„Meine Kraft kommt aus dem Gebet“

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 24
  • Spiritualität
Autor:
War oft auf der Palliativstation und der Onkologie: Die Krankenhaus-seelsorge hat Daniel Kamieniecki viel gegeben. ©Privat

Daniel Kamieniecki, 57, kam bei Pfarrmissionen in Sizilien auf den Geschmack, Priester zu werden. Bei seinen ‚Wüstentagen‘ nimmt er sich kleine Auszeiten im Priesteralltag.

Daniel Kamieniecki ist seit drei Jahren als Pfarrvikar in den Pfarren Ober Sankt Veit  und Unter Sankt Veit – Zum Guten Hirten tätig. 

Werbung

Daniel, du bist gebürtiger Pole. Kann man davon ausgehen, dass du in einer gläubigen Familie aufgewachsen bist?

Ja, das bin ich. Ich erinnere mich noch gut an meine Heimatkirche in Katowice und meine Erstkommunion dort. Als ich vierzehn Jahre alt war, ist meine Familie aber nach Deutschland immigriert. Dort habe ich mich vom Glauben abgekehrt. Ich bin noch gefirmt worden und wie bei vielen war die Firmung auch bei mir das ‚Sakrament des Abschieds‘. 

Gott gab mir Kraft

Wann hast du wieder zum Glauben zurückgefunden?

Ich habe in Bochum Psychologie studiert und bin zu Beginn meines Studiums in eine tiefe Identitätskrise gestürzt. Ich denke, dass der Umzug von Polen nach Deutschland in mir eine Entfremdung ausgelöst hat, die sich auf diese Weise gezeigt hat. In dieser Zeit habe ich eine wahrhaftige Umkehr erlebt. Ich erinnere mich, wie ich eines Abends mit Tränen auf  die Knie fiel und zum ersten Mal seit langem gebetet habe. Ich fing an, wieder die Sonntagsmesse in der nah gelegenen Kirche zu besuchen. Gott hat einen inneren Vorgang in mir ausgelöst. Ein halbes Jahr später lernte ich eine polnische katholische Gemeinschaft in Deutschland kennen und machte mit ihnen eine starke Glaubenserfahrung. 

Wusstest du schon damals, dass du Priester werden willst?

Nicht sofort. Ich habe weiter studiert, habe immer wieder an Wochenenden mit der Gruppe teilgenommen und war öfter in Taizé – all das hat mich sehr bestärkt. Später habe ich die Gemeinschaft der Seligpreisungen kennen gelernt. Mit ihr war ich ein Jahr lang in Sizilien unterwegs, wo wir bei Pfarrmissionen Menschen zu Hause besucht und große Gebetsveranstaltungen in der Kirche organisiert haben. Da habe ich zum ersten Mal gespürt, dass Gott mich vielleicht auch beruft, Priester zu werden. 

Du bist schließlich ins Wiener Priesterseminar eingetreten und wurdest 2008 im Stephansdom zum Priester geweiht. Nach drei Jahren Kaplanszeit in der Pfarre Aspern und einem Jahr in Breitenfurt bei Wien warst du dann elf Jahre lang in der Krankenhausseelsorge.

Die Krankenhausseelsorge hat mir viel gegeben. Ich war oft auf der Palliativstation und der Onkologie. Dort wird man intensiv mit der Theodizeefrage konfrontiert. Das Leid der Menschen hat mich sehr berührt und die Frage aufgeworfen: Warum? Als frisch Bekehrter hat man ja oft eine naive Vorstellung vom Glauben. Dass eh alles gut werden wird. Das Interessante war, dass ich sehr viele kranke Menschen kennen gelernt habe, die auch im Leid am Glauben festgehalten oder sogar zu Gott gefunden haben. Die Seelsorge im Krankenhaus hat meinen Glauben vertieft.

Regelmäßig nehme ich mir einen ‚Wüstentag‘.

Seit drei Jahren bist du Pfarrvikar in Ober Sankt Veit und Unter Sankt Veit.

Ja, ich wollte nach elf Jahren wieder in die ‚klassische‘ Pfarrseelsorge zurück und durfte hier durchaus segensreiche drei Jahre erleben, wo ich mich gut auf die Seelsorge konzentrieren konnte, da man als Pfarrvikar ja von den vielen Verwaltungs- und Managementaufgaben eines Pfarrers befreit ist. Natürlich mache ich auch hier viele Krankenbesuche und bringe den Menschen die Krankenkommunion. 

Kraft aus der Natur

Wann nimmst du dir Zeit fürs Gebet?

Ich habe gemerkt, dass sich mein Gebet mit zunehmendem Alter verändert hat. Ich mache zum Beispiel nicht mehr wie früher täglich eine Stunde Anbetung. Aber nach wie vor kommt meine Kraft aus dem Gebet. Regelmäßig nehme ich mir einen ‚Wüstentag‘. An diesem Tag fahre ich in die Natur, oft in den Wienerwald, wandere oder setze mich auch auf eine Wiese. Mit einem guten Buch, meinem Brevier am Handy und meinen Gedanken.

Schlagwörter
Autor:
  • Sandra Lobnig
Werbung

Neueste Beiträge

| Weltkirche
Minderheit in Syrien

Von einer desaströsen Sicherheits- und Wirtschaftslage und einer sozialen und humanitären Katastrophe in Syrien spricht der syrisch-katholisch Erzbischof Jacques Mourad von Homs.

| Wien und Niederösterreich
Pfarre Erlöserkirche

In der Pfarre Erlöserkirche in Wien-Liesing wurde die vermeintliche Reliquie des heiligen Asklepiades von Antiochien entdeckt. Ob sie authentisch ist, steht noch nicht fest. Der SONNTAG war mit Alexandra Kommer und dem Reliquien-Beauftragten der Erzdiözese Wien, Wolfgang Moser, vor Ort.

| Meinung
Ihnen gesagt

Chefredakteurin Sophie Lauringer über Leihmutterschaft und den Wunsch einer eigenen Familie.