Vom Tod eines lebendigen Beispiels

Prüller
Ausgabe Nr. 44
  • Die Kirche und ich
Autor:
Michael Prüller
©Stephan Schönlaub

Michael Prüller kommentiert die Absage der Generalversammlung der Konferenz Europäischer Rabbiner.

Die Konferenz Europäischer Rabbiner hat im Juni angekündigt, ihre Generalversammlung im November erstmals in einem mehrheitlich muslimischen Land abzuhalten, nämlich im Kaukasus-Staat Aserbaidschan. Das sei „ein lebendiges Beispiel dafür, dass auch in schwierigen Zeiten von Krisen, Konflikten und Desinformation Zusammenarbeit, Respekt und gemeinsames Engagement über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg möglich sind“. Oder eben doch nicht. Nun haben die Organisatoren nach Protesten der Nachbarländer Türkei und Iran den Kongress wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. In Teheran hatte man das Ganze als „anti-islamische Provokation“ gesehen. 

Werbung

Kongress in Baku wäre hoffnungsvolles Zeichen

Das ist schade, denn gerade Aserbaidschan versucht, als mehrheitlich islamische Nation Toleranz und Religionsfreiheit zu praktizieren. Das gelingt gegenüber den Minderheiten der Juden in den meisten Fällen der Christen sogar ganz passabel. Als Kardinal Parolin im Vorjahr die Hauptstadt Baku besuchte, konnte man sich gerade über die Verdopplung katholischer Kirchen im Land freuen (wenn auch nur von einer auf zwei). Nachdem die Rabbinerkonferenz ihre Generalversammlungen bisher zumeist in mehrheitlich christlichen Ländern abhalten konnte, ohne dass jemand das als„anti-christliche Provokation“ bekrittelt hätte, wäre ihr Kongress in Baku ein hoffnungsvolles Zeichen für tatsächliche Toleranz in der muslimischen Welt gewesen. 

Intoleranz kennt keinen Glauben

Und es gibt Sorgen, ob die relativ friedliche Situation in Aserbaidschan so bleibt. Diktator Alijew hält zwar die Säkularisierung aus der Sowjetzeit aufrecht. Es gibt keine Staatsreligion, die meisten Muslime praktizieren ihre Religion kaum, und Eiferer werden vom Staat verfolgt. Aber um intolerant zu werden, braucht es ja nicht unbedingt einen starken Glauben. 

Schlagwörter
Autor:
  • Michael Prüller
Werbung

Neueste Beiträge

| Spiritualität
Glaubenszeugnis

Clemens Reinprecht hat sich als Neunjähriger bewusst entschieden, mit Jesus durchs Leben zu gehen. Heute organisiert er Treffen und Gebetskreise für Kinder und Jugendliche.

| Wien und Niederösterreich
Priesterweihe am 20. Juni

Vier Männer werden am 20. Juni im Stephansdom zu Priestern geweiht. Der SONNTAG stellt die Neupriester vor und gibt einen Überblick über ihre ersten Messen als Priester.

| Meinung
Ihnen gesagt

Chefredakteurin Sophie Lauringer gratuliert Johannes Huber zum Thomas-Morus-Preis, der ihm vergangenen Freitag verliehen wurde.