Mit Gott bitte keinen Staat machen
Hirtenhund
Ich bin ja so erleichtert. Zum einen, weil die Hälfte der Wiener Festwochen rum ist – und damit absehbar ist, dass die „Republic of Gods“ bald vorbei sein wird und wir uns in unserer „Republic of mankind“ wieder wesentlicheren Dingen widmen können. Zugleich bin ich natürlich wahnsinnig erleichtert, dass sich die Jury des „Glaubenstribunals“ nach intensiven Beratungen zu dem Urteil durchgerungen hat, Theokratien nicht gut zu finden. Puh. Ach ja, und natürlich bin ich erleichtert, dass mit Peter Thiel kein „Techfaschist“ nach Wien einreisen und uns seine Spionagesoftware in Chips einimpfen durfte …
Peter Thiel, Gott und der Staat
Ende der Satire. Oder vielleicht eher: Beginn der Satire. Denn der erste Absatz entspricht eigentlich ja nur den Tatsachen. Es gab die absurde Ausladung Thiels – wobei mir nie klar geworden ist, ob sich die Aufregung an seiner Unterstützung der US-Regierung entzündete oder tatsächlich an seinen inzwischen mythisch umrankten „Antichrist-Vorlesungen“. Wäre es tatsächlich seine theologische Positionierung gewesen, ich hätte den Hut vor den Protestierenden gezogen, dass sie sich offenbar intensiv mit apokalyptischer Theologie und dem „Katechon“ auseinandergesetzt haben – beides Begriffe aus Thiels Geschichts- und Politikverständnis.
Sitzungen des „Glaubenstribunals"
Auch bei den langwierigen Sitzungen des „Glaubenstribunals" wusste ich nicht, ob ich lachen oder laut winseln sollte. Ein Rätsel war mir etwa die Zusammensetzung der „Jury“: Wer in Dreipudelsnamen kam denn auf die Idee, „Bischöfin“ Christine Mayr-Lumetzberger auszuwählen? Eine frühere Ordensfrau, die sich 2002 unerlaubt auf einem Schiff auf der Donau zur katholischen „Bischöfin“ weihen ließ. Und die nun tatsächlich mit Bischofsring und als Bischöfin tituliert auftrat. Mit welcher … Kompetenz? Und als Fürsprecher einer „legitimen Form theokratischer Herrschaft“, nämlich einer an Gottes- und Christusliebe orientierten aristokratischen Politik und einem christlichen Staatsmodell, trat ein gewisser Jan Steinmann auf. Der verlegt seine Bücher im rechten „Castrum“-Verlag und scheut auch Kontakte zu extremeren Verlagen und Verlagsprogrammen am rechtsextremen Rand nicht. Was soll das?, frage ich mich. Entschuldigen Kunst und Kultur jede unüberlegte Blödigkeit? Oder ist Provokation alles? Und hat das Spektakel am Ende den aufrichtigen, von iranischen Aktivistinnen und Verfolgten vorgetragenen Zeugnissen vielleicht gar mehr geschadet als etwas gebracht?
Ende der „Republic of Gods“
Wie gesagt: Ich bin froh, dass die „Republic of Gods“ ihren Zenit überschritten hat und bald wieder Zeit für Wichtigeres bleibt: Für die Spritpreisbremse oder die nächsten Toni-Storys …