Das Kreuz als modisches Bekenntnis
Ihnen gesagt
Morgens in der Berliner U-Bahn: Ein junger Mann, Anfang 20, mit Hoodie und Jeans, trägt einen Kreuz-Anhänger an einem Kettchen um den Hals. Und das, obwohl in der deutschen Hauptstadt mehr als 80 Prozent keiner oder einer anderen Religion als dem Christentum angehören. Beweis für eine neue Hinwendung zum Christentum – oder reines Mode-Accessoire?
Das Kreuz als Mode-Accessoire?
Das fragt die deutsche katholische Nachrichtenagentur KNA. „Jeder, der männlichen Mode-Ikonen auf Instagram folgt oder sie in Magazinen sieht, weiß, dass Kruzifixe in den vergangenen Jahrzehnten zu den größten Accessoire-Trends für Herren gehörten“, heißt es im Blog einer Herrenmodefirma. Wie das? Der Wirtschaftspsychologe Christian Fichter erforscht Konsum- und Kaufverhalten. Er weiß: „Die jungen Leute wissen, was sie tragen, aber sie tragen es nicht als Glaubensbekenntnis. Das Kreuz hat als Symbol eine gewisse Kante.“
Das Kreuz als Talisman
Als Respektlosigkeit gegenüber Gläubigen sei sein Tragen aus Modegründen nicht zu bewerten. Symbole mit einem tiefen Bedeutungsgehalt hätten immer auch den Einzug gefunden in eine populäre Kultur. Man denke an die inflationär positionierten Buddha-Statuen in Wellnessstudios. Zudem verweist der Professor auf Studien, nach denen das Verwenden von Zeichen, die Zugehörigkeit und Schutz bieten, in Krisenzeiten zunehme. „Da ist das Kreuz ein netter Talisman, der die Sehnsucht nach Orientierung symbolisch darstellt.“
Mehr als nur ein Mode-Accessoire
Traut man sich auch so einfach, den Davidstern einzusetzen, mag man sich da innerlich fragen? Aber zum Trost: Ein ganz neuer Trend ist die Kreuzkette nicht. Pop-Ikone Madonna klotzte vor 40 Jahren mit einem Prunk-Kreuz am Hals. Gut, wenn wir als Christinnen und Christen das Mode-Accessoire auch als Glaubensbekenntnis tragen, oder?