Glauben gefunden habe. Dieser war "bestimmt von der Begegnung mit Christus, der Weg, Wahrheit und Leben ist." Weil sie Christus erkannt habe, habe sie auch den Mitmenschen und die damit verbundene Nächstenliebe erkannt. Diese Wahrheit sei dann bestimmend für die Politikerin Burjan und ihren Dienst am Gemeinwohl und auch später bei der Gründung der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis gewesen.

Sozialpionierin und Ordensgründerin

Hildegard Burjan (geb. Freund) wurde am 30. Jänner 1883 in sächsischen Görlitz in eine liberal-jüdische Familie geboren. Mit ihrem Gatten Alexander übersiedelte sie 1909 nach Wien und begann sich hier, intensiv für die Randgruppen der Gesellschaft zu engagieren. Nach der Heilung von einer schweren Krankheit konvertierte sie zur katholischen Kirche und ließ sich taufen. 1912 gründete Burjan den "Verband der christlichen Heimarbeiterinnen" und 1918 den Verein "Soziale Hilfe".

Gründerin der Caritas Socialis

Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das Parlament ein. Als verheiratete Frau und Mutter gründete sie im selben Jahr die geistliche Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern. Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. Obwohl sie nur kurze Zeit dem Parlament angehörte, galt sie schon bald als dessen "Gewissen". Burjan stellte sich dem Elend großer gesellschaftlicher Schichten und verschloss vor Jugendkriminalität, Verwahrlosung und Prostitution nie die Augen.

Tod von Hildegard Burjan

Als im Jahr 1920 Neuwahlen bevorstanden, zog sich Burjan aus Rücksicht auf ihre stark angeschlagene Gesundheit und wegen der zunehmenden antisemitischen Strömungen auch innerhalb ihrer Partei aus dem Parlament zurück, blieb aber weiter politisch aktiv. Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 an einem Nierenleiden. Sie wurde als weltweit erste demokratisch gewählte Politikerin seliggesprochen - am 29. Jänner 2012 im Wiener Stephansdom. Seit ihrer Seligsprechung begehen österreichische Politikerinnen und Politiker aller Parteien gemeinsam mit der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis den Gedenktag (12. Juni) von Hildegard Burjan mit einem Gottesdienst.

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