Naturhistorisches Museum: Schlaraffenland der Zukunft

Wie werden wir uns Ernähren?
Ausgabe Nr. 9
  • Leben
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Im Naturhistorischen Museum Wien stellt eine Ausstellung die Frage nach der Ernährung der Zukunft. Zwei blaue Container: Sie sind im ewigen Eis von Gjoa Haven (Kanada) das Feld, auf dem Gemüse wächst.
Zwei blaue Container: Sie sind im ewigen Eis von Gjoa Haven (Kanada) das Feld, auf dem Gemüse wächst. ©Gregor Sailer

Naturhistorisches Museum: Mit der Sonderausstellung „Cockaigne. Schlaraffenland der Zukunft?“ widmet sich das Museum dem Thema Nahrungsmittelproduktion.

Wie viel Boden haben Sie heute schon gegessen? Es ist eine ungewöhnliche Frage, die Besucherinnen und Besucher derzeit auf der Feststiege des Naturhistorischen Museums in Wien erwartet. 

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Installation im Naturhistorischen Museum

Eine Installation zeigt dort eindrucksvoll, wie viel Fläche für die Produktion von 100 Gramm Protein benötigt wird: Fünf Farbbänder stehen dabei jeweils für ein Nahrungsmittel: grün für Tofu, gelb für Getreide, orange für Nüsse, blau für Milch und rot für Rindfleisch. Je nachdem, welche Antwort man wählt, folgt man dem entsprechenden Farbband, das am Boden angebracht ist. Wer dem roten Farbband für Rindfleisch folgt, legt den längsten Weg – alle 73 Stufen der Stiege plus weitere 30 Schritte – zurück: verschlingt doch die Produktion satte 163,6 Quadratmeter. Das längste Farbband ist es auch, das direkt in den Saal 21 auf Ebene 2 führt, wo derzeit eine sehenswerte – wenn auch kompakte – Ausstellung mit dem Titel „„Cockaigne. Schlaraffenland der Zukunft?“ gezeigt wird. Cockaigne ist dabei eine aus dem Mittelalter stammende Bezeichnung für ein Fantasieland, in dem alles für alle im Überfluss verfügbar ist. 

Ausstellung im Naturhistorischen Museum

Fotograf Gregor Sailer hat dafür Produktionsstätten für die unterschiedlichsten Nahrungsmittel besucht und bildlich festgehalten. Zu sehen sind extrem vielfältige Agrosysteme – Ökosysteme, die durch menschliche Eingriffe entstanden sind oder maßgeblich umgestaltet wurden und viel menschliche Arbeitskraft benötigen. Aber auch automatisierte Landwirtschaften mit standardisierten Organismen und Prozessen, die von künstlicher Intelligenz gesteuert werden. Man sieht etwa Fotos aus Gjoa Haven – einem 100-Seelen-Dorf in Kanada – wo den größten Teil des Jahres Schnee und Eis liegt. Die hier lebenden Inuits sind daher gezwungen, in einem Container gemeinschaftlich Gemüsepflanzen zu züchten. Aber auch Fotos von hochtechnisierten Produktionsanlagen werden gezeigt, deren Steuerung durch große, gut geschützte Rechenzentren gewährleistet wird. Gregor Sailer will mit seinen Fotos sensibilisieren. Seine Ausstellung im Naturhistorischen Museum ist dabei der erste Schritt, um in ein facettenreiches Themengebiet einzutauchen. 

Autor:
  • Portraitfoto von Andrea Harringer
    Andrea Harringer
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